Königliche 100 000 Meter

Andreas König ließ bei seinem „Projekt 100 000“ nichts anbrennen.

Unvorstellbar. Aber es hat geklappt. Der Oberstdorfer Ausdauersportler Andreas König setzte sich ein ganz „verrücktes Ziel“: Im Monat März wollte der Berg- lauf-Spezialist eine ganz besondere „Marke“ knacken und mehr als 100 000 Höhenmeter bewältigen.

Nicht nur grob geschätzt, sondern unter der akribischen Kontrolle von Strava. Mit der kostenlosen Strava-App können Läufer und Radfahrer ihr Training aufzeichnen, analysieren und miteinander wetteifern. Rund um den Globus, per Smartphone oder GPS-Uhr. König hat schon eine ganze Reihe von Herausforderung mit Top-Platzierungen und etlichen Siegen abgeschlossen. Jetzt war die „Krönung“ für König fällig.

Die „Vorgaben“ für die „March Run Climbing Challenge“ bei der weltweiten Trainingsbegleit-Software Strava waren klar wie immer: Lass das Flachland hinter dir und bezwinge diesen Monat einen Anstieg von mindestens 2000 Metern. Die Herausforderung endete am 31. März 2018. Auch die Details waren eindeutig: Wiederhole mehrere Anstiege auf einem Hügel in deiner Nähe, oder nimm einen richtigen Berglauf in Angriff. Ziel der Herausforderung ist es, insgesamt mindestens 2000 Höhenmeter zurückzulegen – egal ob in einem Lauf oder in mehreren Läufen. Wenn du diese Herausforderung meisterst, erhältst du nicht nur das begehrte Finisher-Abzeichen, sondern auch wettkampftaugliche Beinmuskulatur! Andreas König ging einen Schritt weiter: „Ich wollte im März mein ganz spezielles Ding durchziehen: das Projekt 100 000 Höhenmeter.“

31 Tage im Zeichen einer ganz besonderen Herausforderung. Jeden Morgen früh aus den Federn, Laufschuhe anziehen – und im Renntempo hinauf zur Seealpe, rund 440 Meter über Oberstdorf. Oder weiter zur Bergstation der Nebelhornbahn. Oder ganz hinauf zum Gipfel. Und das nicht nur einmal. „Drei bis viermal täglich zur Seealpe hinauf; möglichst sogar weiter...“, so König. Anders bringe man die erforderlichen 3000 Höhenmeter pro Tag kaum zuwege.

Laufen, Arbeiten, Schlafen – so das Tagesprogramm im Monat März. Bei oftmals eisigen Minusgraden kein Spaziergang. Unterm Strich kam der 52-Jährige auf 137 Laufeinheiten an seinem Hausberg; eine Gesamtstrecke von 1229 Kilometern. Damit schob er sich nebenbei auf Rang 3 bei der parallelen März-Challenge der Distanzwertung. Rund 150 Stunden war König unterwegs für das Projekt „100 000 Meter“. Jetzt ist er erst einmal froh, relativ entspannt in den Tag gehen zu können. „Jeden Tag um 21 Uhr ins Bett und um 4 Uhr morgens raus – das ist auf Dauer schon nervig.“

Bereits im Januar hatte der Bergläufer 18 mal die Strecke Oberstdorf - Nebelhorngipfel sowie 93 mal den Weg zur Seealpe „in den Beinen“. Fast 63 000 Höhenmeter bei 830 Kilometer Strecke. Diese „Generalprobe“ endet ebenfalls mit Platz 1 der Januar-Herausforderung.

Zum Vergleich: 100 Kilometer Strecke pro Woche ist schon ein „Ding“ für ambitionierte Langstreckenläufer. Hobbyläufer, die es weniger „streng“ angehen, kommen auf 100 Kilometer im Monat. Ohne großartiges Höhenmeter-Pensum. Aber 100 Kilometer Höhendifferenz bei 137 „Antritten“ in einem Monat sind eine Klasse und Welt für sich. Um Zeit zu sparen, gönnte sich König für den Weg ins Tal oft eine Fahrt mit der Nebelhornbahn. „Auch, um meine Hüften nicht unnötig mit Bergabpassagen zu strapazieren.“ Bergläufer König hat zwei künstliche Hüftgelenke. „Aber das ging ganz gut.“

Dass es wahrscheinlich klappen würde mit dem Knacken der selbst gesetzten 100 000er-Marke war schon am 27. März klar, als Königs „Pegel“ bei weit über 96 000 Höhenmetern stand. 4000 Meter Aufstieg in vier Tagen: ein Klacks. „Da hätte ja immer noch alles mögliche passieren können, irgendeine Verletzung, ganz übles Wetter... auch am letzten der 31 Wettkampfage.“

Mehr als 95 000 Läuferinnen und Läufer weltweit hatten sich für diese Challenge angemeldet. Aber keiner davon wusste, dass der Oberstdorfer ein selbstgestecktes, sehr hohes Ziel hatte. Mit genau 100 915 Höhenmeter war Andreas König klar die „Nummer 1“ in dem Wettbewerb. Rang 2 ging an einen Italiener mit rund 48 000 Metern.

Und jetzt? Große Pause? Nicht für König: Ende April wartet auf Mallorca die nächste Herausforderung – der legendäre Radmarathon über 312 Kilometer mit gut 5000 Höhenmetern. „Ich muss jetzt bald ins Training einsteigen.“

gts

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