Lawinenrettung: Wertvolle Minuten nutzen

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Verschüttetensuche in der Praxis: Die Bergwacht beim „Sondieren“.

Oberstdorf – Etwa 30 Mitglieder der Bergwacht Oberallgäu demonstrieren den mehr als 160 Teilnehmern des 21. Allgäuer Lawinentages gekonnt, wie die Kameradensuche im Kleinen, aber auch die professionelle Rettung bei größeren Hilfsmaßnahmen funktioniert.

„Schritt – Sonde ein – Sonde aus, Schritt – Sonde ein….!“ Im Gleichschritt gehen die Sucher den imaginären Lawinenkegel ab, in der Hoffnung, Überlebende zu finden – und bergen zu können.

Ausbilder Matthias Müller (29) aus Burgberg, Fertigungsplaner und am Wochenende ehrenamtlich für die Bergwacht aktiv, resümiert: „Heuer waren es etwas weniger Teilnehmer als im letzten Jahr, aber das Interesse ist ungebrochen. Zu uns kommen vor allem diejenigen, die sich eine neue Ausrüstung gekauft haben und wissen wollen, wie diese funktioniert.“

Schon beim Studium des Programms kann man erahnen, wie viele Informationen aus dem Bereich der Lawinenprävention und Rettung auf die mehr oder weniger erfahrenen Teilnehmer einprasseln werden. In Kurzreferaten versuchen Bergwachtausbilder, Ärzte und Firmenreferenten möglichst viele Themen anzusprechen: Die Realität abseits der Piste, kurze praxisbezogene Lawinenkunde, Anwendung des Lawinenberichts, Tourenplanung und Kontrollinstrumente, medizinische Sofortmaßnahmen, Bergwacht Alarmierung, Airbagsystem (ABS), um nur einige Inhalte zu nennen, erforderten konzentrierte Aufmerksamkeit.

Bernd Zehetleitner von der Bergschule Oberallgäu, mit der Organisationsleitung beauftragt, erklärt: „Dieser Lawinentag soll informieren, ersetzt aber keinen ausführlichen Lawinenkurs.“ Doch die zunehmende Zahl der Tourengänger und Freerider, die stetig anwachsende Zahl der Menschen, die durch Lawinen umkommen, die Botschaft der Medien, die nicht müde würden, den Spaß-Charakter des Fahrens abseits der Piste zu betonen, erfordere gezielte Maßnahmen, das Gefahrenmoment auf ein möglichst kalkulierbares Risiko zu reduzieren, betont Zehetleitner.

Doch alle Theorie ersetzt nicht die Praxis. Und so üben die Teilnehmer in Kleingruppen, wie denn das Verschüttetensuchgerät (VS) funktioniert, wie die Sonde eingesetzt wird und was alles zu beachten ist, wenn man einen Verschütteten ausgraben muss. Auch über den Schneedeckenaufbau und das „Lesen“ eines Schneeprofils klärt Sabine Manteuffel (49), Ausbilderin bei der Bergwacht, auf. Manteuffel, die ursprünglich aus Nordrhein-Westfalen stammt, hat es vor 19 Jahren ins Allgäu verschlagen, „aus Liebe zu den Bergen“. So darf im Praxisteil, wie auch in den anderen Gruppen, jeder das vergrabene VS-Gerät suchen, sondieren und ausschaufeln.

All diese Informationen nützen aber nichts, wenn man nicht übt, übt und nochmals übt“, meint sie. „Nur wenn die Handgriffe automatisiert werden, kann eine Bergung im Ernstfall gelingen. Kommt nämlich bei einer Lawine der Schock und die Panik dazu, kann es passieren, dass alles Erlernte oder Gehörte weg ist. Gerade die ersten Minuten nach einer Verschüttung entscheiden oft über Leben und Tod.“

Gerade die Schneefälle in den letzten Wochen, die Sperrung von Hochalpenstraßen und Pässen und die Warnungen in Funk und Fernsehen vor dem sehr hohe Lawinenrisiko, zeigten, dass Kurse und derartige Lehrgänge für jeden Wintersportler abseits der Pisten ein absolutes Muss seien, so Dieter Haug, Geschäftsführer des Allgäuer Skiverbandes ASV. „Jeder Freerider oder Tourengänger, der oftmals durch unüberlegtes und risikoreiches Handeln sein Leben und das Leben anderer gefährdet, sollte erkennen, dass, so verlockend der Tiefschnee auch sein mag, es manchmal vernünftiger ist, umzukehren.“

asv

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