Heimatminister Söder feiert mit den Allgäuern Geburtstag und Jahresfest

Das Allgäu gibt`s schon 1200 Jahre

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Mit der „Zelle von Zell“ fing es mit dem Begriff Allgäu an. Heimatminister Markus Söder (von links), Oberstaufens Bürgermeister Martin Beckel, Heimatbund-Vorsitzender Karl Stiefenhofer und Georg Wagner vom Heimatdienst Oberstaufen präsentierten den Ausgangspunkt des zukünftigen Skulpturenpfades.

Oberstaufen – Es begann alles mit einem – fast modernen – Schutzvertrag. Die erste Erwähnung einer Bezeichnung, die sich wie „Allgäu“ liest, findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr 817.

Dieser „Geburtstag des Allgäus“ – oder Namenstag – wird heuer unter der Regie des Heimatbundes Allgäu mit vielen Veranstaltungen gefeiert. Der Auftakt für das Jubiläumsjahr fand in Oberstaufen statt. Zu den ersten offiziellen Gratulanten gehörte Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder.

Oberstaufen als „Urzelle“ des Allgäus? Fast, denn die „Zelle“ von der in der Urkunde die Rede ist, das heutige Dorf Zell, ist nur ein paar Kilometer von Oberstaufen entfernt. Dieses „Wisirihzell“ – mithin wohl nicht viel mehr als eine Hofstelle – überschrieb ein Wisirih am 7. Februar 817 dem Kloster St. Gallen. Gelegen sei die „Zelle“, so die Urkunde weiter, „im albgauischen Gau gelegen“. Im Gegenzug darf der besagte Wisirih seine Besitztümer weiterhin nutzen gegen eine Art Pacht von einem Schilling. Hintergrund der Vereinbarung war wohl die Sorge Wisirihs, dass die aus dem Norden vordrängenden Franken sein Wisirihzell besetzen könnten. Der Schutzvertrag mit dem Kloster erschien ihm als „Rundumversicherung“, Altersvorsorge eingeschlossen.

Die Franken waren‘s offenbar, die letztlich den Anstoß dazu gaben, dass „das Allgäu“ aktenkundig wurde. Bayerns Heimatminister Markus Söder, leidenschaftlicher Franke, hatte dann reichlich Stichworte für seine launige Fest- rede zum Jubiläum. Als im Allgäu solche Verträge geschlossen wurden, sei in München „noch gar nichts los“ gewesen, meinte Söder und folgerte: die Allgäuer seien wohl die ersten Bayern gewesen. „Im Großen und Ganzen sind die Allgäuer freundliche Menschen – wie die Franken.“

Söder erinnerte daran, dass es beim Begriff Heimat um mehr gehe als ums Bewahren. „Heimat ist nichts Statisches.“ Die Regionen, die Heimat, müssten die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten haben wie die Ballungsräume. „Es darf keine Zwei-Klassen-Gesellschaft geben“, so Söder.

Es reiche nicht, dort zu investieren „wo schon viel ist“; vielmehr brauche der ländliche Raum jedwede Förderung, nicht zuletzt gleichwertigen Ausbau der Digitalisierung. Söder: „Das Allgäu muss die gleichen Möglichkeiten haben wie die Großstadt!“ Das bedeute auch, dass die Menschen vor Ort entscheiden dürften, was in ihrer Heimat geschehe, so der Heimatminister mit Blick auf das umstrittene Skiliftprojekt am Riedbergerhorn.

Das Jubiläum, das der Heimatbund Allgäu feiern könne, stehe für Tradition, Entwicklung, Werte. Die Idee des Vereins, einen „Fahnenwald“ anzulegen, in dem sich alle Kommunen und Organisationen des Allgäus wiederfänden, hält Söder für ausgesprochen gut. Der Minister versprach dann auch kurzerhand, die erste Heimatfahne des Staatsministeriums dafür zur Verfügung zu stellen.

Dass das Jubiläum Anlass gab, der alten und nach wie vor strittigen Frage nachzugehen, wo das Allgäu denn anfange und wo es aufhöre, war naheliegend. Beim Heimatbund Allgäu, dem Dachverband der heimatkundlich tätigen Vereine im Allgäu, sieht man das nicht so eng. Wichtig sei, so betonte Heimatbund-Vorsitzender Karl Stiefenhofer, selbst ein württembergischer Allgäuer, dass es engagierte Menschen gebe, die sich bei der Heimatpflege einbrächten: „Menschen und Geld braucht es – aber am meisten Geld.“ Der Heimatbund Allgäu, das sind 34 Allgäuer Heimat- und Geschichtsvereine mit über 8000 Mitgliedern.

Mit einem Fahnenwald, der im Sommer beim Oberstaufner Heimathaus angelegt wird, sollen möglichst viele Gemeinden in den historischen Grenzen des Allgäus „Flagge zeigen“. Ein Skulpturenpfad wird darüber hinaus die Geschichte des Allgäus am Beispiel zahlreicher Persönlichkeiten der Region anschaulich machen.

Josef Gutsmiedl

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