Großartige Leistungen

+
Die Ehrung langjähriger Älpler und Alpbesitzer ist der traditionelle Höhepunkt der Mitgliederversammlung. „Alpwirtschaft lebt von der Hände Arbeit“, meinte AVA-Geschäftsführer Dr. Michael Honisch (rechts) ebenso wie die Vorsitzenden Franz Hage (von links) und Max Kögel sowie der Vorarlberger Landesrat Erich Schwärzler.

Bad Hindelang – Ohne „gesunde“ Alpwirtschaft keine intakte Kulturlandschaft. Auf diesen Nenner brachten die Redner und Referenten der jüngsten Mitgliederversammlung des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu AVA den Stellenwert der Berglandwirtschaft.

Alpwirtschaft funktioniere nur „mit den Menschen“, die mit Engagement und Leidenschaft „das Tagesgeschäft“ besorgen. 

Ein wichtiger Teil der Versammlung ist daher die Ehrung langjähriger aktiver Älplerinnen und Älpler. Mit Martin Sichler aus Gunzesried wurde heuer ein Mann geehrt, der seit 60 Jahren mit Herzblut als Älpler dabei ist.

Den Bestoß der fast 700 Allgäuer Alpen beschreibt der Geschäftsführer des AVA, Dr. Michael Honisch, als „sehr gut“. Fast 34 000 geälpte Rinder (davon 2 675 Kühe bei rückläufiger Zahl) verzeichnet die Statistik des AVA für das vergangene Jahr. Insbesondere Bio-Betriebe suchten Alpweiden. Und dass die Sennalpen beste Qualität erzeugten, habe zuletzt der Bergkäseausstich des Alpwirtschaftlichen Vereins gezeigt. Als großen Erfolg wertet Honisch auch die offizielle Anerkennung der EU für Allgäuer Sennalpkäse als Produkt mit „geschützter Ursprungsbezeichnung“.

Für eine „gesunde“ Alpwirtschaft müssten allerdings die Rahmenbedingungen stimmen, lenkt Honisch den Blick auf die bereits laufenden Weichenstellungen der Agrarförderung der EU. Die unbestrittenen Leistungen der Berglandwirtschaft für das Gemeinwohl müssten über spezielle Förderregelungen weiter sichergestellt werden. An den Direktzahlungen solle ebenso festgehalten werden wie an den Leistungen für die besonderen Bewirtschaftungsformen, wie eben die klassische Berglandwirtschaft, so Honisch. Auch der Alpwegebau sei entscheidend für die Zukunftsfähigkeit von Alpen.

Das sieht auch der Festredner der Versammlung, der Vorarlberger Landesrat Erich Schwärzler, so. Angesichts einer Sehnsucht vieler Menschen nach Ursprünglichkeit und Unverfälschheit erkenne er den Alpenraum als eine „Aufsteigerregion mit menschlichem Gesicht“. Neben der finanziellen Förderung sei die gesellschaftliche Anerkennung der Leistungen der Alpwirtschaft entscheidend. „Der Traditionsträger Alpwirtschaft hat einen hohen Wert. Man merkt es erst, wenn man es nicht mehr hat.“

Schwärzler blendet die Veränderungen in der Landwirtschaft nicht aus. „Das wird auch in Zukunft so sein. Doch wir dürfen nicht die Veränderungen bejammern, sondern müssen diese Veränderungen aktiv mitgestalten.“ Geld, das in die Alpwirtschaft investiert werde, sei gut angelegtes Geld, so Schwärzler zum Schluss. „Das kann man sehen.“

Von „großartigen Gemeinwohlleistungen“ der Alpwirtschaft spricht auch der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz. „Unsere Alpwirtschaft ist ein ausgesprochener Sympathieträger.“ Daher sei es wichtig, beim Thema Rinder-Tuberkulose weiterhin wachsam zu sein. Der Landkreis Oberallgäu werde jedenfalls seine Verantwortung wahrnehmen und die Rinderbestände im dreijährigenTurnus untersuchen lassen. Ebenso weiterverfolgt wird das Rotwild-Monitoring mit der Untersuchung erlegter Hirsche auf TBC-Symp­tomatik. „TBC darf nicht mit dem positiven Begriff Allgäu genannt werden“, betont Klotz.

Die beiden Europa-Abgeordneten Ulrike Müller (Freie Wähler) und Markus Ferber (CSU) unterstreichen einhellig die Bedeutung der bisherigen Säulen der EU-Agrarförderung. Beide Förderwege würden „nicht einfach so gewährt“, sondern seien an klare Bedingungen geknüpft. Das bewährte Prinzip müsse auch in der Förderperiode ab dem Jahr 2020 fortgesetzt werden.

Die Arbeit auf den 694 Allgäuer Alpen geht nicht aus. Und auch der „Alpjob“ ist Geschäftsführer Honisch zufolge nach wie vor gefragt, wie die Job-Börse des Vereins belege. Traditionell ist die jährliche Mitgliederversammlung Bühne für Ehrungen langjähriger Älpler und Alpbesitzer. Heuer waren es fast 30 Frauen und Männer, die mit Schellen und Urkunden für ihren Einsatz „im Berg“ gewürdigt wurden.

gts

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die Kandidatinnen 101 bis 200
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Das sind die ersten 100 Kandidatinnen
Tanzwelt Keipert feiert 10-Jähriges
Tanzwelt Keipert feiert 10-Jähriges

Kommentare