Vier starke und mutige Frauen

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Beim Thementag zum Internationalen Frauentag stellte der Arbeitskreis ökumenischer Frauen Sonthofen vier starke Frauen aus acht Jahrhunderten vor. Angelika Stoffel (2. von links) „interviewte“ die Frauen – auf unserem Foto „Hildegard von Bingen“ über ihr Leben und Wirken.

Sonthofen – Zum Internationalen Frauentag veranstaltete der Arbeitskreis ökumenischer Frauen Sonthofen im Pfarrheim St. Christoph einen Thementag unter dem Motto „mutig und stark – Frauen, die sich trauen“. Vier mutige und starke Frauen aus acht Jahrhunderten „stellten sich vor“.

Mit einem so großen Andrang hatte der Arbeitskreis ökumenischer Frauen Sonthofen nicht gerechnet: Mehr als 50 Frauen unterschiedlichen Alters waren ins Pfarrheim St. Christoph gekommen, um sich über das Leben und Wirken von vier mutigen und starken Frauen aus acht Jahrhunderten zu informieren: „Zu Wort“ kamen Hildegard von Bingen, Katharina von Bora, Argula von Grumbach und Lea Ackermann, für deren Stiftung „SOLWODI“ (Frauen in Not) die Anwesenden Spenden konnten.

Hildegard von Bingen (1098 – 1179)

Als zehntes Kind ihrer Eltern kam Hildegard von Bingen bereits mit acht Jahren in ein Kloster. Im Jahre 1136 wurde Hildegard zur Magistra der inzwischen stark gestiegenen Zahl von Klosterschülerinnen gewählt. Die Mäßigungen im Klosterleben, die Hildegard durchsetzte – sie lockerte unter anderem die Speisebestimmungen und kürzte die Gebets- und Gottesdienstzeiten – führten zum Streit mit den Benediktinermönchen. Zwischen 1147 und 1150 gründete Hildegard schließlich das Kloster Rupertsberg. Der Reichtum des Klosters brachte ihr viel Kritik und rief viele Neider auf den Plan. Da die Zahl der Nonnen stetig stieg, erwarb Hildegard 1165 das leerstehende Augustinerkloster in Eibingen und gründete dort ein Tochterkloster.

Bereits als Kind hatte Hildegard von Bingen „göttliche Visionen“. Je älter sie wurde, desto ausgeprägter wurden diese, einhergehend mit gesundheitlichen Beschwerden – Experten vermuten Migräneattacken. Um das Jahr 1141 begann Hildegard, ihre Visionen, ihre theologischen Gedanken, aufzuschreiben. Als ihr Hauptwerk gilt „Scivias Domini“ – „Wisse die Wege des Herrn“. Die Nonne beschäftigte sich in ihren Schriften jedoch auch mit Pflanzen und Krankheiten. Bekannt als Mystikerin, propagierte sie den Zusammenhang von Himmlischem und Irdischem, von Ernährung und Gesundheit. „Äußere Schönheit kommt von Innen“, so ihre Formel. Hildegard von Bingen ist heute vor allem bekannt als Frau, die sich mit der Wirkung von Nahrungsmitteln, Kräutern und Gewürzen auf die Gesundheit befasste. Ihre Aufzeichnungen werden heute noch gelesen und geachtet. Als starke und mutige Frau reiste Hildegard – im Mittelalter eine Seltenheit – durch die Lande und trat als selbstbewusste, charismatische Rednerin auf. Sie predigte als erste Nonne dem Volk die Umkehr zu Gott und gilt als Beraterin vieler bekannter Persönlichkeiten ihrer Zeit.

Katharina von Bora (1499 – 1552)

Katharina Luther, die starke Frau an der Seite des Reforma­tors Martin Luther, wurde um 1499 als Katharina von Bora geboren. Bereits als Kind kam sie ins Kloster, wo sie lesen, schreiben und Latein lernte. Mit 16 Jahren legte sie ihr Gelübde als Nonne ab. Gemeinsam mit acht weiteren Ordensschwestern floh Katharina nach der Lektüre der Schriften von Martin Luther mit dessen Hilfe aus dem Kloster. In Heringsfässern versteckt entkamen die neun jungen Frauen und flohen nach Wittenberg, wo der Reformator sie an „ehrenwerte Männer“ als Ehefrauen vermittelte. Katharina heiratete 1525 Martin Luther – vermutlich keine Heirat aus Liebe, da beide eigentlich andere Partner ehelichen wollten. Dennoch hielt die Ehe bis zu Martin Luthers Tod im Jahr 1546, die beiden hatten sechs gemeinsame Kinder. Katharina verwaltete und bewirtschaftete die umfangreichen Ländereien ihres Wohnsitzes im ehemaligen Augustinerkloster Wittenberg. Außerdem führte sie während der Pest ein Hospiz, in dem sie mit anderen Frauen Kranke pflegte.

