Allgäu: Arbeitslosenquote 2016 bei durchschnittlich 3,1 Prozent

Integration als großes Thema auf dem Arbeitsmarkt

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Allgäu – Mit dem Wort Stabilität lassen sich die Ergebnisse des Arbeitsmarktes im Geschäftsbereich der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen im zurückliegenden Jahr 2016 treffend beschreiben. Im Jahresdurchschnitt waren im Allgäu 11 200 Menschen arbeitslos gemeldet.

Das war die niedrigste Zahl der letzten vier Jahre. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete das einen Rückgang um knapp 100 arbeitslose Frauen und Männer. Die Arbeitslosenquote erreichte mit 3,1 Prozent denselben Wert wie bereits 2015.

Maria Amtmann, neue Leiterin der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen zieht ein erfreuliches Fazit: „Der Arbeitsmarkt im Allgäu gehörte auch 2016 zu den besten in ganz Deutschland. Das beweist auch die günstige Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent. Unter diesen guten Voraussetzungen freue ich mich besonders auf meine neue Aufgabe als Leiterin der Agentur für Arbeit. Die hohe Zahl an Stellenangeboten werden wir in den nächsten Wochen und Monaten intensiv nutzen um auch Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt schwerer haben, neue berufliche Chancen zu eröffnen.“

Das tägliche Geschehen auf dem Arbeitsmarkt wird mit dem günstigen Gesamtergebnis nur teilweise abgebildet. Im Verlauf des Jahres kamen annähernd 45 000 Menschen zu den Mitarbeitern bei der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern. Ähnlich viele Personen meldeten sich während des Jahres wieder ab.

Auch wenn der Winter Anfang 2016 nur ein kurzes Intermezzo gab, meldete sich eine ganze Reihe von Kräften aus Außenberufen vorübergehend bei den Vermittlern der Arbeitsagentur neu arbeitslos. Mit etwas mehr als 12 700 Kräften wurde gleich in den ersten beiden Monaten der Höchststand bei den arbeitslos gemeldeten Menschen erreicht.

Die monatlichen Ergebnisse blieben auf dem Arbeitsmarkt in den Jahren 2015 und 2016 ähnlich günstig. Im zurückliegenden Jahr zeigte die Arbeitslosenquote an insgesamt fünf Monaten eine Zwei vor dem Komma. Der niedrigste Wert wurde im Oktober mit 2,7 Prozent erreicht. Insbesondere im Schlussquartal wirkte sich die anhaltend gute Witterung positiv aus, denn das Ende der Herbstsaison verzögerte sich im Tourismusgewerbe um einige Wochen. Entlassungen wurden später als in früheren Jahren vorgenommen.

Jüngere unter 25 Jahren

Bei den Jüngeren unter 25 Jahren waren zu Jahresbeginn insgesamt 1 400 Menschen ohne Beschäftigung, ähnlich viele wie im Jahr zuvor. In den Folgemonaten endete für zahlreiche Personen in dieser Altersgruppe die Zeit ohne Beschäftigung; ein niedriger Stand wurde im Juni mit 1 146 jungen arbeitslosen Menschen erreicht. In den Sommermonaten ging die Arbeitslosigkeit vorübergehend steil nach oben. Junge Menschen wurden nach Abschluss ihrer betrieblichen oder schulischen Ausbildung nicht übernommen oder sie hatten selbst neue Pläne wie Studium oder Besuch einer weiterführenden Schule. Aufgrund von Arbeitsaufnahmen und anderen beruflichen Aktivitäten waren im letzten Quartal deutlich weniger Menschen in dieser Gruppe arbeitslos, zuletzt im Dezember noch 1 049 Kräfte.

Altersklasse 50+

Schwieriger gestaltete sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Menschen im Alter von 50 Jahren und mehr. Annähernd 40 Prozent aller arbeitslosen Menschen befinden sich mittlerweile in dieser Altersgruppe. Mit jahresdurchschnittlich knapp 4 300 Menschen waren ähnlich viele Frauen und Männer bei den Vermittlern gemeldet als noch im Jahr zuvor – wie auch die Grafik verdeutlicht. Gerade in diesem Bereich gibt es zahlreiche Menschen, die mit ihrer Berufserfahrung, ihrer Qualifikation und ihrem beruflichen Engagement angesichts des Fachkräftemangels eine sinnvolle Alternative für die Besetzung vakanter Stellen sein kann.

Geflüchtete Menschen

Eine nachhaltige Integration von Flüchtlingen bildete auch im zu Ende gegangenen Jahr eines der zentralen Themen für den Arbeitsmarkt im Allgäu. Zuletzt waren im Allgäu 550 Flüchtlinge aus den acht stärksten nichteuropäischen Zugangsländern arbeitslos gemeldet (Syrien, Irak, Iran, Eritrea, Somalia, Nigeria, Afghanistan, Pakistan). Ihre Zahl hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Das hat auch mit der gestiegenen Zahl von Entscheidungen zu Asylverfahren durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) zu tun.

Deutschkenntnisse und ein Berufsabschluss sind zur Ausübung einer qualifizierten Tätigkeit eine unabdingbare Voraussetzung. Viele Flüchtlinge können die für eine qualifizierte Tätigkeit in Betrieben geforderten Nachweise nicht vorlegen, weil sie ihre Unterlagen nicht mitnehmen konnten oder es im Heimatland kein Ausbildungssystem gibt, das dem in Deutschland entspricht. Daher üben diese Menschen zumeist Helfertätigkeiten, z.B. in der Gastronomie oder im Baugewerbe aus. Im März 2016 – das sind die aktuellsten Daten – arbeiteten insgesamt 655 Flüchtlinge aus den genannten acht Ländern sozialversicherungspflichtig.

