Kühne Erstbesteigung

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Bevor der Ski zur Massenware und zum Sportartikel für Jedermann wurde, war die Herstellung aufwändige Handarbeit.

Immenstadt – Unter dem Titel „Der Ski im Allgäu“ zeigt das Allgäuer Bergbauernmuseum in Zusammenarbeit mit dem FIS-Skimuseum Fischen in einer Sonderausstellung während der nächsten Monate die Anfänge des Skifahrens und des Skisports im Allgäu auf.

Pioniere waren es allemal, die sich dem neu aufkommenden Gebrauch von „Gleithölzern“ Ende des 19. Jahrhunderts verschrieben. Oder Verrückte. Denn für verrückt wurden sie zunächst gehalten, als sie sich mit den ersten Skiern aufmachten und Erfahrungen mit dem neuen winterlichen Fortbewegunsgmittel machten. Die Möglichkeit, im Schnee besser als zu Fuß oder mit Schneeschuhen voran zu kommen, fand aber schnell viele Begeisterte und faszinierte vor allem die Jugend und die Bergsteiger. Mit welcher Leidenschaft und unglaublicher Improvisationskunst die Skibegeisterten dabei zu zu Werke gingen, zeigt die Ausstellung an vielen zeitgenössischen Exponaten und Fotografien aus dem Fotohaus Heimhuber.

Doch zunächst wurde die „verrückte Idee“ Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur im Allgäu mit Kopfschütteln und Spott aufgenommen. „Man hat damals diese Neuerung schlecht geredet“, so Larsch vom FIS-Skimuseum in Fischen. Selbst der Alpenverein übte Kritik: das sei „etwas für Verrückte und Krankhafte“, hieß es ganz offiziell. Und auch das Militär, in der Regel allen Neuerungen aufgeschlossen, winkte ab. Der Skilauf blieb erst einmal etwas für die Akademiker in den Städten, für Bessergestellte – und eben eine Handvoll Verrückte.

Eine Zeit des Abenteuers. Im Jahr 1901 bezwangen die beiden Allgäuer Skipioniere Fritz Heimhuber aus Sonthofen und Dr. Max Madlehner aus Kempten als Erste das Nebelhorn im Winter. „Ausgerüstet wie für eine Expedition“, sagt Georg Larsch. In den unförmigen Rucksäcken schleppten Heimhuber und Madlener nicht nur allerlei schweres Werkzeug und alpine Ausrüstung mit, sondern auch Unmengen an ortsüblicher Verpflegung.

Zuvor hatten die Beiden unabhängig voneinander in ihrer Leidenschaft für den Skisport getüftelt und experimentiert. Madlener konnte sich Ski aus Norwegen schicken lassen, während Heimhuber anhand von Buchillustrationen auf „Marke Eigenbau“ setzte. Ein langer Briefwechsel ging dem großen Abenteuer der Winter-Erstbesteigung des Nebelhorn voraus. Später besprachen die Beiden ihre Vorbereitungen am – ganz neuzeitlichen – Telefonapparat.

Am 27. Februar 1901 machten sich Fritz Heimhuber und Max Madlehner auf den Weg. Am späten Nachmittag erreichten sie mit dem Zug Oberstdorf und gingen zunächst zu Fuß hinaus zur Seealpe. Im nächtlichen Aufstieg erreichten sie spät in der Nacht das Edmund-Probst-Haus, mussten allerdings die Türe aufbrechen, bevor sie in dem Alpenvereinshaus an die Brotzeit denken konnten. Als Heimhuber neben der obligatorischen Zigarre seinem Kameraden auch einen Schluck aus der Schnapsflasche anbot, hielt ihm der Arzt Madlehner eine ordentliche Standpauke über die Gefahren des Alkohols.

Am frühen Morgen wachten die beiden Skipioniere in einer Bilderbuch-Winterlandschaft auf und brachen zum Gipfel des Nebelhorn auf. Dort genossen sie die Fernsicht und das grandiuose Bergpanorama von der Zugspitze bis zum Säntis.

Der Abstieg war dann keine kühne Schussfahrt im Tiefschnee, sondern ein vorsichtiges Stapfen durch den hohen Schnee. Nachdem Heimhuber und Madlehner ihr „Basislager“ im Edmund-Probst-Haus aufgeräumt hatten, ging es weiter talwärts. Am frühen Abend erreichten sie den Zug nach Sonthofen, in dem sie dann prompt einschliefen...

„Eine ernste Angelegenheit mit viel Mit und Liebe zur Natur“, bringt Georg Larsch den Gipfelsturm der Allgäuer Skipioniere auf den Punkt. In der Folge entdeckten zunächst die Bergsteiger den Ski für sich. Und läuteten den Beginn des Wintertourismus im Allgäu ein. „Der Ski im Allgäu“ ist bis 4. November im Allgäuer Bergbauernmuseum in Diepolz zu sehen – täglich von 10 bis 18 Uhr.

gts

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