Dauerbrenner heiß wie selten

Zukunft der Fuchstalbahn: Beschlüsse in Kreis- und Landtag

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Der Bahnübergang in der Landsberger Katharinenstraße ist ein „neuralgischer Punkt“, weiß Schongaus Bürgermeister Falk Sluyterman. Er lud jüngst alle Anrainergemeinden zum Gespräch. Es war dies einer mehrerer wichtiger Termine für die Fuchstalbahn.

Schongau/Landkreis – Aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden ist die Fuchstalbahn trotz der Einstellung des regelmäßigen Personenverkehrs im Jahr 1984 nie. Derart im Fokus wie in den letzten Tagen stand sie allerdings schon lange nicht mehr: Nachdem der Kreistag sich Ende Oktober mit ihr beschäftigte, lud am Mittwoch vergangener Woche Schongaus Stadtoberhaupt Falk Sluyterman zur Bürgermeister-Runde ein. Sein Ziel: das Abklopfen der Stimmungen in den Anrainergemeinden. Am Donnerstag behandelte dann auch noch der Bayerische Landtag einen Antrag seiner FDP-Fraktion. Diese sann auf eine Neubewertung der Reaktivierungskriterien.

Zwei Punkte enthielt der Antrag, mit dem Kreisrat Hans Schütz (Grüne) die Fuchstalbahn aufs Tapet der jüngsten Kreistagssitzung des Landkreises Weilheim-Schongau am 25. Oktober brachte. Als Reaktion auf Bestrebungen der Deutschen Bahn beziehungsweise der DB-Netzagentur, den dortigen Güterverkehr einzustellen – dies sei im Frühjahr bekannt geworden –, wünschte er seitens des Kreistags eine Eingabe an die Bayerische Staatsregierung. Diese solle die Forderung enthalten, den Güterverkehr auf der Strecke unbedingt zu erhalten. Andernfalls drohe eine nicht tragbare Erhöhung des Lkw-Verkehrs, spürbar beispielsweise am „Nadelöhr Lechbrücke“ in Schongau.

Daneben zielte Schütz auf einen Beschluss ab, der dokumentiert, dass der Landkreis Weilheim-Schongau die Reaktivierung des Personenverkehrs befürwortet. Denn ein solcher durch die kommunalen Gremien, so habe es ihm die Bayerische Eisenbahngesellschaft BEG mitgeteilt, sei allererste Voraussetzung.

Dieser liegt nun vor – und das einstimmig. Die anwesenden Kreisräte befürworteten Schütz‘ Antrag ohne Ausnahme. Nun liegt der Ball beim Landkreis Landsberg und den Kommunen, um nachzuziehen. Zumindest letztere hatten bereits am Mittwoch vergangener Woche die Gelegenheit, ihre Standpunkte informell auszutauschen. Schongaus Bürgermeister hatte seine Kollegen, deren Gemarkung die Fuchstalbahn streift, eingeladen.

Treffen der Anrainer

„Es war ein Auftakt mit guten Gesprächen“, fasste Sluyterman hernach zusammen. Eine Kommune, die sich von vornherein querstellt, habe sich nicht herauskristallisiert. Das, so Sluyterman, dessen Stadt nach eigener Aussage am meisten von einer Reaktivierung profitieren würde, wäre nämlich schon ein kaum wegzusteckender Rückschlag.

Dass es noch eine Vielzahl schwer abzuwägender Faktoren gebe, sei ganz klar. Beispielsweise die Problematik der Katharinenstraße in Landsberg: Dort, auf einer der wichtigsten Achsen in Ost-West-Richtung, die in die durch den Verkehr eh schon arg belastete Innenstadt hinein und hinaus führt, wären regelmäßig herabsinkende Schranken ein echter Störfaktor. „Das ist ein Konflikt an einem neuralgischen Punkt, der gelöst werden muss“, stellt Sluyterman das Problem in Landsberg, das durch Wirtschaftsförderer André Köhn vertreten war, dar.

Allerdings: „Für den ÖPNV darf es aktuell keine Denkverbote geben“, ist Schongaus Bürgermeister überzeugt. Zu überdenken gibt es noch vieles. Die Taktung beispielsweise ebenso, wie die Anzahl an Haltestellen. „So viele wie es früher waren, sind nicht mehr sinnvoll“, erklärt Sluyterman. Ein Zug, der in jeder Ortschaft Halt mache, sei schlicht keine attraktive Alternative zum Auto. Ein, zwei Haltepunkt zwischen Landsberg und Schongau mit Parkmöglichkeiten scheinen ihm sinnvoll. Das hätte auch den Vorteil, dass nicht allzu viele Bahnsteige wiederherzustellen wären.

Im Frühjahr will sich die Runde nochmals treffen; bis dahin arbeiten der Fahrgastverband und Andreas Holzhey, Betreiber der Bahnhöfe in Landsberg und Schongau, ein Eckpunktepapier aus. Dringlichste Fragen: Wie schnell wäre eine für den Personenverkehr reaktivierte Fuchstalbahn unterwegs und welche Ortschaften sollte diese anfahren?