Bei Asylbewerbern und Geduldeten prüfte die Agentur für Arbeit bis zum Inkrafttreten des neuen Integrationsgesetzes Anfang August 2016, ob es für die Tätigkeit auf einem Arbeitsplatz Deutsche oder EU-Staatsangehörige gibt, die vorrangig beschäftigt werden müssen. Daneben war zu klären, ob Arbeitsbedingungen wie Lohn und Arbeitszeit den tariflichen oder ortsüblichen Anforderungen entsprechen. Diese Prüfung der Arbeitsbedingungen bleibt auch nach der Neuregelung weiter bestehen, während die so genannte Vorrangprüfung in den meisten Bezirken der Arbeitsagenturen (auch im Allgäu) entfallen ist. Auswirkung für die Praxis ist ein deutliche Zeitersparnis und damit zügige Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme.

Für eine nachhaltige Integration auf dem Arbeitsmarkt sind qualifizierte berufliche Kenntnisse notwendig. Obwohl viele Flüchtlinge aus persönlichen Gründen bevorzugt eine schnelle Beschäftigung als Helfer anstreben, sorgt eine Berufsausbildung für eine höhere Stabilität und mehr Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt. Gerade Jüngere können über eine Einstiegsqualifizierung als eine Art „Langzeitpraktikum“ zu einer Ausbildung hingeführt werden. Im Betrieb lernen sie Ausbildungsinhalte kennen und können ihre Deutschkenntnisse verbessern. Die Chancen auf eine erfolgreiche Ausbildung im Betrieb erhöhen sich, denn eine bessere Kenntnis der deutschen Sprache erleichtert den Besuch der Berufsschule und damit den erfolgreichen Abschluss der Ausbildung. Eine Reihe von Betrieben beschäftigt Flüchtlinge auf diesem Weg, um beispielsweise eine Ausbildung zum Elektriker, Frisör oder Straßenbauer anzubahnen. Einzelne Unternehmen beginnen bei vorliegenden guten Sprachkenntnissen im Herbst direkt mit einer betrieblichen Ausbildung. Ausbildungen zur Fachkraft Lager/Logistik, zum Maurer oder Kfz-Mechatroniker sind hierfür Beispiele.

Im Jahresergebnis haben Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt 2016 noch keine markanten Spuren hinterlassen. Um bei der Integration erfolgreich zu sein, benötigen alle Beteiligten einen langen Atem. Der Arbeitsmarkt im Allgäu bietet jenen Menschen gute Perspektiven, die eine hohe Bleibeperspektive haben und engagiert ihre eigene Zukunft durch Ausbildung und Arbeit sichern möchten.

Boom bei der Kräftenachfrage

Ein starkes Indiz für den kräftigen Arbeitsmarkt bot die Nachfrage nach Arbeitskräften. Während des gesamten Jahres suchten Betriebe intensiv nach Arbeitskräften. Das äußerte sich in einer kontinuierlich stärkeren Nachfrage als in den Jahren 2015 und auch 2014. Im Jahresdurchschnitt standen für Vermittlungsaktivitäten mehr als 5 900 Stellenangebote zur Verfügung, 15 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Von gut 5 000 Beschäftigungsangeboten im Januar ging es kontinuierlich nach oben bis zum Höchststand im Oktober mit knapp 6 500 Job­offerten.

Beschäftigung auf Rekordstand

Auch im Jahr 2016 legte die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Allgäu weiter zu. Nach den aktuellsten Daten vom Juni übten zu diesem Zeitpunkt mehr als 257 000 Frauen und Männer eine entsprechende Beschäftigung aus. Im Jahresvergleich bedeutete das einen Zuwachs um annähernd 5 800 Arbeitsverhältnisse.

Den stärksten Anstieg verzeichnete das verarbeitende Gewerbe mit einem Plus von 1.820 neuen Mitarbeitern. Allein in der Metall-, Elektro- und Stahlbranche ergab sich innerhalb eines Jahres ein Plus von gut 1.400 Kräften. Der Bereich Heime und Sozialwesen verzeichnete einen Mitarbeiterzuwachs um 535 Frauen und Männer, das Gesundheitswesen steuerte 480 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei.

Im Baugewerbe arbeiteten 410 Mitarbeiter mehr, im Gastgewerbe nahm das Personal um mehr als 310 Kräfte zu. Insgesamt ergab sich eine deutlichere Veränderung im Bereich der Teilzeitbeschäftigungen. Hier lag das Plus bei knapp fünf Prozent (+3.080 Beschäftigungen); Die Zahl der Tätigkeiten in Vollzeit erhöhte sich um 1,5 Prozent (+2.730 Beschäftigungen).

Der Ausbildungsmarkt 2015/2016

Im zurückliegenden Ausbildungsmarktjahr setzte sich die für junge Menschen günstige Entwicklung aus den Vorjahren weiter fort. Wieder standen mehr betriebliche Ausbildungsstellen zur Verfügung als jugendliche Bewerber um einen Ausbildungsplatz. Betriebe stellten dem Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur insgesamt mehr als 6 200 Ausbildungsplätze zur Verfügung, so viele wie in keinem Jahr zuvor. Bei den Berufsberatern meldeten sich 4 615 junge Menschen, die eine betriebliche Ausbildung anstrebten. Im Vergleich zum Vorjahr waren das 85 Jugendliche weniger.

Vor allem kleine Betriebe haben es zunehmend schwerer, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. So waren Ende September mehr als 670 Ausbildungsstellen frei. Vor allem in der Hotellerie und Gastronomie sowie im Verkauf blieben viele Stellen vakant. Aber auch in Büro und Sekretariat sowie im Handwerk gab es noch freie Plätze. 

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