Luther nannte seine Frau wegen ihrer entschlossenen Art auch „mein Herr Käthe“. Katharina kümmerte sich um die Finanzen und erwarb sich durch ihre schlagfertigen und geistreichen Beiträge Respekt. Nach dem Tod ihres Mannes hatte sie finanzielle Probleme, da zunächst Luthers Testament, das sie als Alleinerbin einsetzte, nicht anerkannt wurde. Durch die Hilfe mehrerer Fürsten bekam sie ihr Erbe letztlich zugesprochen. Auch der Wiederaufbau ihrer Güter nach dem Schmalkaldischen Krieg brachte Katharina in finanzielle Not, sie konnte sich jedoch auch hiervon wieder erholen.

Argula von Grumbach (1492 bis etwa 1568)

Eine mutige Kämpferin für die Reformation und protestantische Publizistin war Argula von Grumbach. Als Hoffräulein am Münchner Königshof genoss sie eine gute Bildung. Die Schriften Martin Luthers faszinierten Argula, bereits 1523 schrieb sie, sie habe „von Dr. Martinus alles gelesen, was in deutscher Zunge ausgegangen“ sei. Argula von Grumbach stand mit Martin Luther, Georg Spalatin und Andreas Osiander in Briefkontakt.

In mehreren Briefen an den Herzog und die Universität setzte sich Argula für den Wittenberger Magister Arsacius Seehofer ein, der zum Widerruf gezwungen und ins Kloster Ettal verbannt worden war. Ihr Kampf für die Reformation bereitete Argula vielerlei Probleme. So wurde ihr Mann des Amtes enthoben, die Familie geriet in finanzielle Not und auch ihre Verwandten stellten sich gegen sie. Dennoch hielt sie an ihrer Überzeugung fest. Martin Luther nannte Argula „ein einzigartiges Werkzeug Christi“. Als 70-Jährige wurde sie noch inhaftiert, da sie ihre Untertanen in Köfering zum Abfall von der katholischen Kirche veranlasst habe.

Lea Ackermann

Nach den Frauen aus früheren Zeiten stand eine starke Frau von heute im Mittelpunkt der Veranstaltung. Lea Ackermann, geboren 1937, trat 1960 dem Orden der Missionsschwestern „Unserer Lieben Frau von Afrika“ bei. Im Rahmen ihrer Arbeit erlebte sie als Lehrerin in Ruanda und Kenia, wie die Frauen dort zu Opfern von Zwangsprostitution, sexueller Ausbeutung und Menschenhandel wurden.

1985 gründete sie deshalb gemeinsam mit Pater Professor Doktor Fritz Köster in Mombasa das Projekt SOLWODI – Solidarity with women in distress (Solidarität mit Frauen in Not). Das Projekt hilft den betroffenen Frauen durch Beratungs- und Bildungsangebote, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1987 baute Lea Ackermann auch hier ihr SOLWODI-Projekt auf. Die inzwischen bundesweit vertretenen Kontaktstellen dienen als Anlaufstelle für Migrantinnen in Notsituationen, nach Zwangsheirat, Menschenhandel, Zwangsprostitution oder auch Beziehungsgewalt. Auch in anderen Ländern, unter anderem Rumänien und Österreich, existieren inzwischen SOLWODI-Stellen. Seit 1992 hilft außerdem das Rückkehrerinnen-Projekt Frauen bei der Rückkehr in ihr Heimatland. 2002 gründete Ackermann zudem das Projekt SOLGIDI – Solidarity with Girls in Distress, das sich für Töchter von Frauen in der Armutsprostitution engagiert. Ebenso gehören Schutzhäuser für Straßenkinder und junge Prostituierte zu den Projekten.

Ackermann, die auch zahlreiche Bücher veröffentlicht hat, wurde für ihr großes Engagement für unterdrückte und ausgebeutete Frauen mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet. Unter anderem erhielt sie 2012 das Große Verdienstkreuz. Insgesamt kamen bei der Veranstaltung 440 Euro Spenden zusammen. Weitere Infos zu SOLWODI unterwww.solwodi.de.

eva

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