Das Jahr der Wahrheit

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Aufs richtige Pferd setzen und wichtige Weichenstellungen vor Ort einleiten. Messe-Veranstalter Eberhard Fetzer (von rechts) begleitete Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp, die Europa-Abgeordnete Ulrike Müller, Landrat Anton Klotz und den Landtagsabgeordenten Eric Beißwenger beim Messerundgang auch ins Tierzelt.

Immenstadt - Eine Art Bühne für den Wirtschaftsstandort Allgäu und als Informationsplattform für die Region soll die traditionelle AllgäuSchau dienen, so die Zielsetzung. Oder auch, wie der Oberallgäuer Landrat, Anton Klotz, bei der Eröffnung der 13. AllgäuSchau in Immenstadt meinte, „ein wichtiger Impulsgeber für Gewerbe, Handel, Dienstleistung und die Menschen in der Region“.

Dabei müsse man sich den Herausforderungen stellen und die Weichenstellungen einleiten für ein „zukunftsfähiges Allgäu“ – auf dem Erreichten dürfe man sich jedenfalls nicht ausruhen.

Dass er nicht ans Zurücklehnen denke, versicherte auch Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp in seiner Rede zur Eröffnung der 13. AllgäuSchau in Immenstadt. Vor dem Hintergrund des im Februar über ein Ratsbegehren gestopptes Hotelprojekt am Großen Alpsee, stelle er fest, so Schaupp, dass es „immer schwieriger werde, große Projekte zu verwicklichen“. Immer öfter stünden persönliche Befindlichkeiten und Bedenken vor den Apekten des Gemeinwohls. „Unser Tun heute ist die Weichenstellung für das Leben der zukünftigen Generation“, gab Schaupp zu bedenken. Diesen Herausforderung müsse man sich stellen „und alle Potenziale nutzen“ – auch um den Tourismus voran zu bringen, appellierte Schaupp.

Eine „Region mit besonderem Handlungsbedarf“ – abgekürzt RmbH – sei das Allgäu angesichts einer günstigen Beschäftigungslage und der demografischen Entwicklung nicht, stellte Landrat Anton Klotz fest. So gut das klinge, Anlass, sich zufrieden zurückzulehnen, gebe es mitnichten.

Ein moderner Wirtschaftsstandort brauche eine Top-Infrastruktur. Mit der B19 neu sei zwar eine deutliche Qualitätsverbesserung erreicht worden, jetzt trete allerdings mit dem „Flaschenhals“ bei Sonthofen einen neue Problematik zutage. Fachgruppen und Experten sollen das Thema in den kommenden Monaten anpacken und Lösungen entwickeln.

Auch bei der Bahn, so Klotz weiter, soll es besser laufen, wenn die unbeschrankten Bahnübergänge im südlichen Landkreis aufgelöst werden. Und was den Allgäu Airport in Memmingen angeht, forderte Klotz weitere finanzielle Unterstützung von den Landkreisen und Kommunen, aber auch vom Freistaat, um den ländlichen Raum so zu fördern. Klotz: „Das Jahr 2015 wird hier das Jahr der Wahrheit.“ Die Region brauche den Flughafen.

„Ständige Modernisierung“ sei schließlich beim Wintertourismus erforderlich, lenkte Klotz den Blick auf die geplante Seilbahn-Verbindung der Skigebiete Balderschwang und Grasgehren. In diesem Zusammenhang beklagte der Landrat, dass es „immer mehr Besserwisser“ gebe und starke Verbände, die „sich anmaßen, über unsere Zukunft zu bestimmen“. Klotz. „Lassen wir doch die Menschen vor Ort entscheiden, über das, was vor Ort wichtig ist.“ Kein Balderschwanger, kein Obermaiselsteiner werde so dumm sein, seine eigene Heimat zu zerstören.

Ganz ähnlich sei die Situation bei der Energiewende. Vom einmal ausgrufenen Ziel, im Jahr 2022 im Oberallgäu 70 Prozent der benötigten Energie aus regenerativen Quellen zu gewinnnen, sei man weit entfernt. Ein lokaler Beitrag zur Energiewende, das geplante Wasserkraftwerk „Älpele“ im Hintersteiner Tal werde derzeit „kontrovers diskutiert“. Wieder seien es die Verbände, „die bestimmen wollen, was für uns gut ist oder nicht“, so Klotz. „Es ist verdammt mühsam geworden, für die Energiewende zu arbeiten.“

Das den dritten Handlungsschwerpunkt sieht Landrat Klotz in der Asyl- und Flüchtlingsproblematik. Ohne das große Engagement der freiwilligen Helferkreise sei diese Herausforderung ohnehin nicht zu meistern, lobte Klotz die Arbeit der lokalen Gruppen, die allerdings mit steigender Zahl der Flüchtlinge und Asylsuchen an ihre Grenzen stießen. Zudem sieht er Wohnraumprobleme entstehen; um „größere Einheiten“ wie Containeranlagen oder sogenannte Systemhäuser werde man nicht herumkommen. Lösungen müssten über kurzfristige Ansätze hinausgehen, so Klotz.

„Es ist Aufgabe der Kommunalpolitik, zu handeln und die Zukunft zu gestalten. das wollen wir tun!“ appellierte Anton Klotz. Beim anschließenden Messrundgang mit Organisator Eberhard Fetzer informierten sich die Oberallgäuer Landtagsabgeordneten und Kommunalpolitiker über interessante Neuheiten, Produkte und Dienstleistungen. Schwerpunkt der AllgäuSchau 2015 war nicht zuletzt das Thema Mobilität – mit dem Auto, aber auch mit dem alltagstauglichen E-Bike.

AllgäuSchau 2015

Josef Gutsmiedl

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