"Ein freundliches Umfeld"

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Langjährige Älpler und Alpbesitzer wurden für ihre Arbeit anlässlich der Mitgliederversammlung in Fischen geehrt. AVA-Geschäftsführer Dr. Michael Honisch( vorne von links), Vorsitzender Franz Hage und Landrat Gebhard Kaiser (vorne 4. von links) würdigten die Verdienste der Jubilare und ihren Einsatz für die Alpwirtschaft im Allgäu.

Fischen - Noch ganz im Zeichen der Neuordnung der EU-Agrarförderung stand die Mitgliederversammlung des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu (AVA) in Fischen. Gestärkt durch die neuen Regelungen sieht sich nicht zuletzt die Berglandwirtschaft und damit die Alpwirtschaft.

„Die zentralen Anliege der Berglandwirtschaft wurden gestärkt“, sagte der Vorsitzende des AVA, Franz Hage, selbst Landwirt und Älpler. Unterm Strich sieht nicht nur Franz Hage die bäuerliche Landwirtschaft besser gefördert. Auch der schwäbische Europa-Abgeordnete Markus Ferber hält die finanzielle Neuordnung der Agrarförderung für gelungen. Die sogenannte 2. Säule, die vor allem die schwierigen Arbeits- und Produktionsbedingungen sowie ökologische Aspekte berücksichtigt, sei aufgewertet worden.

„Ein freundliches Umfeld“ erkennt der Geschäftsführer des AVA, Dr. Michael Honisch, beim Blick auf die Förderung der Alpwirtschaft. Und dass diese Förderung ihre Berechtigung habe, unterstrich erneut der Vorarlberger Landesrat Erich Schwärzler: „Ohne funktionierende Berglandwirtschaft und Alpwirtschaft gibt es keine Zukunft für den ländlichen Raum in den Alpen!“ Die vielfältigen Leistungen für die Gesellschaft und die Kulturlandschaft verdienten eine faire Entlohung.

Dem konnte sich Alfons Zeller, Präsident der Bayerischen ArGe für Bergbauernfragen, nur anschließen. Eine Studie belege, dass die aktuelle Einkommenssituation in der Berglandwirtschaft besorgniserregend sei, während die Leistungen genau dieser Art der Grünlandnutzung unverzichtbar seien. Zeller forderte eine Anpassung der Ausgleichszulage, um diese Differenz auszugleichen.

„Er war immer für die Alpwirtschaft und uns Älpler da und hat auch mal ein Machtwort geschwätzt, wenn es sein musste!“ lobte Franz Hage den scheidenden Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser. „Er hat Wort gehalten und sich für unsere Belange eingesetzt.“

Kaiser selbst skizzierte in seiner „Abschiedsrede“ bei den Bergbauern und Älplern die Entwicklung und Bedeutung der Alpwirtschaft im Oberallgäu. Aktuell könne man mit der neuen EU-Agrarförderung zufrieden sein, so Kaiser, „aber es muss auch gut weiter gehen.“ Gerade der Landkreis Oberallgäu habe in den vergangenen Jahren die Entwicklung rund um die Alpwirtschaft mitgestaltet. „Die Alpwirtschaft war mein besonderes Anliegen“, sagte Kaiser. Viele Initiativen seien auf den Weg gebracht worden, etwa die Allgäuer Alpwirtschaftsakademie oder das Projekt Allgäuer Alpgenuss, sowie Regelungen um die „Alpkonzession“ für Alphütten mit Bewirtung.

„Meine Maxime war es immer, nicht zu fragen, wie ich etwas verhindern kann, sondern wie ich etwas gerade noch genehmigen kann...“, brachte der Landrat seine Strategie auf den Punkt. Auch heute sei die Kommunalpolitik gefordert, nach praktikablen Lösungen zu suchen. „Es ist wirtschaftlich, ökologisch und sozial dumm, hier Chancen zu verbauen oder gar zu zerstören.“ Agrarpolitik sei „keine reine Bauernpolitik sondern Gesellschaftspolitik“, so Kaiser weiter.

Die Agrarpolitik aus Europa, Bund und Land müsse noch mehr die Vielfalt der Regionen zulassen und die Arbeit der Bäuerinnnen und Bauern schätzen und schützen, forderte Kaiser. „Dafür zu kämpfen lohnt sich!“ Dies habe er versucht; mitunter „am Rande der Gesetze, damit es noch möglich war“. Und wenn er jetzt nach 40 Jahren politischer Arbeit aufhöre – „aufhören muss“ – sei es schön, sagen zu können „der ländliche Raum, die Stärkung unserer Dörfer und Gemeinden und die damit verbundene Infrastruktur war mir ein besonderes Anliegen“.

Mitunter sei es ein zäher Kampf gewesen, schloss Kaiser seinen Rückblick und erinnerte sich an den Streit über die Strategie zur Bekämpfung der Rinder-Tuberkulose im Oberallgäu vor einem Jahr. Nach sechs abendlichen Versammlungen sei er spät in der Nacht ratlos zuhause am Tisch gesessen und sich gefragt, wie es weitergehen solle. „Nach zwei Bier habe ich gewusst: es geht weiter.“ Tatsächlich konnte Kaiser nahezu alle Bauern hinter sich und die umstrittene Strategie bringen, die sich als Erfolgskurs erweisen sollte.

Josef Gutsmiedl

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