1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Sonthofen

Alpwirtschaft und Artenschutz: Letzte Exkursion des Landschaftspflegeverbands führt in Spielmannsau

Erstellt:

Kommentare

Leonie Schaefer vom Landschaftspflegeverband (Mitte) erläutert die Artenvielfalt der Alpflächen in der Spielmannsau bei Oberstdorf
Leonie Schaefer vom Landschaftspflegeverband (Mitte) erläutert die Artenvielfalt der Alpflächen in der Spielmannsau bei Oberstdorf. © Landschaftspflegeverband

Oberallgäu – Ende August führte die für dieses Jahr letzte Exkursion des Landschaftspflegeverbandes in die Spielmannsau nach Oberstdorf. Themen waren Naturschutz und Artenvielfalt.

Wie wichtig die Alpwirtschaft für die Region und den Naturschutz ist, wurde anhand der artenreichen Weideflächen auf dem Weg zur Unteren Mädele­alpe gezeigt und erläutert.

Von der Spielmannsau ging es über die Alpe Oberau zur Unteren Mädelealpe. Während der Wanderung zeigte Leonie Schaefer vom Landschaftspflegeverband anhand verschiedener Pflanzen den Artenreichtum der Flächen auf. Auch stark gefährdete Tierarten wie beispielsweise die Kreuzotter oder der Thymian-Ameisenbläuling haben auf den Weiden im Trettachtal einen passenden Lebensraum gefunden.

Verzahnung von Offenland und Wald

Besonders artenreich und wertvoll seien außerdem halboffene Flächen, erläuterte Leonie Schaefer weiter. Viele der Übergangsbereiche seien in der Vergangenheit durch die Wald-Weide-Trennung verloren gegangen. Beweidung und Landschaftspflege fördern die ökologisch so wertvolle Verzahnung von Offenland und Wald.

Die guten Weidegründe konnten vor allem aufgrund der geologischen Begebenheiten entstehen, wie Dr. Michael Honisch vom Alpwirtschaftlichen Verein im Allgäu e. V. AVA erläuterte. Vor 200 Millionen Jahren befand sich dort, wo heute unter anderem Oberstdorf liegt, ein großer Ozean. Über Jahrmillionen lagerten sich auf dem Meeresboden verschiedene Schichten ab, die nach der Auffaltung der Alpen und Bearbeitung durch die eiszeitlichen Gletscher heute noch den Boden und die Pflanzenzusammensetzung beeinflussen.

Der Boden macht‘s

Auf dem Kalkgestein der Gipfellagen entwickelt sich lediglich eine dünne Bodenschicht und darauf sehr artenreiche Magerrasen. Fleckenmergel an den unteren Hängen bildet einen mächtigen Bodenhorizont, der das Pflanzenwachstum begünstigt und die Flächen für eine alpwirtschaftliche Nutzung interessant macht.

Älpler Wolfang Finkel bewirtschaftet die Untere Mädelealpe zusammen mit der Alpe Oberau mit Jungrindern und führt so die Jahrhunderte lange Nutzungshistorie fort.

Ebenfalls anwesend waren Mitglieder der Oberstdorfer Rechtler, die die Flächen verwalten, nutzen und pflegen. Der Alp- und Weidebesitz wird ortsansässigen Bauern zur Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Der Vorstand der Rechtler Herbert Gambeck betonte, dass die Landwirtschaft im Tal die wesentliche Voraussetzung für die Alpwirtschaft ist.

Aufwändige Offenhaltung

Die Pflege und Offenhaltung der Flächen ist aufwendig. Zudem begünstige der erhöhte Stickstoffeintrag aus der Luft das Wachstum von Gehölzen und Brombeeren, wie Leonie Schaefer erklärte. An der Unteren Mädelealpe hatten sich in einigen Bereichen Gehölze, Brombeeren und Bergfarn stark ausgebreitet. Der Landschaftspflegeverband unterstützt nun seit 2020 die Rechtler dabei, diese Flächen wiederherzustellen. Durch gezielte Gehölzentfernungen und Mahd wird der Magerrasen und seine Artenvielfalt gefördert.

„Die Landwirtschaft im Tal und die Alpwirtschaft sind folglich das A und O für gepflegte und artenreiche Weiden in unseren Bergen, die dank vieler fleißiger Hände auch weiterhin die Kulturlandschaft im Allgäu ausmachen“, fasste Leonie Schaefer die „Erfahrung“ der Exkursion zusammen.

Auch interessant

Kommentare