Im Vorjahr das Wetter, dann Corona: 

Zwei schwierige Jahre für Schongaus Tourismus

Dazu, dass die Führungen in Schongau 2019 ein starkes Jahr hinlegten, trug auch das Henkers­tochter-Schauspiel bei.
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Dazu, dass die Führungen in Schongau 2019 ein starkes Jahr hinlegten, trug auch das Henkers­tochter-Schauspiel bei.

Schongau – Im vergangenen Jahr war Corona noch fern, auch in Schongau. Insofern lassen sich die Kennzahlen der Tourist Information aus 2019 gut mit denen der Vorjahre vergleichen: Das vorangegangene Wachstum in Sachen Übernachtungen erlebte einen Dämpfer, ebenso das Lechfloß. Ganz anders die Stadtführungen, die 2019 eine gute Saison hinlegten. Für 2020 liegen ebenfalls die ersten Daten vor – sie sind erwartungsgemäß von der Pandemie gekennzeichnet. 

Die Statistik weist für 2019 insgesamt 25.256 Übernachtungen aus. Im Jahr zuvor waren es 26.671, sodass ein Minus in Höhe von 5,3 Prozent zu Buche steht. Der 2018 erreichte Zuwachs um 9,4 Prozent fand damit keine Fortsetzung. Damals hatten die gewerblichen Übernachtungen sogar um 13,9 Prozent zugelegt, doch auch hier brachte 2019 ein Minus – nämlich um 5,1 Prozent. Zum Vergleich: Der gesamte Pfaffenwinkel hatte 2019 in Sachen Übernachtungen um 0,3 Prozent zugelegt – gegenüber 4,2 Prozent im Vorjahr.

Geschätzt konstant blieb indes der Zuspruch der Wohnmobilisten in Schongau. Sie werden in der oben genannten Statistik nicht erfasst. Ursula Diesch, Leiterin der Tourist Information, beziffert ihre Übernachtungen für 2019 aber wie schon im Vorjahr auf rund 6.000.

Eine ganz andere erhebliche Einflussgröße trat 2020 auf: Corona. Von Januar bis September 2020 wurden dem Bayerischen Landesamt für Statistik insgesamt 12.792 gewerbliche und nicht gewerbliche Übernachtungen in Schongau gemeldet. Bedingt durch die Pandemie hatte ja mehrere Monate lang gar keine Möglichkeit für eine Übernachtung im Hotel oder in einer Ferienwohnung bestanden. Gegenüber dem Vorjahr folgte daraus für den gewerblichen Bereich ein nochmaliges Minus in Höhe von 34,3 Prozent. Zum Vergleich: Oberbayernweit lagen diese Einbußen bei 39,1 Prozent.

„Auffallend war die Zeit nach dem ersten Lockdown im Frühjahr, als der Wohnmobilplatz gleich im Mai oftmals mit 20 und mehr Wohnmobilen gut gefüllt war“, schildert Diesch. Auch in den Sommermonaten hielten sich zahlreiche Gäste mit ihren Fahrzeugen dort auf. Ab dem kommenden Jahr werden die Gebühren für die Wohmobilisten erhöht, der dortige Parkscheinautomat umgerüstet (wir berichteten).

Faktor Wetter

Die Strategie des Tourismus in Schongau sei eine sanfte und wolle auf die Erlebbarkeit von Kultur und Natur aufbauen, so Diesch. Die Säulen Erlebnisführungen, Wandern und Radeln und das Lechfloß richten sich an Einheimische und Gäste – sind aber mitunter wetterabhängig, erklärt die Leiterin der Tourist Information. Das kann sich dann auf die Übernachtungszahlen ebenso niederschlagen, wie auf Führungen und Floßfahrten.

