Untere Bierenwangalpe zieht um ins Bergbauernmuseum

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Vor der imposanten Bergkulisse wurde die Untere Bierenwangalpe am Fellhron Stück für Stück zerlegt und reisefertig gemacht.

Eine Alpe, eine Alphütte, kann man nicht einfach „mal eben so“ kaufen, einpacken und mitnehmen. Ganz so einfach geht es tatsächlich nicht. Doch der Verein Allgäuer Bergbauernmuseum kam wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind, als die Alp­genossenschaft Bierenwang seine Neubaupläne wälzte.

Die Genossen dachten an das Berg- bauernmuseum: Die hatten ja schon Erfahrung mit derartigen Unternehmen. „Denen geben wir das Alpgebäude“, so der Gedanke. Jetzt konnte der Verein seine Neuerwerbung tatsächlich einpacken und abholen.

„Beim Viehscheid im vergangenen September wurde das Geschäft dann mit Handschlag besiegelt“, erinnert sich Siegfried Zengerle, der Erste Vorsitzender des Vereins Allgäuer Bergbauernmuseum.

Der damals ausgehandelte Kaufpreis war mit einem Euro symbolischer Natur. Die Abbruch- und Transportkosten dagegen nicht. Doch der Stadtrat ließ sich schließlich überzeugen, dass das Museum sich das „Schnäppchen“ nicht gehen lassen könne und sicherte die Finzierung des Projektes zu.

Vergangene Woche wurde am Fellhorn „gepackt“ und die rund 11 auf 20 Meter messende Alphütte „eingepackt“. Der Immenstädter Zimmereibetrieb Kennerknecht rückte mit einem Kran und einer Handvoll Zimmerleuten an, um Balken für Balken, Pfetten und Bretter aus der Kontruktion zu lösen. Vom Dach bis hinunter zu den Dielen des Fußbodens. Jedes Einzelteil wurde numeriert und jeder Schritt dokumentiert. „Wir lassen sogar eine Kamera mitlaufen, um alle Arbeitsschritte exakt zu erfassen“, erklärt Ulrich Kennerknecht den Ablauf. Die großen Balken wurden mit dem Kran ausgehoben, zu Bündeln gepackt und für den Abtransport hergerichtet. Sogar die Abweichungen in der Gebäudekonstruktion wurden exakt erfasst, weil sie beim Wiederaufbau berücksichtigt werden müssen. „Das muss später beim neuen Fundament unbedingt beachtet werden, sonst klappt es mit dem Aufbau nicht“, weiß Ulrich Kennerknecht. Der „Zahn der Zeit“ wird praktisch mitgenommen, die über Jahrzehnte entstandene Höhenunterschiede beim Aufbau berücksichtigt.

„Manche Teile konnten schnell auseinander gebaut werden; andere benötigten mehr Zeit“, so Kennerknecht zu den Arbeiten abseits des Tagesgeschäftes, wo es in aller Regel um Aufbau von Gebäuden gehe. „Aber sehr interessant.“ Sein Vater sei überdies einer der Alpbeschläger gewesen, als in den 1950er Jahren die Unter Bierenwangalpe noch „richtiger Berg“ war mit Viehbesatz. In den 1960er Jahren „erledigte“ sich das und die gut 100 Jahre alte Hütte – nicht weit vom Kanzelwandhaus entfernt – wurde an einen Skiverein verpachtet, der diverse Einbauten vornahm, die natürlich nicht mit umziehen werden.

Die zerlegte Hütte wird in den kommenden Tagen ins Tal gebracht. Wobei sich der Transport über den enge Alpweg noch als „schwieriger Akt“ erweisen dürfte, wie Kennerknecht und Zengerle einhellig vermuten. Ein paar Stellen haben die Beiden schon ausgemacht, wo es „kritisch“ werden könnte.

Im Tal angekommen werden die Einzelteile den Winter über in einer Halle eingelagert und gesäubert. Fachmann Kennerknecht hat schnell Stellen entdeckt wo man beim Bau der Alpe „geschlampt“ habe, weil der Bast auf den dicken Balken nicht sauber entfernt worden sei: „Da hat sich der Käfer eingenistet und gearbeitet...“ Das sei aber nur oberflächlich und beeinträchtige den sonst sehr guten Zustand des Holzes keineswegs.

Pläne, was mit der Bierenwang­alpe schließlich im Bergbauernmuseum passieren wird, gibt es beim Museumsverein längst. „Neuerungen sind für ein Museum immer wichtig“, sagt Siegfried Zengerle. Davon lebe wohl jedes Museum. Weitere Räumlichkeiten seien an sich gut. Bedarf und Ideen haben man genügend. Überlegungen, in der Hütte eine Art von Gastronomie unterzubringen, wurden inzwischen wieder verworfen, da die Auflagen in puncto Ausstattung letztlich viel zu teuer kämen. Aber für die ständigen Programmangebote des Museum brauche man immer Platz, weiß Zengerle und verweist auf den „belebten“ Sattlerhof, wo gekocht und gearbeitet werde. Ein richtiges Mitmach-Zentrum sei das inzwischen, meint Zengerle. In den Neuzugang könnte auch die kleine Themenausstellung Alpwirtschaft einziehen, die bislang in der Höflealp untergebracht ist. Dann stünde hier wiederum Platz für Erweiterung zur Verfügung.

gts

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