"Baustelle Sonthofen" stellt Studentenarbeiten zum Stadtumbau vor

"Ein Stück weit neu erfinden"

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Großes Interesse zeigten die zahlreichen Besucher der Veranstaltung zum Thema Stadtumbau im Sparkassenfoyer.

Sonthofen – Sonthofen steht vor großen Herausforderungen: Mit dem Abzug der Bundeswehr von den Arealen der Grünten- und Jägerkaserne werden – voraussichtlich ab 2019 – knapp 30 Prozent der Fläche Sonthofens frei. Im ISEK-Prozess wurde bereits 2013 festgelegt, wie die Flächen künftig genutzt werden sollen.

Der Verein „Baustelle Sonthofen“, der sich intensiv mit dem Stadtumbau der Kreisstadt beschäftigt, lud kürzlich zu einer Veranstaltung in die Schalterhalle der Sparkasse, bei der Entwürfe von Studierenden der Hochschule Augsburg zu den Sonthofer Kasernenarealen vorgestellt wurden und eine Gesprächsrunde zum Stadtumbau stattfand.

Rund 130 interessierte Bürgerinnen und Bürger waren zur Veranstaltung gekommen, ein Zeichen, dass das „trockene“ Thema Stadtumbau die Menschen bewegt. Bei der Gesprächsrunde, die der Verein „Baustelle Sonthofen“ organisiert hatte, kamen wichtige lokale Akteure und Protagonisten zu Wort. Ganz im Sinne des Vereines, der besonderen Wert darauf legt, den Dialog über die Stadtentwicklung und das Bauen zu fördern, wie Vorsitzender Philip Sodeur betont.

Sonthofens 1. Bürgermeister Christian Wilhelm erörterte in der Gesprächsrunde, dass es um das Thema Stadtentwicklung in der Öffentlichkeit zwar in letzter Zeit ruhig geworden sei. Die Stadtverwaltung allerdings stecke derzeit intensiv in Verhandlungen mit der derzeitigen Eigentümerin der Kasernenflächen, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA). So wolle sich die Stadt „möglichst große Entscheidungsgewalt über die Flächen“ sichern.

Studenten der Hochschule Augsburg hatten sich vergangenes Jahr mit den Sonthofer Kasernenarealen beschäftigt. Ausgesuchte Arbeiten sind noch bis Freitag, 11. März, in einer Ausstellung in der Schalterhalle der Sparkasse zu sehen. Besonders sehenswert sind dabei, neben großformatigen Grundrißplänen, vor allem zahlreiche Modelle, die einen guten Einblick in die Größe der Aufgabe geben, die in den nächsten Jahren und Jahrzehnten mit der Konversion von Jäger- und Grüntenkaserne auf Sonthofen zukommen.

In der Gesprächsrunde anlässlich der Ausstellungseröffnung würdigte Uwe Brendler vom Heimatdienst Sonthofen unter anderem die gute bauliche Qualität vieler bestehender Kasernengebäude und sprach sich dafür aus, dies bei der Konversion zu berücksichtigen und möglichst viel des Bestandes zu erhalten.

Professor Marcus Rommel, Betreuer des Augsburger Studenten-Projektes, wies auf das große Potential der umliegenden Landschaft für Sonthofen hin, die es gelte, „in den Ort zu holen“. Hier könne die Stadt strukturelle Mängel der Vergangenheit ausbessern. Weiter bekräftigte Rommel Bürgermeister Wilhelm darin, sich möglichst früh mit der Bürgerbeteiligung beim Stadtumbau-Prozess zu befassen, um gemeinsam „Identitäten zu schaffen“.

„Die Innenentwicklung muss forciert werden“, sagte Sont­hofens Stadtbaumeister Dr. Jürgen Rauch. Die Stadt müsse etwa 30 Prozent ihrer Fläche in nächster Zeit „neu formen“ – für Rauch bringe die Innenentwicklung eine größere Dichte mit sich, die wiederum zu mehr Leben im Stadtzentrum führe.

3. Bürgermeisterin Ingrid Fischer unterstrich die Bedeutung des zwischen 2010 und 2013 erstellten integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) für die weitere Entwicklung der Stadt. Das ISEK sei eine „gute Grundlage“ für die weitere Diskussion, wobei es an aktuelle Bedürfnisse – wie zum Beispiel Veränderungen auf dem Wohnungsmarkt – angepasst werden müsse. Weiter betonte Fischer das Potential einer Landesgartenschau für den Stadtumbau, um die Aufenthaltsqualität im Ort generell zu verbessern. Allerdings müsse, so Fischer, die Finanzierbarkeit dabei sorgfältig geprüft werden.

Vor einer möglichen Dezentralisierung durch die Entwicklungen auf den Kasernenflächen warnte Hans Fili von der Attraktiven Stadt Sont­hofen (ASS). Dies gelte es zu vermeiden, um die teilweise „zerklüftete“ Ortsstruktur nicht weiter zu schwächen. Auch Fili könnte sich eine Landesgartenschau für Sonthofen gut vorstellen, um die Attraktivität im gesamten Ort zu steigern.

Sonthofens Baureferent Christian Lanbacher sprach sich vor allem für einen Stadtumbau aus, der die ortseigene Baukultur mit einbeziehe. Er, Lanbacher, wünsche sich Gebäude, die wieder eine Identifikation mit dem Ort erlauben und erhoffe sich daher mehr „gebaute Eigenständigkeit“.

Der Vorsitzende des Vereines „Baustelle Sonthofen“, Philip Sodeur, warb für eine größere Offenheit bei Fragen der Stadt­entwicklung. Seiner Ansicht nach werde sich Sonthofen in den nächsten Jahren „ein Stück weit neu erfinden müssen“. Dabei müsse man ungewohnte Perspektiven auf den Ort zulassen – „doch daran müssen sich die Sonthofer Bürger vielleicht noch gewöhnen“.

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