Dass die nahende Kommunalwahl die nun abgestimmten Standpunkte durcheinanderwürfeln könnte, glaubt Schongaus Bürgermeister nicht. Überhaupt sei der ganze Prozess der Reaktivierung ja maßgeblich vom Freistaat abhängig. Die „magische Zahl“ der 1.000 Personenkilometer pro Tag, die das derzeit bestimmende Kriterium sind, sei zu überdenken. „Man muss das von Fall zu Fall und streckenbezogen bewerten“, findet Sluyterman. Es sei nun mal ein Unterschied, ob für eine Bahn „durch die Wildnis“ komplett neue In­frastruktur zu schaffen sei oder ob man sich auf eine frisch ertüchtigte Strecke wie die Fuchstalbahn beziehe. Ein Argument, das auch Schütz zuvor schon erfolgreich herangezogen hatte. „So etwas sollte in die Betrachtung der Wirtschaftlichkeit mit einfließen“, fasst Sluyterman zusammen. „Entscheidend ist, dass der Freistaat die Kriterien für eine Reaktivierung modifiziert.

FDP-Antrag blitzt ab

Genau das hatte auch der Antrag der FDP im Sinn, um den es am Donnerstag im Bayerischen Landtag ging. Dass seine Bemühungen vergebens sein würden, hatte Alexander Muthmann aber wohl schon erwartet, als er zum Rednerpult schritt. Erst im September hatte sich der Verkehrs­ausschuss dagegen gestellt, am 1.000-Fahrgastkilometer-Kriterium zu rütteln.

„Bei Staatsstraßen wird eine Raumwirksamkeitsanalyse angestellt“, argumentierte der FDP-Mann. „Das oder Ähnliches wollen wir eben auch bei der Bewertung der Bahnlinien und nicht allein abstrakte Zahlen, die den Verhältnissen nicht gerecht werden.“ Auf die Unterstützung seiner Liberalen konnte er dabei ebenso bauen, wie auf die der Grünen und der SPD. Das Gros der Abgeordneten aus CSU, Freien Wählern und AfD war allerdings dagegen.

Ein Bus sei 80 Prozent günstiger als die Reaktivierung einer – wenn großteils leer – emissionsträchtigen Bahn, hielt Jürgen Baumgärtner (CSU) dagegen. Die Staatsregierung habe die Kriterien überprüft; „diese sind richtig, sachgerecht und stringent.“ Die Bahn sei ein Massenverkehrsmittel. Heißt: Wo keine Masse, da keine Bahn.

Als zu isoliert betrachtet tat Manfred Eibl (FW) den Antrag der FDP ab. Auch der Appell „machen Sie den Weg frei für eine Chance für die Fuchstalbahn“ von Dr. Markus Büchler konnte ihn und seine Fraktion nicht erweichen. „Der Schienenverkehr ist das Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs“, machte Büchler den Standpunkt der Grünen klar. Der Bus könne das nicht ersetzen. „Dieser wird schlechter angenommen.“

Für den Antrag der FDP votierten insgesamt 67 Abgeordnete. Unter ihnen auch Andreas Krahl (Grüne) aus dem Stimmkreis Weilheim-Schongau und Fraktionskollegin Gabriele Triebel (Landsberg). CSU-Mann Alexander Dorow aus dem Stimmkreis Landsberg/Fürstenfeldbruck-West votierte dagegen, anders Harald Kühn: Im Gegensatz zum Großteil der Christsozialen brachte der Direktmandatsträger aus Weilheim-Schongau seine Zustimmung zum Ausdruck. „Das hat uns sehr gefreut“, fasst Harald Baumann, Sprecher der Initiative Fuchstalbahn in der Umweltinitiative Pfaffenwinkel, zusammen. Einen Teil der 107 Gegenstimmen schreibt er dem Fraktionszwang zu. Vor allem bei den Freien Wählern vermutet er noch einige Befürworter, die diesmal aber noch gegenteilig stimmten. Auch Susanne Enders (FW), die bei der Kreistagssitzung, bei der das Gremium sich einhellig für die Fuchstalbahn ausgesprochen hatte, fehlte, positionierte sich im Landtag gegen den FDP-Antrag zur Neubewertung der Reaktivierungskriterien.

Dass die Fuchstalbahn derart im Fokus steht, erachtet Arbeitskreissprecher Baumann trotz dem Landtag-Rückschlag für positiv. Er verweist auch auf ein Bürgerforum vergangene Woche in Asch, zu dem das Bürgerforum Buntes Fuchstal und die Umweltinitiative Pfaffenwinkel  geladen hatten. „Interesse und Informationsbedarf sind groß“, fasst er seine Eindrücke des Abends zusammen, bei dem auch Holzhey als Referent zugegen war.

Rasso Schorer

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