Weniger Stellen, mehr Kurzarbeit

Arbeitslosenquote steigt im Allgäu auf 3,5 Prozent

+
Symbolbild

Allgäu – Wie bereits im April hatten Betriebe auch im Mai einen merklich geringeren Bedarf an Arbeitskräften als in den Monaten zuvor. Dies belegt die aktuelle Arbeitsmarkt-Bilanz der Agentur für Arbeit Kempten / Memmingen. Die regionale Arbeitslosenquote stieg auf 3,5 Prozent an. Auch im Mai zeigten viele Betriebe Kurzarbeit aufgrund der Corona-Pandemie und damit zusammenhängenden konjunkturellen Gründen an.

Die Arbeitslosenquote im mehrjährigen Vergleich: Der „Ausschlag“ Mitte März ist dem Konjunktureinbruch in Folge der Corona-Pandemie geschuldet.

640 Beschäftigungsmöglichkeiten gaben Unternehmen neu zur Besetzung herein. Im Vergleich zum April bedeute das ein leichtes Plus von knapp 70 Beschäftigungsangeboten. Dennoch blieb der Abstand zum Mai des Vorjahres markant. Seinerzeit hatten Unternehmen 1 350 neue Stellenangebote zur Verfügung gestellt. Parallel ging auch die Gesamtzahl der vorliegenden Stellenangebote weiter zurück. Aktueller Kräftebedarf: 4 200 Mitarbeitende. Unmittelbar vor Beginn der Coronakrise hatten Unternehmen noch mehr als 6 100 Arbeitsstellen zur Besetzung angeboten.

Für zahlreiche Branchen ist die weitere wirtschaftliche Entwicklung unsicher. Dennoch zeigen die eingegangenen neuen Stellenangebote, dass der Arbeitsmarkt in Bewegung bleibt. Das Baugewerbe suchte Maurer, Zimmerer und Baugeräteführer. Daneben gab es Angebote in der Lebensmittelproduktion sowie zum „Restart“ in Hotellerie und Gastronomie. Für Warentransport und Lagerung stellten Unternehmen Beschäftigungsmöglichkeiten für Berufskraftfahrer und Lagerfachkräfte zur Verfügung. In Arzt- und Zahnarztpraxen sowie im Bereich von Kindertagesstätten gab es ebenfalls zusätzliche Arbeitsangebote.

Regionale Entwicklungen im Jahresvergleich

Im bayerischen Teil des Allgäus erhöhte sich die Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich stark um 1,2 Prozentpunkte und lag aktuell beim Wert von 3,5 Prozent. Die markante Zunahme setzte sich auch in allen Wirtschaftsräumen des Agenturbezirks fort. Besonders ausgeprägt fiel die Zunahme in den Regionen Füssen, im südlichen Oberallgäu und im Landkreis Lindau aus. In diesen Bereichen bildet der Tourismus im Regelfall ein markantes Standbein für Beschäftigung, das in Corona-Zeiten in weiten Teilen nicht verfügbar war. Zuwächse bei der Arbeitslosenquote von zwei bzw. 1,6 und 1,5 Prozentpunkten stellen die höchsten Steigerungsraten im gesamten Agenturbezirk dar. Merklich blieb das Plus auch in den anderen Gebieten, wobei der Wirtschaftsraum Kaufbeuren mit einer Steigerung um 0,7 Prozentpunkte für den niedrigsten Zuwachs sorgte. Trotz Steigerungen erreichten die Regionen Mindelheim, Marktoberdorf und Memmingen mit Ergebnissen von 2,9 bis 3,1 Prozent weiterhin die günstigsten Arbeitslosenquoten im Agenturbezirk.

Kurzarbeit weiter auf hohem Niveau

Auch im Mai zeigten viele Betriebe Kurzarbeit aufgrund der Corona-Pandemie und damit zusammenhängenden konjunkturellen Gründen an. Mit 667 geprüften Anzeigen für maximal knapp 9 200 Beschäftigte wurde der Höchststand aus den Monaten März/April jedoch weit unterschritten. Von Mitte März bis Ende April hatten insgesamt knapp 7 000 Betriebe für maximal 90 000 Mitarbeitende eine Verkürzung der Arbeitszeit angezeigt.

Die aktuellen Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme stehen erst in einigen Wochen endgültig fest. Eine Anzeige kann auch vorsorglich und für mehr Beschäftigte gestellt werden. Daraus lässt sich nicht schließen, wie viele Beschäftigte am Ende tatsächlich in Kurzarbeit waren und in welchem Stundenumfang. Nahezu alle Branchen spüren betriebliche Einschränkungen. Im Allgäu sind neben dem verarbeitenden Gewerbe das Gastgewerbe und der Handel am stärksten von Kurzarbeit betroffen. Eine Reihe von Unternehmen wechselte zumindest in Teilen wieder in eine Art von „Regelbetrieb“ und konnte die tatsächlich realisierte verkürzte Arbeitszeit zum Teil wieder beenden.

Betriebe stehen zur Ausbildung

Bis Mai haben sich 3.450 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle an die Berufsberatung der Agentur für Arbeit gewandt. Im selben Zeitraum stellten Unternehmen 5.543 Ausbildungsstellen zur Verfügung. Aus Sicht der Jugendlichen ist die Lage am Ausbildungsmarkt damit gut. Die 1.400 Bewerber, die derzeit noch keine Ausbildung oder eine Alternative gefunden haben, können aus gut 2 700 unbesetzten Lehrstellen wählen. Rein rechnerisch stehen jedem unversorgten Bewerber knapp zwei unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber.

