Oberstdorf: Mehrere Millionen Euro Schaden

Oberstdorf zieht Bilanz

Heinrich Bonert

Oberstdorf - Nach dem verheerenden Starkregen mit Murenabgängen und Überschwemmungen zieht Oberstdorf Bilanz. 60 Liter Regen pro Quadratmeter waren am vergangenen Sonntag innerhalb einer dreiviertel Stunde auf das am stärksten betroffenen Gebiet niedergegangen. Dies führte zum Abgang von Geröll und Holz und zu Verklausungen in den Bächen, die vom Nebel- und Rubihorn herabkommen. 

"Der Regen stand wie eine Wand vor dem Rubihorn", so ein Augenzeuge. Außer bei den zum Teil stark in Mitleidenschaft gezogenen Häusern am Dummelsmoos kam der Spitzenferienort noch mit einem blauen Auge davon. Personenschäden sind - bis auf einen leicht verletzten Feuerwehrmann - nicht zu beklagen. Die Schadenssumme stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Die Rede ist von mehreren Millionen Euro.

An der Schanze sind die Schäden bis jetzt überschaubar - erste Meldungen von Wasser- und Schlammassen im Stadion erwiesen sich als unzutreffend. Betroffen ist vor allem der Bereich und die Straße unter den Stehtribünen. Geröll beschädigte die Straße - Pfeiler wurden unterspült. Glück im Unglück - der Faltenbach trat oberhalb der Schanze über die Ufer und floss unterhalb wieder in sein Bett zurück. Trotzdem liefen in Nähe der Oybelehalle durch kleinere Gewässer einige Keller voll. Auch die Trettach ging im Bereich der Nebelhornbahn nicht aus dem Bett. Hier war als Vor-sichtsmaßnahme ein mobiles Deichsystem der Feuerwehr im Einsatz. Auch am Eis-stadion, wo das Wasser in der Tiefgarage stand, sind die Schäden relativ gering. Der Sportbetrieb konnte am nächsten Tag schon wieder aufgenommen werden.

Am Schlimmsten hatte - wie berichtet - eine Schlammlawine die Siedlung am Dum-melsmoos getroffen. Hier gehen die Elementarschäden an Privathäusern und Pensi-onen in die Millionenhöhe. Wasser und Schlamm verwüsteten mehrere Gebäude. Zum Teil lief es auf der Hangseite in die Wohnräume hinein und auf der anderen Seite im Untergeschoss wieder hinaus. Feuerwehr, Baufirmen, Anwohner und freiwillige Helfer waren über die Woche - zum Teil bis in die Nacht - unermüdlich im Einsatz um die gröbsten Schäden zu beseitigen. Vor den Häusern türmten sich Hausrat und Möbel, die mühsam gereinigt oder gleich in Containern entsorgt wurden. Mehrere Ge-bäude waren bis Redaktionsschluss immer noch nicht bewohnbar. Beeindruckend war vor allem die gegenseitige Hilfe und Solidarität in der Gemeinde. Aus dem ganzen Ort kamen Helfer mit Schaufeln und Werkzeug zur Unglücksstelle. So opferte Annemarie Claaßen, deren Mann bei der Feuerwehr ist, ein paar Urlaubstage um am Verpflegungsstand für die Helfer Essen und Getränke auszugeben. Oberstdorfer Be-triebe stifteten Verpflegung. Auf viel Anerkennung stieß die Hilfe der in Oberstdorf untergebrachten Asylbewerber, die sich an den Aufräumarbeiten beteiligten.

Schuld an der Katastrophe sind nach Ansicht der Fachleute die ungeheuren Was-sermengen, die in kürzester Zeit vom Himmel fielen. "Schon ab 20 bis 25 Litern pro Quadratmeter muss man mit kleineren Erdrutschen rechnen", so Karl Schindele vom Wasserwirtschaftsamt. Extremereignisse wie am Wochenende seien nie ganz be-herrschbar. Er kündigte an, dass die Erfahrungen aus dem Unwetter in weitere Schutzmaßnahmen mit einfließen werden.

Es gab auch schon erste Kritik an den Schutzmaßnahmen. "Ich habe das Wasser-wirtschaftsamt mehrfach aufgefordert weiter oben im Faltenbachtobel einen Rechen einzubauen um das Geschiebe aufzuhalten", so Wolfgang Ferstl, der an der Schanze wohnt. Er sei mit seinem Vorschlag immer abgewiesen worden. Für die Zukunft müs-se verhindert werden, dass das Wasser durch die Erdinger Arena in die Faltenbach-siedlung laufen kann. Auch der Gemeinderat und Referent für öffentliche Ordnung Rudi Götzberger fordert als Anwohner des Dummelsmoos Lehren aus dem Unglück zu ziehen. Der geplante Neubau der Dummelsmoosbrücke (die vorhandene Brücke soll durch eine neue mit erhöhter Fahrbahn ersetzt werden) müsse in einem neuen Licht gesehen werden. "Es war ein Glück, dass die Brücke nicht schon in der geplanten Form gebaut war, sonst hätte das Wasser in der Siedlung nicht ablaufen können", so Götzberger. Die Sohle der Trettach müsse ausreichend vertieft werden. Inzwischen gibt es hier beim Wasserwirtschaftsamt Überlegungen die Situation zu überdenken und auch den Roßbichlbach, der die größten Verwüstungen angerichtet hat, zu verbauen.

Gleichzeitig lebt die Diskussion auf, welche Gebiete gefährdet sind und wo über-haupt noch Baugebiete ausgewiesen werden dürfen. Man müsse "aus solchen Er-eignissen lernen, wenn es um die Ausweisung von Neubaugebieten geht", so Land-rat Anton Klotz auf einer Pressekonferenz. Bürgermeister Laurent Mies legt Wert auf die Feststellung, dass der touristische Betrieb nicht eingeschränkt ist. Laut Tourismus Oberstdorf sind alle Einrichtungen in Betrieb. Es seien keine Absagen auf Grund der aktuellen Situation bekannt. "Die Gäste im Ort zeigen sehr großes Verständnis und auch Mitleid mit den betroffenen Vermietern“, so Tourismusdirektorin Heidi Thaumil-ler.

Für die vom Unwetter Betroffenen wurden zwei Spendenkonten eingerichtet: Allgäuer Hilfsfond e.V. Stichwort "Mure Obersdorf" Sparkasse Allgäu IBAN: DE94 7335 0000 0000 0028 57 BIC: BYLADEM1ALG oder Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu IBAN: DEO4 7336 9920 0000 8848 80 BIC: GENODEF1SFO

Spendenkonto der Marktgemeinde Oberstdorf Stichwort "Schlammlawine" Sparkasse Allgäu IBAN: DE94 7335 0000 0000 0028 57 BIC: BYLADEM1ALG

Oberstdorf zieht Bilanz

Heinrich Bonert

Meistgelesen

Bockbierfest in Oberstdorf
Bockbierfest in Oberstdorf
Kreisjagdverband: Kein Kuhhandel am Riedberger Horn
Kreisjagdverband: Kein Kuhhandel am Riedberger Horn
In Oberstdorf wird Wasser zu Bier
In Oberstdorf wird Wasser zu Bier
Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu

Kommentare