"Der Lech ist Heimat"

Gründung der Stiftung Lebensraum Lechtal e.V.

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Johannes Wölfl von der Unteren Naturschutzbehörde führte die interessierten Gäste durch die Wacholderheide.

Burggen – Am vergangenen Freitag war es soweit – die Stiftung Lebensraum Lechtal feierte ihre Gründung auf dem Biohof Lechbauer in Burggen mit Vertretern aus Kommunalpolitik, Behörden, Landwirtschaft und Ehrenamt.

Einen besonderen Dank sandte Reiner Erben, 1. Vorsitzender des Lebensraum Lechtal e.V., an den Stifter, der namentlich nicht genannt werden möchte. Dieser gründete die Stiftung ursprünglich aus Ärger über den Schongauer Stadtrat, der den Beitritt zum Verein nicht beschlossen hatte. Mit den Erlösen aus der Stiftung kann der Verein nun seine Arbeit zum Erhalt des Lechs als wertvoller Lebensraum bedrohter Tiere und Pflanzen, aber auch des Menschen, ausbauen. Denn „der Lech ist Heimat und Heimatgefühl“, so Erben.

Auf einer kurzen Exkursion ging es durch die Wacholderheide am Ufer des Lechs. Trotz teils auftretendem Starkregen lauschten die Besucher den interessanten Ausführungen von Johannes Wölfl von der Unteren Naturschutzbehörde Weilheim. Eines wurde besonders deutlich: ohne Landschaftspflege geht am Lech gar nichts. „Naturschutz heißt traditionelle Nutzung“, erklärte Wölfl. Denn würde man die Kiesbänke am Lech sich selbst überlassen, würden sie zuwuchern und wären als Lebensraum für viele seltene Tiere und Pflanzen verloren.

Dazu tragen vor allem die engagierten Landwirte aus der Region, wie der Biobauer Walter Lenz bei, der den Biohof Lechbauer betreibt. Unermüdlich verhindern sie durch regelmäßige Mahd die Verbuschung der Kiesbänke.

Mit den Hochleistungskühen der modernen Landwirtschaft sind solche Flächen heutzutage gar nicht mehr in Schach zu halten. Hier würde es großer Weidetiere alter Rassen bedürfen, die diese Areale abweiden und mit ihren Hufen Flächen aufreißen, die wiederum bestimmte Pflanzen benötigen, um keimen zu können. Dafür sorgen nun u.a. Traktoren. Stolz berichtete Wölfl, dass sich in der Wacholderheide an die 100 verschiedene Pflanzen angesiedelt haben.

Inzwischen ist der Lech eher eine Perlenkette von Stauseen als ein Fluss, bildet er überall ein ganz zentrales Element, auch als Naherholungsgebiet für die Menschen. Doch dies birgt gleichzeitig auch große Gefahren aus Sicht der Naturschützer. Badende und Paddler stören z.B. die Brutstätten des Flussregenpfeifers, da ist oft Aufklärung nötig. „Ohne Zeigefinger geht es manchmal nicht“, bedauert Reiner Erben. Daher ist für den Verein die Arbeit mit Schülern auch besonders wichtig, um das Bewusstsein von klein auf zu schärfen. Zudem ist der Lech in Bezug auf die Wasserkraft der am intensivsten genutzte Fluss in Bayern. Bedingt durch die vielen Staustufen hat er aber seine ursprüngliche Fließgeschwindigkeit verloren, so dass kein Kies mehr mitgetragen wird, den viele Fische als Laichgrund benötigen. Aufwändige künstliche Ausbringung von Kies, z.B. an der ­Litzauer Schleife, an der sich die Besucher selbst ein Bild machen konnten, helfen zwar, aber immer nur lokal. Harald Jungbold, Projektmanager Alpenflusslandschaften, bedauerte zwar einerseits, dass die Artenvielfalt im Lech weit hinter denen anderer bayerischer Flüsse zurücksteht, lobte aber andererseits die sehr gute Unterstützung des Wasserwirtschaftsamts und der örtlichen Energieversorger.

Auch wenn es im Fluss selbst etwas mau aussieht, die Artenvielfalt an den Ufern des Lechs ist einzigartig. Hier leben zahlreiche hochbedrohte Arten, wie Heidelerche, Frauenschuh, Scharlach-Plattkäfer und Tamariske. Dies liegt unter anderem an den unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten, erläuterte Dr. Andreas Fleischmann von der botanischen Staatssammlung München in seinem unterhaltsamen Festvortrag. Ungewöhnlicherweise findet man am Lech sowohl kalkhaltige wie auch saure Böden, was dazu führt, dass der Lech artenreicher als alle anderen Alpenflüsse ist. Fleischmann zeigte auf diversen Karten, wie existenziell der Lech seine Aufgabe als Biotopbrücke wahrnimmt. Durch das Lechtal werden sowohl wärmeliebende Pflanzen aus dem Mittelmeerraum eingeschleust, wie z.B. die Küchenschelle, als auch typische Alpenpflanzen, wie die Schneeheide, die hier in enger Nachbarschaft leben.

Durch diese wichtigen Korridore wird die Verbreitung der Pflanzen gesichert, aber auch das Aussterben bedrohter Arten verhindert. Auch Insekten sind ganz stark von den Korridoren abhängig. Viele Wildbienenarten sind so klein, dass schon ein größeres Maisfeld eine unüberwindbare Barriere darstellt, erklärte Fleischmann.

So werden die Besucher in Zukunft garantiert nicht mehr belächeln, wenn Bauprojekte aufgrund von unter Naturschutz stehenden Käfern oder Vögeln auf Eis gelegt werden. Denn sie haben verstanden, dass die Artenvielfalt auch für die Zukunft erhalten bleiben muss und jedes noch so unscheinbare Insekt einen wertvollen Beitrag leistet.

Stefanie Spengel

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