Besseres Fischen im Trüben

Abwasserverband Obere Iller rüstet auf – Feinrechen soll Kosten senken

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„Gut angelegtes Geld“, meinte der Vorsitzende des Abwasserverbandes, Dieter Fischer (von links), als er mit Geschäftsführer Siegfried Zengerle und Vorstands-Vize Alois Ried den neuen Feinrechen im Klärwerk in Thanners begutachtete.

Immestadt-Thanners – Mit der Inbetriebnahme eines neuen Feinrechens hat der Abwasserverband Obere Iller AOI einen ersten wichtigen Baustein bei seinem Konzept 2030 für die Verbandskläranlage in Immenstadt-Thanners gesetzt. Mit dem Projekt Feinrechen wird der steigenden Menge an Feststoffen im Abwasser Rechnung getragen. Eine „Fracht” im Abwasser, die zunehmend für Mehraufwand und Störungen sorgte.

Ernst Waibel, Leiter der Klärwerk-Mechanik, erläutert das Prinzip der neuen Anlage.

„Man sieht von außen nicht viel”, meinte Dieter Fischer, Verbandsvorsitzender bei der offiziellen Inbetriebnahme. Die „Apparatur”, also der Feinrechen mit Hebewerk, wurde bereits im Jahr 2016 konzipiert, und Ende 2017 fasste die Verbandsversammlung den Beschluss für die Investition. Es folgten Planung und Ausschreibung; im Frühjahr 2019 begannen die Bauarbeiten.

Mit einem „Kraftakt”, so erinnert sich Fischer, wurde die neue Technik schließlich im Sommer in den Gesamtablauf der Abwasserbehandlung eingefügt. Dabei ging es nicht nur um Millimeterarbeit beim Bau, sondern auch um perfekte Planung beim Einbau. Es habe nur ein 8-Stunden-Zeitfenster geben, wobei ein Tag mit möglichst wenig Zulauf zugrunde gelegt wurde. Das Abwasser aus den Haushalten konnte man ja nicht einfach abstellen, also war möglichst wenig Niederschlagswasser der entscheidende Punkt.

„Pro Sekunde kommen hier auf der Anlage gut 1200 Liter Abwasser an – also sechs bis sieben Badewannen voll”, beschreibt Kläranlagen-Planer Dr. Werner Gebert vom Ingenieurbüro GFM in München das Tagesgeschäft, als er das „sehr komplexe Projekt“ erläuterte.

Der neue Feinrechen soll mit einem Stababstand von nur vier Millimeter das lästige Grobzeug abfangen und aus dem trüben Abwasserstrom „fischen”, die bislang beim bestehenden Grobrechen nicht hängen blieben. Rund 120 Tonnen an Feststoffen pro Jahr werden jetzt abgefangen und über das Hebewerk und eine Mechanik in Kunststoffschläuche gefüllt. So soll die Geruchsbelastung möglichst gering gehalten werden. Dieser besondere Abfall wird von Entsorgungs- und Recyclingbetrieben weiter „bearbeitet“ und nach Möglichkeit zum Teil wieder als Rohstoff verwendet.

Nicht allein die zunehmende Menge an Feststoffen macht dem Klärwerksbetrieb zu schaffen, auch deren Beschaffenheit. So erweisen sich etwa die reißfesten Feuchttücher, die in vielen Toiletten benutzt werden, als Problem, weil sie sich nur schwer zersetzen und so im Faulturm den weiteren Prozess stören. „Die Reinigung des Faulturms macht einen aufwändigen Tauchgang alle fünf bis sechs Jahre notwendig”, erklärt Dieter Fischer. Das koste rund 400 000 Euro, so Fischer weiter, und die Kläranlage steht währenddessen still. „Diese gewaltigen Kosten wollen und müssen wir senken.” Mit dem neuen Feinrechen erreicht man eine deutliche Verbesserung der Abläufe. Das 1,7-Millionen-Projekt sei eine sinnvolle Investition: „Das Geld ist gut angelegt.”

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