Auch heuer wurde am Grüntentag der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht

Ein besonderer Grüntentag

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Landrätin Indra Baier-Müller (links) bedauerte bei er Kranzniederlegung, dass die Gedenkfeier auf dem Grünten heuer nicht stattfinden konnte.

Sonthofen – Nicht ganz „nach Tradition“ verlief der diesjährige Grüntentag: Durch das Landratsamt Oberallgäu war 2020 die Durchführung der seit mehr als 70 Jahren üblichen Gedenkfeier am Jägerdenkmal auf dem Grünten Pandemie-bedingt nicht genehmigt worden. Trotzdem sollte die gute Tradition fortgeführt werden. Davon waren die Truppen- und Gebirgsjägerkameradschaft und der Grüntendenkmal-Erhaltungsverein überzeugt. Deshalb fand im Vorfeld des Grüntentages in kleinem Kreis am Jägerdenkmal auf dem Grünten eine Kranzniederlegung statt – ohne Beteiligung der Bevölkerung. Damit wurde am 72. Grüntentag am Denkmal aller Toten von Krieg und Gewalt gedacht.

Wendelin Socher als Ehrenvorsitzender für den Grüntendenkmal-Erhaltungsverein, Hauptmann Klaus Geiger

Am Jägerdenkmal fand in diesem Jahr eine Kranzniederlegung im kleinen Kreis statt – ohne Beteiligung der Bevölkerung.

für den Standortältesten Sonthofen und der Vorsitzende Oberstleutnant Sascha Müller für die Truppen-und Gebirgsjägerkameradschaft Grünten legten Kränze am Jägerdenkmal nieder.

Zuvor hatte der evangelische Militärpfarrer Andreas Romminger kurz an die Bedeutung des Jägerdenkmals erinnert: Das damit verbundene Gedenken an die unzähligen Opfer von Krieg und Gewalt sei nach wie vor notwendig und das Denkmal auf dem Wächter des Allgäus mahne, wachsam zu bleiben, damit Entwicklungen verhindert werden, die zu neuerlichen Kriegen und Gewalt führen könnten. Mit einem Gebet um Frieden für die Welt und alle Menschen schloss er seine Gedanken ab.

Am Samstag waren zum Auftakt des Grüntentages zahlreiche Sonthofer Bürger – darunter auch die Zweite Bürgermeisterin von Sonthofen, Ingrid Fischer – sowie Reservisten der Bundeswehr zum Gemeinschaftskreuz in den Sonthofer Friedhof gekommen, um der Toten der Gebirgs- und Truppenkameradschaft „Grünten“ und des Grüntendenkmal-Erhaltungsvereins, aber auch aller Opfer von Krieg und Gewalt zu gedenken. Eine Bläsergruppe der Stadtkapelle Sonthofen umrahmte stimmungsvoll die Gedenkstunde.

In seiner Ansprache betonte Diakon Norbert Oeing, dass Friede im Endeffekt das Ergebnis gerechter Lebensverhältnisse auf der ganzen Welt ist. Diesem Ziel käme man zum Beispiel auch durch eine weltweite Reduzierung der Waffenproduktion näher. Aber auch jeder Einzelne könne durch sein Verhalten zum Frieden beitragen. Er bedankte sich beim Grüntendenkmal-Erhaltungsverein und bei der Truppenkameradschaft Grünten, dass sie mit den Grüntentagen das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt und die Mahnung, wachsam zu bleiben am Leben erhalten.

Unter den Klängen vom „Guten Kameraden“ wurden vom Grüntendenkmal-Erhaltungsverein und dem VdK am

Am Jägerdenkmal fand in diesem Jahr eine Kranzniederlegung im kleinen Kreis statt – ohne Beteiligung der Bevölkerung.

Gemeinschaftskreuz Kränze niedergelegt.

Da Pandemie-bedingt die Gedenkfeier auf dem Grünten nicht stattfinden konnte, wurde der Gedenkgottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael, Sonthofen, zur zentralen Veranstaltung des Grüntages 2020. Pfarrer i. R. Josef Albrecht aus Altstädten zelebrierte die von der stimmgewaltigen Stadtkapelle musikalisch begleitete Messe. Zahlreiche Besucher aus Sonthofen und Umgebung füllten die Kirche im erlaubten Umfang.

Sonthofens Dritter Bürgermeister Josef Zengerle erinnerte an der Ölbergkapelle daran, dass wir gezwungen seien, Pandemie-bedingt Abstand voneinander halten und gegenseitig Rücksicht zu nehmen. Rücksicht zu nehmen gelte es aber auch aus Respekt gegenüber unserem Gegenüber. Bei einigen von diesen würden am heutigen Gedenktag Erinnerungen wach, Erinnerungen an persönliche Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg. Es begännen wieder Wunden zu schmerzen, die schon ganz verheilt schienen. Jeder von uns sollte die Gefühle des anderen respektieren und versuchen, mit offenem Ohr zuzuhören und Lehren aus den Erzählungen zu ziehen. Erinnerungen an Krieg und Not scheinen immer mehr zu verblassen, und auch im Alltag nähme man sich wenig Zeit, um sich mit unserer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

„Gerade in der heutigen Zeit ist das Thema Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit aktueller denn je. Und dies vermischt mit Diskussionen um die Corana-Hygienevorschriften kann zu einer explosiven Mischung führen“, so Zengerle. „Mein größter Wunsch ist es deshalb, dass die Zahl der Menschen, um die wir an solchen Gedenktagen trauern müssen, nicht noch größer wird.“ Nach dem Totengedenken legte er den Kranz der Stadt Sonthofen nieder.

Im Anschluss legte die Landrätin, Indra Baier-Müller, den Kranz des Landkreises Oberallgäu am Denkmal nieder. In einer kurzen Ansprache bedauerte sie, dass die Gedenkfeier auf dem Grünten nicht stattfinden konnte. Auch sie bedankte sich beim Grüntendenkmal-Erhaltungsverein und der Truppenkameradschaft Grünten für ihr jahrelanges Engagement, die Erinnerung an das unselige Elend wachzuhalten, das Kriege und Gewalt hervorbringen.

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