Gute Ausbildung ist Integration

Eine junge Auszubildende gibt Mahmood Mostajeran Gurtani (24) aus dem Iran, HWK-Präsident Hans-Peter Rauch, HWK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner und Ismael Bagayoko (17) von der Elfenbeinküste einen Einblick in die Ausbildungswelt. HWK-Präsident Rauch übernahm in Immenstadt die Patenschaft für die beiden jungen Asylbewerber.

Immenstadt – Für Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben (HWK), und Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner war der Termin in Immenstadt etwas Besonderes: Der HWK-Präsident übernahm an der Berufsschule in Immenstadt die Patenschaft für zwei junge Asylbewerber, die dort bereits im zweiten Jahr in einer sogenannten BAF-Klasse (Berufsschulpflichtige und -berechtigte Asylbewerber und Flüchtlinge) auf die Arbeitswelt in Deutschland vorbereitet werden.

Für Rauch ist es ein wichtiges, persönliches Anliegen, die Jugendlichen auf dem Weg in eine Berufsausbildung zu begleiten, zu fördern und ihnen zur Seite zu stehen: „Ich möchte mit dieser Patenschaft ein Zeichen setzen und am Beispiel dieser Beiden zeigen, wie wichtig es ist, die jungen Menschen an die Hand zu nehmen,“ betonte Rauch.

Die Handwerkskammer für Schwaben (HWK) beschäftigt sich seit nahezu 15 Jahren mit dem Thema der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ins Handwerk. Seit 2009 kümmert sich ein Mitarbeiter ausschließlich um die Arbeitsmarktintegration sowie die Weiterbildung von Flüchtlingen und Asylsuchenden. „Angesichts der aktuellen Flüchtlingsthematik wollen wir unsere Bereitschaft zu helfen signalisieren und deutlich machen, dass im Handwerk viele Möglichkeiten für Flüchtlinge vorhanden sind. Doch dafür müssen die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden“, forderte Wagner.

Für den 24-jährigen Mahmood Mostajeran Gurtani aus dem Iran und den 17-jährigen Ismael Bagayoko von der Elfenbeinküste ging an diesem Tag ein Traum in Erfüllung. HWK-Präsident Hans-Peter Rauch übernahm in Immenstadt die Patenschaft für die beiden jungen Männer. Mahmood Mostajeran Gurtani hat bereits als 11-jähriger in seinem Heimatland begonnen in einer Konditorei zu arbeiten. Eine Schule hat er im Iran nie besucht. Er strebt jetzt eine Ausbildung zum Konditor an. Ismael Bagayoko verfügt über schulische Kenntnisse in seiner Heimat und möchte nun eine Ausbildung zum Maurer oder Straßenbauer antreten. Gut vorbereitet durch den Unterricht an der Berufsschule, haben beide nun über die Patenschaft gute Aussichten zunächst einen Praktikumsplatz und im besten Fall später eine Ausbildung zu erhalten. HWK-Präsident Rauch wird sich persönlich für die Beiden einsetzen.

Seit Anfang des Jahres verzeichnet die HWK Schwaben eine deutliche Zunahme der Anfragen von Flüchtlingen und Asylsuchenden, die direkt oder über Netzwerkpartner auf die Handwerkskammer zukommen. Dabei ist das Know-How der HWK-Spezialisten in der Beratung und Arbeitsvermittlung von Flüchtlingen sehr gefragt.

Grundsätzlich läuft eine Beratung so ab: interkulturelle Laufbahnberatung und Berufs- orientierung, Kompetenzfeststellung, gegebenenfalls Nachqualifizierung, um die gefor- derte Qualifikation zu erreichen und somit fit für den Arbeitsmarkt zu sein, Herstellen des Kontakts zu Unternehmen, die Auszubildende/Mitarbeiter suchen und Begleitung dieser Arbeitsverhältnisse, Anerkenn- ungsberatung.

Schlüssel zu einer Beschäftigung oder Ausbildung im Handwerk ist sprachliche Kompetenz. An Kenntnissen in der deutschen Sprache kommt man im Handwerk nicht vorbei. Denn das Handwerk zeichnet sich durch individuelle, nicht automatisierte Tätigkeiten aus, dies hat individuelle Arbeitsaufträge an die Mitarbeiter zur Folge. Ohne gute Deutschkenntnisse ist dies nicht möglich. Hinzu kommt, dass Handwerksbetriebe in den meisten Fällen über intensive Kundenkontakte verfügen und auch hier ein gutes sprachliches Verständnis erforderlich ist.

„Jetzt aus der aktuellen Not heraus junge Menschen in eine Ausbildung zu bringen, nur damit sie „verräumt“ sind, das hat keinen Wert“, betont HWK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner. Sinn und Zweck einer Berufsausbildung im dualen System sei stets ein erfolgreicher Abschluss. Nur dann hätten diese Menschen eine Chance auf unserem Arbeitsmarkt. „Dazu“, so Wagner weiter, „braucht es Zeit, und Erfolg stellt sich nicht im Handumdrehen ein. Da haben wir als Handwerkskammer langjährige Erfahrung.“

Unerlässlich für eine erfolgreiche Arbeit sei jedoch eine tragfähige politische und gesetzliche Basis. Deshalb müsse klar sein, welchen rechtlichen Status der Flüchtling hat. Dazu müsse es eine entsprechende Rechtsgrundlage geben. Die finanzielle Grundlage und auch die Zuständigkeiten müssen eindeutig geregelt sein.

Für Wagner muss die Politik verlässliche Rahmenbedingungen schaffen: „Ins ‘Blaue’ hinein zu agieren, wird niemandem gerecht – schon gar nicht den oftmals schwer traumatisierten Menschen. Wirtschaft und Handwerk werden nur dann ausbilden, wenn sichergestellt ist, dass die jungen Menschen nach der Ausbildung auch dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.“

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