Besucherlenkung besteht Bewährungsprobe

Viele Menschen, kein Chaos

Tourengeher auf dem Riedberger Horn
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Stelldichein der Tourengeher auf dem Riedberger Horn.

Oberallgäu – Der erwartete Ansturm auf die Naherholungsgebiete und die„freie Natur“ im Oberallgäu brach nach den Weihnachtsfeiertagen dann tatsächlich los: Alle wollten raus und vom Lockdown und seinen Pandemie-Auflagen ein paar Stunden nichts hören und sehen. Dennoch blieb das befürchtet „ganz große Chaos“ aus. „Es ist gut abgelaufen“, so das erste Fazit von Max Löther, Projektleiter Besucherlenkung beim Naturpark Nagelfluhkette.

„Es waren tatsächlich extrem viele Menschen unterwegs“, beschreibt Max Löther seine Beobachtungen in den vergangenen Wochen um Weihnachten und den Jahreswechsel. Der Lockdown und das fast durchgehend schöne Winterwetter mit erklecklicher Schneelage wirkte offenbar wie eine Einladung zu einem Ausflug in die Berge. Zudem standen die Skilifte und Bergbahnen in Bayern allesamt still. Löther lag mit seiner Prognose Mitte Dezember richtig, dass sich der Wintersport von den Skigebieten ins Gelände verlagern werde.

Wenn der Parkplatz voll ist, wird dichtgemacht. Mit punktuellen Sperrungen – wie hier im Gunzesrieder Tal – wurde das befürchtete Chaos vermieden.

„Auffallend viele Anfänger waren unterwegs“, so Löther in seinem Rückblick. Schon vor Weihnachten hatten Sportgeschäfte von sehr hohem Absatz von Tourenausrüstungen berichtet. „Viele der Skitouren-Einsteiger hatten keinerlei Erfahrung – weder mit der Ausrüstung noch mit dem Gelände, zudem brachten sie keine Fähigkeiten wie Kartenlesen oder Einschätzen der Lawinengefahr mit.“

„Nicht wenige der Ausflügler haben die aktuellen Bedingungen unterschätzt, stiegen mit Jeans und leichten Jacken aus dem Auto“, ergänzt der Projektmanager. Und dass es in den Wintermonaten im Naturpark Nagelfluhkette großflächige Wildschutzgebiete mit entsprechenden Betretungsverboten gebe, sei vielen Besuchern ebenfalls neu gewesen.

Große Zwischenfälle gab es dennoch nicht. Einen recht unbedarften Wanderer konnten die Naturpark-Ranger noch rechtzeitig abfangen und von einem Aufstieg zum Steineberg abbringen. „Der Mann wollte bei minus 10 Grad im Tal losgehen und hatte nicht einmal Handschuhe dabei“, erinnert sich Max Löther. Wie der Wanderer bei diesen extremen Temperaturen die lange Stahlleiter am Steineberg-Gipfel mit bloßen Händen gemeistert hätte, wolle er sich lieber nicht vorstellen. „Gut abgelaufen“ sei alles in allem die vorbereitete Besucherlenkung im Naturpark-Gebiet, so Löther weiter. Die Naturpark-Ranger waren tagtäglich vor Ort präsent und haben viele Besucher informiert und auf die „Feinheiten“ hingewiesen.

Man habe die Erfahrungen nach dem ersten Lockdown im Frühling vergangenen Jahres mitgebracht und gut vorbereitet in die „heißen Tage“ um den Jahreswechsel gegangen. Kalt erwischt wie andere Ausflugsgebiete in Bayern wurde das Oberallgäu nicht. Das sei auch der guten Zusammenarbeit mit den Gemeinden zuzuschreiben, die lokale Parkleitsysteme und Besucherlenkungen eingerichtet hatten. Da und dort wurden einzelne Parkplätze rechtzeitig gesperrt oder zusätzliche Plätze zeitweise geöffnet, etwa im Gunzesrieder Tal. Löther: „Zustände wie andernorts, die durch die Medien gingen, gab es bei uns diesmal nicht.“

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