Angst ist ein schlechter Ratgeber

Wohin geht die Reise im ländlichen Raum? Landrat Gebhard Kaiser (von links), Stellvertretende Kreisbäuerin Elisabeth Koch, Oberstaufens Zweite Bürgermeisterin, Renate Specht, und Pfarrer Heinrich Reschka, machten sich Gedanken über die Zukunftschancen auf dem Dorf. Fotos: Josef Gutsmiedl

Auch im Vorjahr haben sich die Landfrauen, als eine der aktivsten Gruppierungen im Bayerischen Bauernverband BBV mit Aktionen und Veranstaltungen positioniert. Zwar sei im zurückliegenden Jahr für die Landwirtschaft „viel passiert“, dennoch könne von einem Ende der Krise in der sich die bäuerliche Landwirtschaft befindet, keine Rede sein, so der Tenor der Veranstaltung. Vor allzu großer Zukunftsangst warnte Gastreferent Johann Miller vom Landwirtschaftsamt Kaufbeuren: „Erstens kommt es anders – zweitens als man denkt“.

„Die Landfrauen haben sich in die Arbeit des Bauernverbandes intensiv eingebracht“, zog Kreisbäuerin Ulrike Müller ihre Bilanz des Jahres 2010. „Wir können zufrieden sein.“ Auch heuer wollen die Landfrauen wieder Flagge zeigen, etwa beim „Milchfrühling“, der entlang des Alpennordrandes quer durch Bayern für Milchprodukte werben und dem Verbraucher nahe bringen soll. Auch BBV-Kreisobmann Alfred Enderle erinnerte an „viele Themen“ mit denen sich die Bauern befassen müssten. „Fast zuviele Dinge, die auf die Landwirtschaft hereinbrechen.“ Die Agrarpolitik stehe vor wichtigen Weichenstellungen, wenn die Zahlungsmodalitäten der Europäischen Union neu geregelt würden. „Aber wir haben schon andere Herausforderungen gemeistert“, sagte Enderle. Sorge mache ihm allerdings eine Spaltung des Berufsstandes. „Wir müssen unterscheiden zwischen ehrlichen Helfern und politischen Rattenfängern!“ Was braucht der ländliche Raum, um die Zukunft zu meistern? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Grußwortrunde. Landrat Gebhard Kaiser sieht in der Altersstruktur eine Chance. Es gelte, die Familien zu stärken und sie in den Mittelpunkt des politischen Handeln zu stellen. Eine Forderung, die Oberstaufens Zweite Bürgermeisterin, Renate Specht, nur unterstreichen könne. Bildung müsse auch eine Art „Herzensbildung“ beinhalten. Thalkirchdorfs Pfarrer, Heinrich Reschka, wünschte sich, dass „religiöse Themen“ im Alltag offen angesprochen würden; eine Weiterbildung in religiöser Sicht. „Alle schimpfen, weil sie keinen Einfluss mehr sehen“, meinte Pfarrer Reschka. Keine Angst vor der Angst. Landwirtschaftsoberrat Johannes Miller vom Amt für Ernährung,Landwirtschaft und Forsten, beleuchtete in seinem Vortrag „Erstens kommt es anders – und zweitens als man denkt“, die Wirkungsweise des Grundgefühls der Angst. Auch Miller griff den Begriff der „Herzensbildung“ auf, sie schütze vor Mutlosigkeit und Angst. Das Gefühl der Angst werde selten direkt von außen an den Menschen herangebracht. Vielmehr sei es entscheidend, die „innerenProbleme“ auszumachen und anzugehen, so Millers Tipp. Angst als Schatten der Vergangenheit, eine Mixtur aus alten Verletzungen und Schuldgefühlen. Der Schlüssel liege darin, diese Altlasten über Bord zu werfen, zu verzeihen – anderen, aber auch sich selbst. Die müßige Beschäftigung mit Vergangenem sei ebenso fruchtlos wie die diffuse Angst vor „der Zukunft“. Miller: „Nur in der Gegenwart geschieht Leben.“ Eine Kuh etwa lebe schon jetzt im Paradies, sie mache sich keine Gedanken über gestern oder den kommenden Tag...

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