Die "Gute Stube" wird zur "Belle Etage"

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Die drei „Bader-Schwestern” Gerti Lederle (von rechts), Elisabeth Eisenlauer und Luise Wegbach schenkten Vera Gondolph-Zink zur Eröffnung des „Baderhauses” ein altes Familienfoto.

Sonthofen – Wenn das „Baderhaus“ an der St. Michaelskirche erzählen könnte, dann würden sicherlich 500 Jahre Stadt- und auch Familiengeschichte eine eigene Chronik füllen.

Denn bereits im Jahre 1564 wird das Haus in einem Verzeichnis als eines der acht Anwesen im Ortskern Sonthofen dokumentiert. Wahrscheinlich hat es die Erhebung des Orts zum Markt schon erlebt und über die Jahrhunderte als markantes Gebäude die Marktstraße mitgeprägt. So sind die letzten 50 Jahre von der Stadterhebung 1963 bis heute ein kleiner Zeitabschnitt im „Leben“ des immer schon stattlichen Anwesens. 

Grund genug aber für die jetzige Besitzerin des Baderhauses, Vera Gondolph-Zink, das Schmuckstück als Hommage zum Stadtjubiläum für eine Ausstellung des städtischen Museumsfundus zu öffnen. Vorausgegangen ist eine lange Zeit des Umbaus, bis aus dem zum Abriss freigegebenen Gebäudekomplex die jetzige Stadthausgalerie geworden ist. 

Großes handwerkliches Können, Engagement und Herzblut für das historische Gebäude zeichneten den Sonthofer Klaus Buhl aus, unterstrich die Kuratorin des Hauses den hervorragend ausgeführten Ausbau des Hauses. Dabei ist die originale Außenfassade erhalten geblieben. Selbst Besucher, die das Haus sehr gut kannten, müssen sich zunächst neu orientieren, denn das Gebäude ist komplett entkernt worden. Es öffnet sich jetzt im Vorderhaus vom Hochparterre bis zum Dachstuhl zu einem lichtdurchfluteten Raum mit einer umlaufenden Galerie. 

„Da oben war unser Mädchenschlafzimmer“, erklärt Elisabeth Eisenlauer und zeigt auf die Ostecke der Holzgalerie. Sie hat mit ihren Schwestern Berti Lederle und Luise Weckbach das elterliche Anwesen geerbt und weiterverkauft an die dem Haus auch nahestehende jetzige Besitzerin Vera Gondolph-Zink. Sie freuen sich deshalb sehr über den großartigen Erhalt des Familienbesitzes. Als Gastgeschenk bringen die Geschwister ein etwa hundert Jahre altes gerahmtes Bild mit, ein Familienfoto der Familie Bader. 

Auch Bürgermeister Hubert Buhl zeigt sich sehr erfreut über den gelungenen Ausbau des Baderhauses: „In meinen kühnsten Träumen habe ich mir so etwas nicht ausmalen können“. Die Stadt habe mit der Stadthausgalerie etwas Einzigartiges bekommen. Nun könne ein Teil des Sonthofer Museumsfundus der Öffentlichkeit präsentiert werden. Es seien Schätze, die wegen des Platzmangels im Heimathaus nicht ausgestellt werden konnten. Allein 200 Werke bekannter Allgäuer Künstler aus dem Bestand des Museums sind bis April 2014 zu besichtigen: von Jean Baptiste Enzensberger und Max Fuggs, Vitus Reisacher und Josef Knirlberger. 

Die einstmals „gute Stube“ im Baderhaus hat sich für die Landschaftsmalereien von Robert Schraudolph zur „belle etage“ im Hochparterre etabliert. Einen großzügigen Raum erhielt Heinrich Barth für große Teile seines Lebenswerks, auch Pater Aegidius Kolb, der Mitverfasser der Stadtchronik „Sonthofen im Wandel der Geschichte“, erhielt in der Portrait-Galerie einen Ehrenplatz. Im Eingang der Galerie empfängt die Besucher das restaurierte Fresko des heiligen Christopherus aus der Hand von Robert Schraudolph. Der Restaurator Josef Diringer hat das Fresko am ehemaligen Mergenthaler-Haus vor dem Abriß gesichert, fachmännisch aufbereitet und mit einem Metallrahmen befestigt. Eine Fotodokumentation macht die aufwendige Restaurierung deutlich. 

Eine Sonderausstellung zeitgenössischer Kunst in der Technik alter Meister des Künstlers Frank Glanz rundet die Ausstellung ab. 

Die Ausstellung im Baderhaus in der Marktstraße 12 kann man jeden Sonntag von 10 bis 13 Uhr besichtigen.

Gertrude Goldner

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