Waren im sonnigen Jahr 2018 2.609 Gäste bei 75 Fahrten an Bord des Floßes gegangen, so waren es im launischeren Jahr 2019 bei mit 53 deutlich weniger Rundtouren auch weniger Gäste, nämlich 1.932 Gäste (-677). Elfmal war 2019 das Wetter der Grund, dass Termine entfielen. „Und wenn Termine stattfinden konnten, waren die Leute zurückhaltender“, schildert Diesch. „Wenn es über längere Zeit nicht so beständig ist, zieht es die Leute weniger für einen Ausflug und ohne Dach über dem Kopf aufs Wasser.“

Im Jahr 2020 gab es bedingt durch Corona keine Betriebs­ausflüge oder Gruppenanfragen für das Floß. Dennoch legte es genauso oft ab wie 2019, bei sechs wetterbedingten Absagen. Bei Einzelmitfahrern, Familien und Urlaubern war das Interesse groß, freut sich Diesch. „An den Sonntagen wurden teilweise vier bis fünf Fahrten organisiert.“

Aufgrund des Hygienekonzept samt größerer Abstände passten nur noch 30 statt 40 Mitfahrer je Fahrt an Bord, in Summe sank die Gästezahl auf 1.466. Sie waren auf der 2020 planmäßig erneuerten Unterkonstruktion unterwegs. Bei der TÜV-Überprüfung konnten gleichzeitig zwei weitere Floßführer ihre Prüfungen ablegen.

Wieder mehrsprachig

Neben dem Floßführerteam hat in diesem Jahr auch die nun achtköpfige Schar der Stadtführer Verstärkung erhalten: Dank eines neuen Gesichts werden wieder Führungen auf Englisch, Französisch und Italienisch angeboten. Zusätzlich hatten sich einige Stadtführer in den Wintermonaten darauf vorbereitet, Gästegruppen auch die Kirchen im Pfaffenwinkel zu zeigen. Aufgrund von Corona mussten jedoch von März bis Juni und dann wieder im Herbst alle geplanten und gebuchten Führungen storniert werden. Das gilt auch für die Adventsführungen. Eine in den Sommermonaten spontan konzipierte Erlebnisführung zum Thema „Henker-Heiler-Hexen“ wurde erfolgreich umgesetzt, weil die Teilnehmenden ausschließlich Sehenswertes im Freien ansteuerten.

Beliebte Führungen

Bis November 2020 sind Schongaus Stadtführerinnen und Stadtführer insgesamt zu 64 Führungen – die regelmäßigen Freitagsführungen, gebuchte Termine und jene mit Spezialthemen – aufgebrochen, bei denen sie insgesamt 997 Gäste durch die Altstadt oder in die Wieskirche begleiteten.

Im Jahr 2019 und damit vor Corona waren die Zahlen mit 4.017 Teilnehmern bei 184 Führungen noch deutlich höher. Im Vergleich mit 2018 (3.388) war damals ein Gästeplus von 19 Prozent erreicht worden – bei fünf Touren weniger. Dazu trug neben und dem Angebot für Begleitungen zu den Sehenswürdigkeiten im Pfaffenwinkel auch die spezielle Führung zum Henkerstochter-Schauspiel bei. „Die waren sehr gut besucht“, erinnert sich Diesch. Viele Gäste hielten sich schon tagsüber für die abendlichen Aufführungen in der Stadt auf – und nahmen auch gleich die Möglichkeit zur Themenführung wahr.

Ausblick auf 2021

Die Henkerstochter soll die Zahlen auch 2021 wieder ankurbeln: Im kommenden Jahr sind Erlebnisführungen in Zusammenarbeit mit dem Bestsellerautor Oliver Pötzsch geplant. Darüber hinaus wird ein Audioguide ebenfalls in Kooperation mit Oliver Pötzsch erstellt, der den Hörer zu den Schauplätzen der Henkerstochter führt. „Mit diesem Projekt ist es Gästen möglich, zu jeder Zeit einen interessanten Rundgang durch die Altstadt zu unternehmen“, blickt Diesch voraus.

kb/ras

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