Zukunftsprojekt "Versatiles Wohnen"

Ein Haus für jede Lebenslage

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So sieht der Neubau „Versatiles Wohnen“ in Herzogsägmühle aus.

Herzogsägmühle – Viel zu feiern gab es in der vergangenen Woche in Herzogsäg-mühle. So wurde nicht nur die Ausstellung „Im Abseits oder Mittendrin – 120 Jahre Herzogsägmühle“ in der Jungkolonie eröffnet, sondern auch ein einmaliger Bau eingeweiht.

Von außen wirkt das Gebäude am Dorfplatz in Herzogsägmühle wie eine ganz normale zweigeschossige Appartement-Anlage. Zumindest fast, denn statt Zimmernummern kennzeichnen unterschiedliche Farben die einzel-nen Appartements. Und doch ist der Wohnblock kein gewöhnliches Haus. Er ist sogar ziemlich einmalig in Bayern. Denn er beherbergt ein völlig neues Wohnkonzept in der Wohnungslosenhilfe. Nach einem Jahr Bauzeit wurde das Gebäude am Mittwoch feierlich eingeweiht. 

„Versatiles Wohnen“ lautet das Schlagwort für das sozialraumorientierte Zukunftsprojekt, das durch den Bezirk Oberbayern sowie aus Mitteln des sozialen Wohnungsbaus gefördert wird. „Ich gebe zu, ich habe erstmal gegoogelt“, räumte Regierungsvizepräsidentin Maria Els ein, die der Einladung zur Eröffnung gern gefolgt war. Als beste deutsche Übersetzung habe ihr dabei der Begriff „wandelbar“ gefallen. 

„Hier wechseln nicht die Bewohner die Räume, wenn sich der Pflegebedarf ändert, sondern die Räume passen sich an.“ Dies sei ein wichtiger Punkt, betonte Els, denn „dem Mensch fällt es in vertrauter Umgebung leichter schwere Lebensumstände zu meistern.“ 


Das Konzept offenbart sich, wenn man eines der zwölf Appartements betritt. Jedes ist rund 34 Quadratmeter groß und wirkt auf den ersten Blick wie eine ganz normale Wohnung. Es gibt ein Bad, einen Wohn-/Schlafbereich, eine Küchenzeile sowie entweder eine Terrasse oder einen Balkon. Der Clou: Alles ist bereits so geplant, dass die Räume mit wenigen Handgriffen behinderten- oder pflegegerecht umfunktioniert werden können. 

So lässt sich beispielsweise die Küchenzeile höhenverstellen und die unteren Schränke herausnehmen, damit sie Rollstuhlfahrer unterfahren können. Eine Rufanlage ist ebenso integriert wie niedrige Lichtschalter, der Wohnraum bietet Platz für ein Pflegebett. 

„Von ambulant bis normaler Mieter ist alles möglich“, erklärte Andreas Kurz, der in Herzogsägmühle für den Bereich Wohnungslosenhilfe verantwortlich zeichnet. Rund 320 Euro warm kostet die Miete eines Appartements. 

Gerade einmal ein Jahr dauerte der Bau der Anlage. Sowohl für Bauherren als auch das Schongauer Architektenteam um Thomas Baldauf ein Kraftakt. Man habe viele Gespräche mit Bewohnern und Pflegekräften geführt, immer wieder sei umgeplant worden, um bestmögliche Lösungen zu erreichen und dennoch das Budget von 1,7 Millionen Euro nicht zu sprengen, blickte Kurz zurück. „Das ist uns gelungen.“ 

Einen Tag vor der Eröffnung verließen die letzten Arbeiter das Gebäude. Schon bald sollen die ersten Mieter einziehen – vorrangig aus dem benachbarten Lindenhof, der dringend saniert werden muss.

Christoph Peters

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