Mit Arla die Kurve gekriegt

Auf gutem Weg sehen die Vorstände Martin Kirchmann (von links) und Hubert Rupp die Allgäuer Bergbauern-Milch eG unter dem Dach von Arla Foods. Fotos: Josef Gutsmiedl

Nach einem „sehr bewegten, turbulenten Jahr“ sieht sich die Allgäuer Bergbauern-Milch eG auf gutem Weg. Zumindest war der Milchpreis auf der jüngsten Mitgliederversammlung kein Thema und die Spitze der Genossenschaft lobten die Zusammenarbeit mit „Arla Foods“. Der Molkereikonzern hatte die Allgäuland Käsereien mit ihren Genossenschaften, darunter die Bergbauern-Milch eG, im November vergangenen Jahres übernommen.

Martin Kirchmann, Vorstandsvorsitzender der Bergbauern-Milch eG, ließ in seinem Rechenschaftsbericht keinen Zweifel daran, dass die Genossenschaftsspitze mit der neuen Struktur zufrieden ist. „Wir dürfen froh sein, einen solch kapitalstarken Milchkäufer wie Arla zu haben“, meinte Kirchmann. „Das macht mir Hoffnung.“ Arla vermarkte die Bergbauern-Produkte nicht nur in der Region, sondern in Deutschland und der Welt, deutete der Vorstandsvorsitzende die neue Perspektive an. Er hoffe auf eine bessere Wertschöpfung und einen besseren Milchpreis, nicht zuletzt mit Blick auf das Ende der Milchquote im Jahr 2015. Seit vergangenen Herbst zahle Arla für den Bergbauern-Genossen „einen Milchpreis, mit dem wir alle zufrieden sind“, so Kirchmann weiter. „Dieser Milchpreis hält jedem Vergleich Stand.“ Sorge mache ihm und seinen Berufskollegen aber die aktuelle Talfahrt der Erlöse. Einen Blick auf „ein interessantes Jahr“ warf Torben Olsen, Geschäftsführer der Arla Deutschland. Der Weg zur Übernahme der Allgäuland Käsereien durch Arla sei „kein einfacher Weg“ gewesen, unterstrich Olsen. Er habe „viel über Landwirtschaft gelernt“. Inzwischen habe Arla die vorgefundenen Strukturen gestrafft, die Allgäuland-Produktpalette bereinigt. Das Werk Riedlingen sei nicht zu halten gewesen, während die Molkereien Sonthofen und Kißlegg „mit viel Arbeit und etwas Geld von unserer Seite“ auf Kurs seien, so Olsen. Die Straffung verbessere nicht nur die Wertschöpfung, sondern erlaube auch eine Milchgeldabrechnung schon sechs Tage nach Monatsende. Olsen deute an, wohin die Reise für die Allgäuer Bergbauern-Milch gehen werde: In wenigen Wochen werde Bergbauern-Käse im kanadischen Toronto auf den Markt kommen. „Sie sollten stolz sein!“ Vielversprechend sei auch der Markt in Australien: „Weiter weg kann man nicht kommen!“ Offenbar seien Verbraucher in anderen Ländern bereit, für Qualitätsprodukte mehr Geld zu bezahlen, während in Deutschland nur „billig, billig, billig“ gelte, bedauert der Arla-Manager. „75 Cent für ein halbes Pfund Butter? Das ist doch katastrophal.“ Allerdings sei die Marke „Bergbauern“ in ihren bekannten Erscheinungsbild nicht zu halten. Arla werde im internationalen Geschäft auf den Begriff „Alp Tradition“ setzen. Olsen: „Das Allgäu ist nicht so bekannt wie Sie glauben.“ In den nächsten Monaten werden die Bergbauern-Genossen Besuch von der „Mutter“ erhalten, um die Qualitätsstandards des Konzerns für die Erzeuger vor Ort zu fixieren. Das sei als Unterstützung gedacht, zerstreute Olsen die Bedenken gegenüber dieser Kontrolle: „Sehen Sie es als Hilfestellung. Sie können etwas lernen.“ Ohnehin erfüllten neun von zehn Lieferanten der Region die Arla-Kriterien. Olsen optimistisch: „Arla will noch lange mit Ihnen zusammenarbeiten.“ Verschlankt hat sich auch die Bergbauern-Genossenschaft. Fast die Hälfte der rund 1000 Mitglieder verlor die Genossenschaft durch den Ausschluss passiver Mitglieder. Man sei jetzt eine reine Liefergenossenschaft, so Kirchmann zu diesem Schnitt. Den Kurs der Bündelung der Milchlieferanten will die Bergbauern-Milch weiter vorantreiben. Die Mitglieder- versammlung sprach sich mit großer Mehrheit für einen Beitritt zur Bayern Milcherzeuger-Gemeinschaft aus. Diese Gemeinschaft vertritt rund 10000 Milcherzeuger in 50 Organisationen und rund 1,7 Miliarden Kilogramm Milch. Davon versprechen sich die Bergbauern eine Stärkung der Verhandlungsposition. „Wir können den Markt definitiv nicht aushebeln“, betonte MeG-Geschäftsführer Markus Seemüller, „aber wir haben gewisse Hebel. Und die sind um so länger, je mehr Mitglieder wir haben.“ Martin Kirchmann ergänzte: „Ein Beitritt zur Bayern MeG kann für uns Bergbauern nur gut sein.“

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