Allgäu am Puls der Zeit

Dr. Kefei Li (rechts), Herzchirurg an der Tongji-Universität Shanghai und Stipendiat der Bundeskanzlerin, wird etwa ein Jahr lang Gast in Immenstadt sein und von Prof. Dr. Jan Torzewski, Chefarzt am Herz- und Gefäßzentrum Oberallgäu-Kempten, betreut. Foto: Kliniken Oberallgäu

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KREISBOTE, Ofterschwang - Rund 100 Herz- und Gefäßmediziner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zählten zu den Teilnehmern des dreitägigen Kongresses, den das Herz- und Gefäßzentrum Oberallgäu- Kempten veranstaltete. Das Zentrum mit den Standorten in Immenstadt und Kempten war im vergangenen Jahr nach der Gründung des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu ins Leben gerufen worden. „Die langjährige und breit gefächerte Erfahrung unserer Spezialisten bedeutet Spitzenmedizin vor der Haustür für die Patienten in der Region“, betonte Geschäftsführer Andreas Ruland. Inzwischen gebe es aber auch viele Anfragen aus ganz Bayern, Baden-Württemberg und Österreich. Das sieht auch der Landrat des Oberallgäus und Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu, Gebhard  Kaiser, so. „Dass unser Herz- und Gefäßzentrum in Deutschland und den Nachbarländern einen guten Ruf genießt, beweist die hohe Teilnehmerzahl an der Veranstaltung in Ofterschwang.“ Für Kaiser ein deutlicher Beweis, dass sich das Allgäu als Gesundheitsregion weiter entwickle, und neben dem Tourismus ein weiteres Standbein erhalte. Selbstredend freut sich auch Bürgermeister Alois Ried über den „Kongress-Standort“ Ofterschwang. „Vielleicht entdeckt ja der eine oder andere Tagungsteilnehmer dabei die Reize des Allgäus als Urlaubsort...“, hofft Ried. Völlig neue Perspektiven eröffnet Professor Jan Torzewski, einer der drei Chefärzte des Herz- und Gefäßzentrums, mit der Gründung einer chinesisch-deutschen Forschungskooperation. Als Stipendiat der Bundeskanzlerin wird Herzchirurg Dr. Kefei Li aus Shanghai etwa ein Jahr lang Gast in Immenstadt sein. Geplant ist, in Kooperation mit den Universitäten Ulm und Mainz sowie der Tongji-Universität in Shanghai, die Untersuchung eines Proteins und seiner Bedeutung als Anzeiger oder Ursache von Herzkreislauferkrankungen. Der 30-jährige Kardiologe Li interessiert sich darüber hinaus vor allem für die Methode des Herzklappenersatzes durch die Leiste. Torzewski hat die Operation vor wenigen Monaten erstmals in der Klinik Immenstadt durchgeführt (der KREISBOTE berichtete) Die deutsch-chinesische Zusammenarbeit soll unter anderem auch durch einen Studentenaustausch untermauert werden, so Torzewski. Auf großes Interesse unter den Kollegen stießen die Ausführungen von Professor Heribert Schunkert vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein zur Erblichkeit des Herzinfarkts. Einige Gene konnten inzwischen bestimmt werden. Schunkert, weltweit einer der wichtigsten Forscher auf diesem Gebiet, zeigte auf, dass manche Formen der koronaren Herzkrankheit wie Verkalkungen, Verengungen oder Erweiterungen der Gefäße stärker vererbt werden als andere Faktoren. Mit diesen Erkenntnissen ist, so der Experte, eine verbesserte Prävention bei Geschwistern oder Nachkommen von Herzinfarktpatienten möglich. Neben Schlaganfall und koronaren Herzerkrankungen wurde auch der neueste Forschungsstand bei Herzrhythmusstörungen diskutiert.

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