Konzept für Steingadens Marktplatz

Neuer Schwung für die gute Stube

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Dem Marktplatz samt Zenettihaus (mittig, mit Brunnen davor) soll ein Erlebnisladen neues Leben einhauchen.

Steingaden – Immer mehr Kommunen kämpfen gegen den Leerstand von Geschäftshäusern, vor allem in zentraler Lage. Steingaden ist keine Ausnahme: Seit Jahren ringt Bürgermeister Xaver Wörle um die Wiederbelebung des Zenettihauses am Marktplatz. Nun hat er ein erfolgversprechendes Konzept vorgestellt.

Schaufenster sind die Augen eines Hauses, leere Fenster entsprechend tote Augen. So wirkt auch das Zenetti-Haus – tot. Dabei hat das Gebäude, das seit über 130 Jahren im Besitz einer italienischen Kaufmannsfamilie ist, eine lange Geschichte: Vis-à-vis zum Prämonstratenserkloster, gehörte das Haus zum äußeren Klosterhof, war Krämerwohnung und Remise für die Weinwagen – dem Kloster gehörten die zweitgrößten Weingüter in Bayern.

Nicht zuletzt ist es dieses städtische Ambiente, wie Wörle meint, für das die Kommune seit den 1990er Jahren Mittel aus der Städtebauförderung erhalten hat. Immer in Kofinanzierung habe man wohl im siebenstelligen Bereich investiert und den Marktplatz mit den angrenzenden Straßen saniert. Eine Zeit, als Steingaden, dank seiner Geschichte erblühte – mittendrin das Zenetti-Haus; bis 2013 Textilgeschäft. Bis die Familie aus Altersgründen aufgab.

Schon vor fünf Jahren versuchte Wörle eine Wiederbelebung. Denn wenn der Marktplatz die gute Stube ist, dann ist das Zenetti-Haus so etwas wie das Herz des Ganzen. Wie damals hat der Rathaus-Chef Ideen, diesmal aber viel konkreter. Und Unterstützung, nicht zuletzt vom Auerbergland (s. untenstehender Artikel), wo er sein Konzept wegen einer finanziellen Förderung vorgestellt hatte und eindeutige positive Signale vernahm. Im Gemeinderat, dem Wörle vergangene Woche die Idee des Erlebnisladens für Alt und Jung vortrug, fiel die Reaktion genauso wohlwollend aus.

Erlebnisladen mit regionalen Produkten

Die Idee des Bürgermeisters basiert auf vier Säulen: Verlagerung der Touristinformation ins Zenetti-Haus, Einrichtung einer Confiserie mit Fair-Trade-Produkten, ein Regional-Marktladen und nicht zuletzt ein Kultur-Café. Warum nicht am Marktplatz, den E-Bike-Verleih der Touristinformation ansiedeln, einen Car-Sharing-Punkt aufbauen und die Führungen zu Wies, Welfenmünster oder Klostergarten starten?

Nachdem Steingaden die erste Fair-Trade-Gemeinde im Landkreis war, gibt es bereits eine Kooperation mit der Schokoladenmanufaktur Dengel aus Rott am Inn. Diese ließe sich ausbauen, ist sich Wörle sicher. Und weitere Produkte aus der Region, das Alpfoodway – eine Idee des Tourismusverbandes – dazunehmen.

Angesichts der guten Nahversorgung solle eben kein klassischer Dorfladen entstehen; vielmehr möchte er Handwerkern und Künstlern eine Plattform bieten, ihre Produkte anzubieten. Dafür seien die Schaufenster wie gemacht, ist der Bürgermeister überzeugt. Schlussendlich soll auf den 260 Quadratmeter Grundfläche ein Café entstehen, mit Getränken und Backwaren vom Bäcker gegenüber oder ums Eck, vielleicht mit einem Mittagstisch für Senioren oder Berufstätige. Und einem Angebot für den geistigen Hunger: Lesungen, Vorträge und Ausstellungen könnte sich der Bürgermeister vorstellen. Mittlerweile hat ein Architekt die Ideen visualisiert und Pläne erstellt.

Als Wörle den Vortrag erarbeitet hatte, bezog er sich auch auf Umfragen, die neben der Nahversorgung vor allem die Aufenthaltsqualität des Platzes in den Vordergrund rückten. Zu dieser Zeit hatte das Café Preisinger noch geöffnet.

Weil die Familie Preisinger inzwischen, aus Gesundheits- wie Altersgründen, aufgehört hat, scheint die Stärkung des gastronomischen Angebotes in zentraler Lage dringend geboten.

Nicht zuletzt habe ein Städteplaner, der die Kommune schon länger begleitet, Wörle mit auf den Weg gegeben: Mit der Nutzung von Schlüsselimmobilien ließen sich wichtige Akzente erreichen. Ideen, denen die Steingadener Räte nichts entgegenzusetzen hatten.

Oliver Sommer

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