Flächenfraß und Siedlungsdruck

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Thomas Frey vom Naturerlebniszentrum Allgäu erläutert anhand von Vergleichsfotos den Landschaftswandel in Schwaben.

Immenstadt - Ein Bild sagt mehr als viele Worte. nach diesem Motto präsentieren der Bund Naturschutz in Bayern und das Naturerlebniszentrum Allgäu NEZ im AlpSeeHaus in Immenstadt-Bühl eine Ausstellung mit dem Titel „Landschaftswandel in Schwaben - eine fotografische Zeitreise“. Anhand zahlreicher Bildvergleiche wird eindrucksvoll die Veränderung der Landschaft dokumentiert.

Mit der allfälligen Veränderung in der Landschaft sei es ganz ähnlich wie bei der Entwicklung von Kindern, so zeigt Andreas Güthler, Leiter des Naturerlebniszentrums Allgäu auf: wer das Kind täglich sehe, dem werde kaum etwas auffallen – wer es aber nur alle Jahre mal zu Gesicht bekomme, werde über die Veränderungen erstaunt sein. 

Über das jüngste Hochwasser jedenfalls können sich Andeas Güthler und Thomas Frey vom Naturerlebniszentrum NEZ nicht wundern. Ein Blick auf eine historische Fotografie zeigt das Obere Illertal bei Sonthofen im Jahr 1910 großflächig unter Wasser. „In den vergangenen 100 Jahren sind 90 Prozent der Flussauen verloren gegangen“, sagt Frey. Nicht nur an der Iller, sondern auch an vielen anderen Flüssen in Schwaben. „Wer in Flussauen baut, muss wissen, dass das schief geht – oder einen sehr großen Schutzaufwand betreiben“, zieht Frey die Schlüsse aus den Überschwemmungskatastrophen. 

Flächenfraß und Siedlungsdruck. Tag für Tag werden in Bayern 18 Hektar Land versiegelt. Siedlungs- und Verkehrsflächen „pflastern“ jährlich die Fläche des Chiemsees. Seit den 1950er Jahren hat die Wohnfläche pro Person um jährlich einen halben Quadratmeter zugenommen. Beim Straßenbau sei es wie mit dem Biertrinken, bringt Thomas Frey einen anschaulichen Vergleich: die erste Maß schmecke gut, die zweite und dritte schon nicht mehr so... „Und so ist es beim Straßenbau.“ Das Kapitel sei für den Bund Naturschutz abgeschlossen. 

Die Bayerische Staatsregierung sehe das allerdings anders, räumt Frey ein. 400 neue Projekte stünden auf der Liste. Das Allgäu mit den Autobahnprojekten A 97 und A 7 sowie der B 19 neu habe in den vergangenen Jahren die Negativliste angeführt. Frey erinnert an die BN-Forderung: Instandhaltung vor Neubau. Auch im Alpenraum gehe der Landschaftswandel weiter, kritisieren Frey und Güthler. Nicht zuletzt die Reaktionen auf den Klimawandel seien in aller Regel mit Eingriffen ins Landschaftsbild verbunden: Lifte führten in höhere Lagen als früher, die Beschneiungseinrichtungen brauchten Platz und verändern Topografien, so die BN-Vertreter. Schwer zu bewirtschaftende Flächen in schwierigen lagen würden aufgegeben und machten Wald Platz. 

Der BN begrüße extensive Nutzungsformen wie die Alpwirtschaft im Allgäu, die letztlich die Landschaft offen und artenreich halten. Und in „Gunstlagen“ wie dem Unterallgäu verdrängten zunehmend Maisfelder das klassische, artenreichere Grünland, kritisieren Frey und Güthler den aktuellen Trend. 

Die Ausstellung ist im AlpSeeHaus von Montag bis freitag jeweils von 9 bis 17 Uhr zu sehen, am Samstag, Sonntag und Feiertagen jeweils von 10 bis 16 Uhr; der Eintritt ist frei.

Josef Gutsmiedl

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