Mit 1.000 Schnitten zersägt

Fast Halbzeit beim Teilneubau der Echelsbacher Brücke

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Derzeit stehen nur noch die zwei alten Bögen der Echelsbacher Brücke. Bis zur Fertigstellung des Teilneubaus 2021 rollt der Verkehr weiter über die Behelfsbrücke (im Hintergrund).

Rottenbuch – Vor ziemlich genau zwei Jahren fiel der Startschuss für eines der wohl größten Baustellen-Projekte, das es in der Region je gab: den Teilneubau der Echelsbacher Brücke über die Ammerschlucht zwischen Rottenbuch und Bad Bayersoien. Die Schneemassen in diesem Winter haben die Fortschritte ein wenig verzögert. Wer mehr über die Großbaustelle erfahren will, hat ab Mitte Mai bei regelmäßigen Führungen dazu Gelegenheit.

Als „Golden Gate Bridge des Oberlands“ bezeichnete der frühere Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die Echelsbacher Brücke beim Spatenstich zu deren Teilerneuerung im Mai 2017. Das 90 Jahre alte Bauwerk hatte bereits mehrere Sanierungen erfahren, eine große Lösung war mittlerweile aber unumgänglich geworden. Da jedoch auch keine sinnvollen Umleitungsmöglichkeiten für den Verkehr auf der B23 bestehen, musste eine Behelfsbrücke über die 183 Meter breite und bis zu 78 Meter tiefe Ammerschlucht errichtet werden.

Bevor also mit dem Brückenbauwerk an sich begonnen werden konnte, musste diese größte Behelfsbrücke Deutschlands – sie hat eine Spannweite von 266 Metern – errichtet werden. Allein diese Leistung nahm etwa ein Jahr in Anspruch. Der Stahlkoloss konnte Ende Juni vergangenen Jahres für den Verkehr über die Schlucht freigegeben werden. Ab diesem Zeitpunkt konnte der Rückbau der alten Brücke beginnen.

Zunächst mussten hierfür Arbeitsplattformen errichtet werden. Mit einer Baukreissäge mit bis zu 20 Metern Durchmesser begann man dann, die Brücke in einzelne Teile zu zerschneiden. „Etwa 1.000 Schnitte waren dafür nötig“, sagt Christoph Prause, beim Staatlichen Bauamt Weilheim für den konstruktiven Ingenieurbau zuständig. Natürlich mussten dabei auch statische Vorgaben beachtet werden. Zudem durften die einzelnen Teile nicht mehr als 5,5 Tonnen wiegen, da sie mit einem Kran ausgehoben werden mussten.

Die denkmalgeschützen Brückenbögen, die auch Heimat von Fledermäusen sind, sollen erhalten werden. Überbau und Bögen mussten daher voneinander getrennt werden. Mit dem Presslufthammer sind dafür Hohlstellen und Risse freigelegt worden, schildert Prause: „Da sind wir natürlich nicht so in die Tiefe gegangen, um die Grundsubstanz nicht anzugreifen.“ Dazu mussten die kompletten Bögen – insgesamt handelt es sich um 3.600 Quadratmeter – gesandstrahlt werden, um die Oberflächenschutzbeschichtung zu entfernen, damit die Schäden besser beurteilt werden können.

Demnächst sollen Schäden und Risse an dem alten Bauwerk verpresst werden. Im Anschluss wird Spritzbeton aufgetragen und auch die Oberflächenschutzbeschichtung muss wieder auf die Bögen. Das Auftragen dieser erfolgt in drei Schritten, wie der Bauamtsmitarbeiter erklärt.

Etwa im Juli will Prause mit dem Bau des neuen Bogens beginnen. Der soll quasi auch als Schutz über den alten Bögen entstehen. Durch den neuen Brückenbogen wird dann auch kein Tauwasser mehr auf die alten gelangen. „Die sollten also wieder eine Weile halten“, so Prause. Plan ist es, den Beton am neuen Bauwerk über Weihnachten aushärten zu lassen.

Apropos Plan: Ganz im Zeitplan ist man aktuell an der Baustelle nicht mehr. „Durch die enormen Schneemengen in diesem Jahr haben wir fast zwei Monate verloren“, sagt der Bauamtsmitarbeiter. „Wollen wir den neuen Bogen noch dieses Jahr abschließen, muss jeder Tag intensiv genutzt werden.“ Eine vorsichtige Prognose für die Fertigstellung des Teilneubaus gibt Prause ebenfalls ab: Spätherbst 2021.

Die Großbaustelle bleibt also noch eine ganze Weile bestehen. Weil das Interesse der Bürger an dem Projekt nach wie vor groß ist, hat man sich jetzt dazu entschlossen, ab dem 17. Mai Baustellen-Führungen durchzuführen, kündigt Prause an. Diese sollen immer freitags um 14 Uhr stattfinden. Gruppen sind auch auf Anfrage willkommen. Anmeldungen und weitere Informationen gibt es bei der Tourist-Info Bad Bayersoien. Die Führungen werden rund eine Stunde dauern und sollen pro Person drei Euro kosten. 

asn

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