Corona: Neueste Entwicklungen im Landkreis

Corona Virus: Betretungsverbot von Pflegeheimen und Verbot von Großveranstaltungen im Oberallgäu

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Bei einer Pressekonferenz am 11. März informierten unter anderem Oberbürgermeister der Stadt Kempten Thomas Kiechle und Landrat Anton Klotz über die Allgemeinverfügung im Oberallgäu

Das Landratsamt Oberallgäu sowie die Stadt Kempten hat ab Freitag, 13. März, ein Betretungsverbot von Pflegeheimen und Kliniken sowie einen Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 500 Gäste erlassen. Zudem wird ein „Drive-In“ für Verdachtsfälle eingerichtet.

Oberallgäu / Kempten - Aufgrund des Anstiegs der Corona-Verdachtsfälle im Oberallgäu hat das Landratsamt Oberallgäu sowie die Stadt Kempten ihre Strategie zur Bekämpfung der weiteren Ausbreitung angepasst. Am Mittwoch, 11. März, haben die leitenden Ärzte des Gesundheitsamtes Dr. Glocker und Dr. Walters, Landrat Anton Klotz und der Oberbürgermeister der Stadt Kempten, Thomas Kiechle, die neue Strategie bei einer Pressekonferenz vorgestellt: Es wird ein Betretungsverbot von Pflegeeinrichtungen erlassen, Veranstaltungen mit mehr als 500 Gäste müssen abgesagt werden und es wird ein „Drive-In“ zum Testen von Verdachtsfällen eingerichtet.

Dr. Walters erläuterte die Gründe für die verschärften Regelungen: „Wir gehen von steigenden Fällen aus. Wir prüfen zwar die Verdachtsfälle und deren Kontaktpersonen, aber wenn die Welle weiterrollt, müssen wir Riskogruppen schützen. Wir wissen über unsere Verantwortung und wägen mit Bedacht ab, um das öffentliche Leben nicht lahmzulegen. Aber wir müssen die Infektionsketten verlangsamen.“ Anlass war laut Pressemitteilung ein Verdachtsfall im nördlichen Oberallgäu. Diese Person hatte noch kurz vor den ersten Krankheitssymptomen Kontakt zu sehr vielen Menschen. Die Labore im Oberallgäu prüfen derzeit über 150 Verdachtsfälle, sind aber an der Kapazitätsgrenze. Deshalb befürchten die Behörden, dass sich die Infektionen schneller ausbreiten, als die Fälle getestet werden können.

„Die meisten Verläufe sind symptomfrei oder -arm. Aber eine gewisse Anzahl an Menschen gehören zu den Risikogruppen und diese müssen wir schützen“, so Dr. Walters weiter.

Betretungsverbot von Pflegeeinrichtungen

Konkret steht in der Verfügung, dass ab dem 13. März für Alten- und Pflegeheime sowie Einrichtungen, die dem Pflege- und Wohnqualitätsgesetz unterfallen und akut-stationäre Einrichtungen im Landkreis Oberallgäu und der Stadt Kempten ein Betretungsverbot gilt. Das bedeutet, dass Besuche bei Angehörigen in diesen Einrichtungen nicht gestattet sind. Allerdings gelten für Notfälle Ausnahmen: Therapeutisch und medizinisch notwendige Besuche, das Betreten durch Handwerker für nicht aufschiebbare bauliche Maßnahmen am Gebäude sowie durch Angehörige bei Vorliegen eines Notfalls gelten als Ausnahme. Diese Personen müssen ihren Besuch vorab telefonisch bei der entsprechenden Einrichtung anmelden. Zudem werden die Bewohner und Bewohnerinnen der Einrichtungen gebeten, diese nicht zu verlassen. „Natürlich dürfen mobile Menschen in den Einrichtungen für einen Spaziergang in den Garten, aber wir bitten Kontakte vernünftig zu reduzieren. Der Schutz der Risikogruppen steht an erster Stelle“, so Dr. Walters. Oberbürgermeister Kiechle sagt die Unterstützung für die betroffenen Einrichtungen durch die Ämter zu. Die Behörden möchten „kreative Lösungen“ bei Personalengpässen und Verdachtsfällen in den Einrichtungen finden. „Wir lassen Sie nicht im Regen stehen“, so Thomas Kiechle.

Schutz der Risikogruppen

Zu den Risikogruppen gehören Personen ab 50 bis 60 Jahre, da das Risiko für schwere Erkrankungen ab diesem Alter steigt. Menschen mit Grunderkrankungen wie zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber und Niere sowie Krebserkrankungen haben unabhängig vom Alter ein Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Ausweitung des Veranstaltungsverbots

Als weitere Maßnahme zum Schutz der Risikogruppen, wird das Verbot von Großveranstaltungen ausgeweitet. Das bayerische Gesundheitsministerium hatte bereits am 10. März ein Verbot von Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern erlassen. Das Landratsamt Oberallgäu und die Stadt Kempten weitet das Verbot für Veranstaltungen ab 500 Personen aus. Zudem appellieren sie an die Vernunft der Veranstalter und bitten auch nicht dringend notwendige Veranstaltungen mit weniger als 500 Besuchern abzusagen. Das Verbot gilt bis Ende der Osterferien, einschließlich dem 19. April.

Den entstandenen Schaden für die abgesagten Veranstaltungen, kann der Landkreis sowie die Stadt Kempten allerdings nicht ausgleichen. Die Ministerpräsidenten der Länder diskutieren aktuell in welcher Form es eine Ausfallentschädigung vom Staat geben kann.

Drive In zum Corona Test

Um die Labore zu entlasten, wird ab Freitag, 13. März, in Sonthofen sowie ab Montag, 16. März, in Kempten ein „Drive-In“ eingerichtet. Wer den Verdacht hat, sich mit dem Virus infiziert zu haben, soll sich zuerst telefonisch beim Gesundheitsamt melden (Tel. 08321/612-520). Dort bekommt der Anrufer eine Fallnummer. Mit dieser kann die betroffene Person mit dem PKW zum Drive-In Schalter fahren. Dort wird nach der Registrierung ein Abstrich genommen – alles während man im Auto sitzen bleibt. So hält die Verdachtsperson die Kontakte zu anderen Menschen gering und reduziert damit die Ausbreitung des Virus. Das Gesundheitsministerium kann an den Drive-In Zentren voraussichtlich bis zu 100 Tests pro Tag abwickeln.

Abschließend appellieren alle Vertreter der Pressekonferenz nochmals an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen. Der Schutz der Risikogruppen stehe an erster Stelle.

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