Die Corona-Krise scheint auf dem Ausbildungsmarkt – im Moment zumindest – nur sehr begrenzte Auswirkungen zu haben. Die Zahlen der Bewerber und der Ausbildungsstellen ist jeweils lediglich etwas niedriger als im Vorjahr. Bereits seit einigen Jahren ergibt sich aufgrund der demografischen Veränderungen auf Seiten der jugendlichen Ausbildungsstellenbewerber ein Rückgang.

„Allgäuer Unternehmen halten ihre Ausbildungsbereitschaft bisher weiter hoch. Trotz bestehenden Unsicherheiten wissen zukunftsorientierte Betriebe, dass der Azubi von heute die Fachkraft von morgen ist. Auch nach Corona bleibt der Bedarf an qualifizierten Fachkräften entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Und ein Mitarbeitender muss übrigens auch nicht zwingend in Vollzeit ausgebildet werden,“ so Amtmann.

Wichtige Grundlage

Ein Berufsabschluss bildet für viele junge Menschen eine sehr wichtige Grundlage für ihre weitere Lebensplanung. Bei einer Reihe junger Menschen lässt es die aktuelle Lebenssituation jedoch nicht zu, dass sie eine Berufsausbildung in Vollzeit durchlaufen, weil sie z.B. ein Kind erwarten oder durch die Pflege eines Angehörigen zeitlich gebunden sind. Gleichzeitig ist die Gewinnung von Fachkräften eines der beherrschenden Themen für Personaler in zahlreichen Unternehmen. Eine Ausbildung in Teilzeit kann die Chancen zur Gewinnung von Fachkräften in vielen Branchen erhöhen. Bei einer Ausbildung in Teilzeit ist die konkrete Gesamtdauer inkl. wöchentlicher Arbeitszeit in Abstimmung zwischen Betrieb, Auszubildendem und zuständiger Kammer zu vereinbaren.

Zu beachten gilt es, dass der Berufsschulunterricht in der Regel mit der Vollzeitausbildung identisch ist. Damit finanzielle Einschränkungen eine Ausbildung in Teilzeit nicht verhindern, besteht die Möglichkeit einer Unterstützung mit einer Berufsausbildungsbeihilfe durch die Agentur für Arbeit. Zusätzliche Infos gibt es unter www.arbeitsagentur.de/teilzeitberufsausbildung

Soziale Grundsicherung

Arbeitslose Menschen werden seit Einführung der sozialen Grundsicherung von der Arbeitsagentur und in den Jobcentern betreut. Während in der Arbeitslosenversicherung deutlich mehr Menschen arbeitslos gemeldet waren, fiel der Zuwachs bei den Jobcentern niedriger aus. Im Bereich der Agentur für Arbeit waren im Mai knapp 4 060 Frauen und Männer mehr arbeitslos als im Mai des letzten Jahres. Die sieben Jobcenter im Agenturbezirk waren aktuell für annähernd 600 Menschen zusätzlich zuständig, die sich im Vergleich zum Vorjahresmonat neu arbeitslos gemeldet hatten. Im Gesamten betreute die Agentur für Arbeit 9 375 arbeitslose Frauen und Männer, die Mitarbeiter der Jobcenter 4 100 arbeitslose Menschen.

In der sozialen Grundsicherung werden neben arbeitslosen Menschen weitere Personengruppen von den Mitarbeitern der Jobcenter betreut. Zahlreiche Menschen gelten nicht als arbeitslos im Sinne des Gesetzgebers, weil sie kleine Kinder versorgen, Angehörige pflegen, sich in einer Qualifizierung befinden oder mindestens 15 Wochenstunden erwerbstätig sind.

Im Jahresvergleich hat die Zahl der Haushalte im Allgäu, die auf Grundsicherung angewiesen sind – sogenannte „Bedarfsgemeinschaften“ – merklich auf zuletzt 8 734 zugenommen. Die Zahl der erwerbsfähigen Empfänger von Grundsicherung erhöhte sich um knapp 950 auf 11 050 Menschen.

Mit der Ausbreitung des Coronavirus erhöhte sich die Zahl der Kunden in den Jobcentern auch um Menschen, die ihren Lebensunterhalt und den ihrer Familienangehörigen aufgrund des Bezugs von Kurzarbeitergeld nicht mehr vollständig aus eigenen Mitteln sicherstellen können. Daneben ist auch eine Reihe von Solo-Selbständigen auf Leistungen der Jobcenter angewiesen, weil sie ihrer selbständigen Tätigkeit aufgrund der Corona-Einschränkungen nicht mehr im vollem Umfang nachgehen können. Beide genannten Personengruppen zählen nicht zum Kreis der arbeitslosen Menschen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Es läuft ganz gut: "Lockerungen" für Hindelanger Wochenmarkt
Es läuft ganz gut: "Lockerungen" für Hindelanger Wochenmarkt
Soll das Oberallgäu weiter "Öko-Modellregion" bleiben?
Soll das Oberallgäu weiter "Öko-Modellregion" bleiben?
Oberstdorfer Marktgemeinderat kommt beim Busbahnhof nicht voran
Oberstdorfer Marktgemeinderat kommt beim Busbahnhof nicht voran
Ab heute gilt: Treffen mit der Familie und Toben auf dem Spielplatz erlaubt
Ab heute gilt: Treffen mit der Familie und Toben auf dem Spielplatz erlaubt

Kommentare