Ein Abschied mit Wehmut

Mit einem letzten Appell verabschiedete sich die Schule für Feldjäger und Stabdsdienst aus Sonthofen und dem Oberallgäu. Die Schule der Bundeswehr ist künftig in Hannover untergebracht. In der 53-jährigen Geschichte dieser Bundeswehr-Schule werde ein neues Kapitel erfolgreicher Arbeit aufgeschlagen, so der Tenor der Grußworte. Nach dem Abzug der Feldjäger wird die Generaloberst-Beck-Kaserne mit aufwändigen Baumaßnahmen saniert und für die geplante Nutzung durch die ABC- und Selbstschutz-Schule vorbereitet. Nach dem militärischen Zeremoniell rundete eine abendliche Serenade im Sonnenhof der „Burg" den Abschied der Feldjäger-Schule vom Oberallgäu ab.

Der eigentliche Umzug der Feldjägerschule von Sonthofen nach Hannover sei nicht das Problem, deutete Schulkommandeur Oberst Hubert Katz die besondere Note des Abzuges der Feldjäger an. Es gelte jetzt neben 255 Tonnen Material „den Geist und die Seele dieser Schule" zu transportieren. Die Gebäude der Schule seien der Körper, die Seele aber sei die Kommunikation. „Herzstück jeder Kommunikation ist Kultur", so Oberst Katz weiter. Diese Kultur habe sich im ausgeprägten Miteinander von Stadt und Soldaten in Sonthofen bestens gezeigt. „Das wünsche ich mir für Hannover." Aufbruch heiße nicht Abbruch, unterstrich der Schulkommandeur. Jetzt werde man nicht im Stimmungstief versinken, auch wenn der Abschied von Sonthofen und dem Allgäu vielen Angehörigen der Schule sehr schwer falle, spannte Katz den Bogen in die Zukunft in Hannover. Die Schule werde schon „aufmerksam erwartet und aufgenommen werden". Er sei sicher, dass Hannover der Schule und den Soldaten die notwendige Heimat geben werde. Als letzter Kommandeur der „Burg" dankte Oberst Katz allen, die sich der Schule aktiv und insgesamt verbunden fühlten in „53 Jahren bewegter und bewegender Geschichte." Katz abschließend: „Es ruft jetzt die Heide, nicht mehr der Berg!" Der Oberallgäuer Landrat, Gebhard Kaiser, erinnerte daran, dass die Stadt Sonthofen und das Oberallgäu, gerne „militärische Heimat" der Schule und der Lehrgangsteilnehmer gewesen sei. Viele Soldaten seinen im Allgäu hängen geblieben. Stets habe sich die Schule als fairer Partner für die Region gezeigt und ein hervorragendes Verhältnis zu Zivilbevölkerung entwickelt und gehalten. Nicht zuletzt sei die Bundeswehr ein „bedeutendes Glied der regionalen Wirtschaft", ergänzte Kaiser. Erfolg Für den Landrat und den Allgäuer Bundestagsabgeordneten Dr. Gerd Müller ist das jüngste Kapitel der „Burg" verknüpft mit einem „überzeugten und unermüdlichen Kampf" um eine weitere militärische Nutzung der Kaserne. Zwar habe man mit dem Erhalt der Kaserne „einen Teilerfolg erzielt", aber letztlich die Verlegung der Feldjägerschule nicht verhindern können. Jetzt sei es um so wichtiger, dass nach Räumung der Generaloberst-Beck-Kaserne der Umbau sofort beginne und die notwendigen Mittel bereit gestellt würden. Die Sorge, dass zunächst nichts geschehe, um den Umzug der ABC- und Selbstschutz-Schule der Bundeswehr, in die „Burg" vorzubereiten, versuchte Christian Schmidt, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, zu zerstreuen. Man habe ein Anschlusskonzept entwickelt und 23 konkrete Baumaßnahmen sollen schon im Herbst beginnen. Rund 24 Millionen Euro stünden für den ersten Abschnitt zur Verfügung. Insgesamt werden mehr als 100 Millionen Euro investiert. Die ABC-Schule werde dann - im Jahr 2013 - den Schulstandard vorfinden, der heute unabdingbar sei für militärische Bildungseinrichtungen, deutete Schmidt das Niveau der Ausstattung an. Statt der klassischen Acht-Mann-Stube früherer Jahrzehnte seien Lehrgangsteilnehmern in Appartements mit zeitgemäßen Nasszellen untergebracht. Auch die Sportschule und die Sportfördergruppe Sonthofen könnten sich auf optimale Bedingungen freuen, wenn sie die Zwischenstation in der Grüntenkaserne verlassen. Wehmut Für Sonthofen sei der letzte Appell in der „Burg" ein Tag voller Wehmut, sagte Bürgermeister Hubert Buhl. Die Schule habe die Entwicklung der Stadt wesentlich geprägt und ihren Auftrag mit Bravour erfüllt. Er sei zuversichtlich, dass die Feldjägerschule ihre Aufgaben auch in Hannnover erfüllen werde. An Buhls Wunsch, dass Hannover die Schule und ihre Soldaten gut aufnehmen werde, knüpfte schließlich Stephan Weil, Oberbürgermeister der Stadt Hannover, mit seiner Einladung an: „Wir haben zwar keine Berge, aber es erwartet Sie eine lebendige, quirlige Großstadt mit Bergen von Möglichkeiten und Angeboten. Hannover erwartet Sie mit Freude!" Einen ganz besonderen Zapfenstreich markierte die abendliche Serenade im Sonnenhof der Burg, mit dem sich der Landkreis Oberallgäu und die Euregio via saline von den Feldjägern verabschiedeten. Das „Wind Music Orchester Reutte erinnerte musikalisch an das Gedenkjahr 1809 Tirol und präsentierte als Höhepunkt der Serenade das selten aufgeführte Tongemälde "Der Traum eines österreichischen Reservisten" - unterstützt von den Schützenkompanien Lechaschau und Vils. Als besonderes Abschiedgeschenk hatten Euregio-Präsident Gebhard Kaiser und der Prjektleiter des aktuellen Euregio-Musikfestivals, Simon Gehring, etwas ganz Besonderes mitgebracht: Alphornbläser aus Memhölz und Eckarts präsentierten im Sonnenhof der „Burg“ die Uraufführung einer Komposition von Gottfried Veit. Das Stück soll ein besonderer Dank sein und den Bogen spannen von den Allgäuer Bergen in die Heide bei Hannover. Man werde sich trotz der Entfernung nicht aus den Augen verlieren, deutete Kaiser einen Besuch in Niedersachsen an.

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