Zukunft des Marienplatzes ungewiss – Schongauer Stadtrat "zerhackt" erneut jegliche Lösungsansätze

Mit einem „Konzept 5“ als weiterentwickelte Variante auf der Basis des Verkehrskonzepts Altstadt und Ausarbeitungen der Agenda 21/Umweltinitiative Pfaffenwinkel sowie Ideen vom Tourismusverein wartete Stadtbaumeister Ulrich Knecht in der jüngsten Stadtratssitzung auf. Doch wer gedacht (und gehofft) hatte, dass nach Jahrzehnten des Streits über die Verkehrsregelung in der Altstadt und eine damit einhergehende Fußgängerzone nun die goldene Lösung gefunden worden wäre und die Räte in trauter Gemeinsamkeit den Vorschlägen des Planers Folge leisten würden, sah sich rasch eines Besseren belehrt.

Von „rausholen, was maximal möglich ist“ und „das Aufenthaltsklima verbessern“ hatte Stadtbaumeister Ulrich Knecht geschwärmt und nach Ansicht von Bürgermeister Karlheinz Gerbl sei mit dem Konzept 5 „die ideale Lösung“ gefunden worden, denn dieses Konzept würde von der Stadtpfarrkirche bis zum Marienbrunnen einen verkehrsberuhigten Bereich schaffen, in dem man hineinfahren, wenden und wieder hinausfahren könne. Dem schlösse sich gemäß „Konzept 5“ eine Fußgängerzone an, die den jetzigen Marienplatz und die Westseite des Ballenhauses umfassen würde. Der östlich des Ballenhauses gelegene Bereich würde als verkehrsberuhigte Zone mit mehreren Parkplätzen ausgewiesen. „Natürlich“, so räumte Stadtbaumeister Ulrich Knecht ein, „sei der Marienplatz ein heißes und vorbelastetes Thema“, doch müsse dieser sowieso von Grund auf hergerichtet werden, so dass jetzt die beste (und letzte) Gelegenheit sei, Verkehrsregelung und Fußgängerzone mit in die Gesamtlösung mit ein zu beziehen. „Ich sehe das als Chance“, beteuerte Knecht, der aber anschließend mit wehenden Fahnen unterging. Zu konträr sind die Meinungen der einzelnen Räte und eine Einigung scheint ferner denn je. Immerhin kam das Gremium nach über zweistündiger hitziger Debatte überein, noch einmal alles aufs Tablett zu holen, um nach der Sommerpause alle bisherigen Konzepte und Optionen unter Einbeziehung aller Beteiligten sowie der Bürger, die ja vor zwei Jahren bekanntlich gegen eine Fußgängerzone gestimmt hatten, erneut zu diskutieren in der Hoffnung, dann eine gemeinsame und auch zukunftweisende Lösung zu finden. Stimmen aus dem Stadtrat Klar hinter „Konzept 5“ steht Bürgermeister Karlheinz Gerbl (SPD). Dieser sagt: „Ich möchte für dieses Konzept werben, denn nur so schaffen wir es, die Altstadt attraktiver zu machen. Alle sind mit der Gesamtsituation am Marienplatz unzufrieden und gerade die Verkehrssituation ist untragbar. Da muss sich was ändern. Dabei haben wir eine so schöne Altstadt und es ist einfach schade, wenn da nichts voran geht. Dem Konzept 5 stimme ich voll und ganz zu, denn es ist einfach gut und es beseitigt viele bisherige Kritikpunkte. Ich sehe es als meine Aufgabe als Bürgermeister an, in der Altstadt was positiv zu verändern und dafür ist das Konzept 5 am Besten geeignet.“ Peter Blüml von der CSU sieht das „Konzept 5“ äußerst kritisch. Er meint: „Hauptproblem ist die beidseitige Sperrung des Marienplatzes. Da befürchte ich, dass es Probleme gibt in der Verkehrsführung, vor allem in der Christophstraße. Wenn dort ein Lkw steht, ist kein Durchkommen mehr und alles staut sich. Damit das nicht geschieht, müsste man dort alle Parkplätze entfernen und das ist nicht möglich. Ein weiteres Argument ist der Bürgerentscheid von 2008. Damals haben sich die Bürger gegen eine Fußgängerzone ausgesprochen. Wenn man den Bürgerentscheid jetzt dermaßen missachtet, dann braucht man in Zukunft so etwas nicht mehr durchzuführen.“ Siegfried Müller von der ALS sieht das „Konzept 5“ als gute Basis an. Er sagt: „Das „Konzept 5“ ist ein sehr gut durchdachtes Konzept, denn es bringt mehr Aufenthalts- und Wohnqualität in die Altstadt. Der jetzige Zustand ist untragbar mit dem vielen Durchgangs- und Prominierverkehr, und er ist kein Beitrag zur Belebung der Altstadt und zur Steigerung der Aufenthaltsqualität. Es ist eher das Gegenteil der Fall. Wichtig ist jetzt, dass die Stadtverwaltung die nun zugesagte Bürgerbeteiligung in den nächsten Monaten umsetzt und dann kriegen wir hoffentlich wenigsten eine kleine Oase rund um das Ballenhaus ohne Lärm und Abgase. Mit dem Konzept 5 erhalten wir wenigsten einen kleinen Platz zur Erholung.“

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