Ein Gebäude mit langer Tradition

Das Möggenriedhaus in Sonthofen - historisches Kleinod

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Das Möggenriedhaus im Mühlenweg ist mehr als 430 Jahre alt.

Sonthofen – Es ist eines der ältesten noch erhaltenen Gebäude in Sonthofen: Das Möggenriedhaus im Mühlenweg. Erbaut um 1586, war dort lange Jahre eine Nagelschmiede untergebracht.

Die Verarbeitung des Grüntenerzes sicherte vielen Menschen in Sonthofen und Umgebung als Nebenerwerb den Lebensunterhalt. In Erinnerung an diesen wichtigen Industriezweig zeigt das Sonthofer Stadtwappen neben den Flachspflanzen zwei gekreuzte Schmiedehämmer.

Das Möggenriedhaus zählt zu den ältesten Gebäuden in Sonthofen. Die Anfänge seiner Geschichte liegen im Dunkeln, Untersuchungen des verbauten Holzes haben ergeben, dass es um etwa 1586 erbaut wurde. Eine Art Brunnenschacht sowie eine tragende Wand im Keller lassen vermuten, dass an dieser Stelle schon zuvor ein Gebäude stand. Möglicherweise befand sich hier das sogenannte Hengste­haus, in dem die Reittiere des Landesherren untergebracht waren, wenn dieser zu Gerichtssitzungen nach Sonthofen kam.

Die Grundbucheinträge des Hauses gehen bis in das Jahr 1819 zurück: Die Nagelschmiedewitwe Creszenzia Maria Wittwer verkaufte das Haus an den Nagelschmied Johann Nepomuk Faby. Beinahe 50 Jahre später erwarb ein Gemeindediener das Anwesen, der das obere Stockwerk an die Familie Schraudolph vermietete. 1887 wurde hier der berühmte Sonthofer Kunstmaler Robert Schraudolph geboren. 1890 ging das Haus in den Besitz des Nagelschmiedes Gustav Übelhör über. Moderne Schmiedemethoden machten das herkömmliche Handwerk der Nagelschmiede überflüssig, weshalb 1913 der Schreiner Friedrich Möggenried das Haus erwarb und seine Werkstatt bis 1949 dort einrichtete – und dem Haus seinen Namen gab. Danach betrieb sein Sohn ­Alois dort für knapp 20 Jahre eine Schweinezucht. Seine Erben verkauften das Haus, in dem nun zunächst Gastarbeiter wohnten, bevor es lange Jahre leer stand. 1985 kaufte eine Baufirma das Gebäude mit dem Hintergedanken, es abzureißen.

Zurück im Familienbesitz

Glücklicherweise blieb das historisch wertvolle Gebäude jedoch erhalten. Im Jahre 2006 erwarb schließlich ein Nachfahre des Schreinermeisters Möggenried das inzwischen unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Franz-Fredo Möggenried möchte das Haus restaurieren. In Eigenarbeit hat er das Gebäude, das von den letzten Bewohnern vermüllt zurückgelassen wurde, entrümpelt.

Auch durch den jahrelangen Leerstand nahm das Haus Schaden. Das Dach war an mehreren Stellen undicht, Balken im Dachstuhl waren eingebrochen. Viele Schichten von Kunststoff- und Teppichböden, die in den 1970er Jahren verlegt worden waren, hatten die Holzdielenböden beschädigt. Außerdem kam wegen der vernagelten und verrammelten Fenster und Türen jahrelang kein Licht ins Hausinnere – Feuchtigkeit schädigte das Gebäude.

Die schlimmsten Schäden sind inzwischen behoben. Experten haben das Haus unter bautechnischen und historischen Aspekten untersucht. Der verstorbene Architekt Claudio Ritter, fasziniert von dem Gebäude, hat das Haus genau vermessen und eindrucksvolle Skizzen angefertigt. Von der Architektin Maria Ritter liegen zudem Pläne zur energetischen Sanierung des mehr als 430 Jahre alten Hauses vor, auch Pläne zur Restaurierung gibt es bereits, angefertigt vom Oberstdorfer Architekten Franz Vogler.

Bei Instandsetzungsarbeiten kam eine Tür aus dem Jahr 1587 zum Vorschein, hinter Brettern verborgen, und deshalb in hervorragendem Zustand. In der Türe sind Intarsien eingearbeitetet, die bislang jedoch noch nicht entschlüsselt werden konnten. Außerdem fanden sich hinter alten Tapeten Zeitungen und Rechnungen, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen – wertvolle historische Zeugnisse.

Für die künftige Nutzung des Möggenriedhauses gibt es viele Ideen – wichtig ist dem Besitzer auf jeden Fall, das Haus wieder mit Leben zu füllen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

eva

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