Ausstellung: "Bier. Die Kaiserbrauerei in Immenstadt und andere Geschichten"

Immenstadt und sein Bier

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Ein Telegrafenbautrupp in den 1940er-Jahren bei Diepolz gönnt sich eine Stärkung.

Immenstadt – Der Heimatverein Immenstadt zeigt im Museum Hofmühle derzeit die Sonderausstellung „BIER. Die Kaiserbrauerei Immenstadt und andere Geschichten.“. In Schlaglichtern wirft die Ausstellung einen Blick auf die Geschichte des Bieres. Woher kommt Bier, welche Rollen haben Frauen, Klöster und Herrschaften beim Bierbrauen früher gespielt? Wie braut man überhaupt Bier und was hat es mit dem Bayerischen Reinheitsgebot und der Verwendung von Hopfen auf sich? Welche Biergeschichten lassen sich von Immenstadt erzählen? Warum gehen wir gern in Biergärten – und haben das während des Corona-Lockdowns oft schmerzlich vermisst?

Werbeschilder der einstigen Kaiserbrauerei in Immenstadt.

Das Herzstück der Ausstellung bildet die Geschichte der ehemaligen Kaiserbrauerei Immenstadt, die ihren Betrieb 1990 einstellte. Hervorgegangen aus der von Franz Anton Höss, damals reichster Bürger der Stadt, aufgekauften gräflichen Brauerei der Königsegger überlebte die Kaiserbrauerei zwei Weltkriege und eine wechselvolle Nachkriegszeit. Vor 30 Jahren musste sie ihr Sudhaus mit den beiden kupfernen Kesseln für immer schließen. Zahlreiche zeitgenössische Fotografien und Gegenstände lassen dieses Stück Immenstädter Braugeschichte wieder lebendig werden.

Am Ende der Ausstellung steht das Biertrinken im Fokus: Bierkrüge aus dem Rettenberger Biermuseum und historische Fotografien beleuchten die Kultur des Biertrinkens im Allgäu. Geselligkeit ohne Bier? Für viele Menschen undenkbar – damals wie heute.

Kulturgut Bier

Bier ist eines der ältesten alkoholischen Getränke der Menschheit: Erste Nachweise fürs Brauen fallen in die Zeit nach der Sesshaftwerdung des Menschen, also in den Übergang zu einer Lebensweise mit Viehhaltung und Pflanzenanbau. Doch vermutlich wird Bier schon seit mehr als 9 000 Jahren getrunken. Aus den Hochkulturen der Sumerer, Babylonier und Ägypter stammen die ersten schriftlichen Hinweise für Bierbrauen. In Mitteleuropa war die Bierherstellung bis ins hohe Mittelalter hinein Aufgabe der Hausfrauen.

Wirtschaftsgut Bier 

In den 1960er Jahren rückte die Kaiserbrauerei mit einem Festwagen aus.

Höfe lieferten Bier als Naturalabgabe an ihre Grundherren. Auch in Klöstern brauten Nonnen und Mönche eigenes Bier. Als der Handel mit dem Getränk dann nennenswerte Umsätze einbrachte, vergab die Obrigkeit Tafernen- und Braurechte und erhob Biersteuern. Im 16. Jahrhundert legte man verschiedentlich fest, welche Bierzutaten verwendet werden dürfen. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde Bier trotzdem selten allein aus Gerste, Hopfen, Wasser und Hefe hergestellt. Heute gilt das „Bayerische Reinheitsgebot“.

Technische Fortschritte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachten auch für das Allgäuer Brauwesen große Umbrüche. Große Brauereien steigerten ihren Ausstoß enorm, viele kleine Brauereien konnten dem Modernisierungsdruck nicht folgen und mussten schließen.

Heute erzeugen über 30 Brauereien im Allgäu Bier, die Kultur des Biertrinkens ist im Alltag fest verankert. Bierkrüge und alte Bierflaschen werden oft gesammelt, Trink-Anekdoten gern erzählt. Beim geselligen Zusammensein fehlt der Gerstensaft selten, Sprüche wie „Hopfen und Malz – Gott erhalts“ oder „Da ist Hopfen und Malz verloren“ sind in unserem alltäglichen Sprachgebrauch verankert. Bier ist nicht nur Kultgetränk, sondern Zeugnis einer jahrtausendealten menschlichen Kultur.

Und so wie heute jede und jeder auf sein Lieblingsbier schwört, so gab es auch schon in früheren Zeiten Diskussionen: Ein Kenner schrieb 1816 über die Biere in Immenstadt: „Das hiesige Braunbier ist von jeher, so wie auch jetzt noch, immer eines der besten Sommerbiere im ganzen Bezirke, allein das Winterbier meistens sehr gehaltlos, auch das weiße Bier nicht mehr so gut wie ehemals.“ Prost!

Die Sonderausstellung „BIER. Die Kaiserbrauerei Immenstadt und andere Geschichten.“ ist bis 11. April 2021 im Museum Hofmühle (an der Aach 14) zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr; für Gruppen auch außerhalb dieser Zeiten. Telefon 08323 / 3663 und www.museum-hofmuehle.de

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