Abschied mit Perspektive

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Mit allen guten Wünschen vollzogen Dr. Karl Huber (rechts), der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes, und der Präsident des Landgerichts Kempten, Dr. Johann Kreuzpointner (von links), die Übergabe der Amtsgeschäfte von Alfred Reichert an den neuen Direktor des Amtgerichtes Sonthofen, Dietmar Herrmann.

Sonthofen - Als „Austragshof“ hatte er sein Amt als Direktor des Amtsgerichtes Sonthofen nie aufgefasst. Als Alfred Reichert vor gut sieben Jahren die gerade von der Zweigstelle zum „richtigen“ Amtsgericht aufgewerteten Gerichtssitz übernahm, machte er vielmehr kein Hehl daraus, dass er „ein Gericht mit persönlicher Note“ aufbauen wollte.

Und, das ließen die Rückblicke und Würdigungen anlässlich Reicherts Verabschiedung klar erkennen: dieses Ziel hat er erreicht. Reichert geht nicht etwa in den Ruhestand – er ist seit wenigen Wochen Vizepräsident des Landgerichtes Kempten. Seine Nachfolge in Sonthofen tritt Dietmar Herrmann an.

Die „Pionierarbeit“ der Gründungszeit des Amtgerichts Sonthofen komme nunmehr zum Abschluss, würdigte Dr. Johann Kreuzpointner, Präsident des Landgerichts Kem pten, die Verdienste Alfred Reichert. Und der Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes und des Oberlandesgrichts München, Dr. Karl Huber, ergänzte: „Sie haben hier in Sonthofen Außerordentliches geleistet.“ Die Entwicklung des Amtgerichtes Sonthofen trage maßgeblich die Handschrift Alfred Reicherts. Dank seiner „herausragenden organisatorischen und kommunikativen Fähigkeiten, seiner unaufdringlichen Durchsetzungsfähigkeit und seiner Bereitschaft zum überobligtorischen Einsatz“ habe sich Reichert als Direktor die Achtung und Wertschätzung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Ansehen weit über den Amgerichtsbezirk hinaus erworben. Huber: „Sie haben bewiesen, dass Sie nicht nur ein hervorragender Richter sind, sondern mindestens so gut organisieren, Mitarbeiter führen und die Justiz und ihre Aufgaben den Bürgerinnen und Bürgern nahe bringen können.“ Reichert sei es gelungen, die Bevölkerung ins Gericht zu holen. Bei zahlreichen eigenen Veranstaltungen habe er das Amtsgericht nach außen gekonnt repräsentiert.

Ganz ähnlich skizzierte der Oberallgäuer Landrat, Anton Klotz, die Amtszeit Reicherts in Sonthofen, die geprägt gewesen sei von „großem Engagement und Liebe zum Richterberuf“. Dabei habe sich Reichert nicht strikt an Paragrafen orientiert, sondern vom gesunden Menschenverstand leiten lassen. Reichert habe aus dem Sonthofer Gericht ein „Vorzeige-Amtsgericht“ gemacht, und die Türen der Justiz nach außen geöffnet. Sein Rat sei zudem im Jugendhilfeausschuss des Kreistages stets wertvoll gewesen.

„Ja, ich habe es tatsächlich getan.“ Alfred Reichert räumte bei seiner Verabschiedung in Sonthofen auch ein, dass es selbst diesen Schritt damals, Anfang des Jahres 2008, für kaum möglich gehalten habe. Dennoch stelle er sich nun einer weiteren beruflichen Herausforderung und könne nur jedem empfehlen, „auch einmal den Wechsel zu wagen“. Er jedenfalls habe den Wechsel nach Kempten ans Landgericht nicht bereut, so gerne er das Amtgericht Sonthofen auch geleitet habe.

Die Führung des Amtsgerichts Sonthofen weiß Reichert in guten Händen. Seinem Nachfolger, Dietmar Herrmann, riet er zum Amtsantritt: „Lass Dich nicht verbiegen, bleib standfest und bewahre mir die persönliche Note Deines Amtsgerichtes!“

„Ich kann auch Direktor“, rückte der gebürtige Stuttgarter Hermann seinerseits etwaige Fehleinschätzungen aufgrund seiner schwäbischen Herkunft zurecht. Und mit dem Datum seines offiziellen Amtsantritts – ein „Freitag der 13.“ – habe er auch kein Problem.

Josef Gutsmiedl

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