Das Autohaus im Wandregal

Angefangen hat es „ganz klein“ - jetzt ist Manfred Becker „groß im Geschäft“. Im übertragenen Sinn. Der 68-Jährige bastelt seit bald 15 Jahren kleine Holzfahrzeuge – und die meisten Modelle seiner Produktion verschenkt er. Der „Rockzipfel“ bekam schon Modelle, die Caritas oder der Lions Club und die Kinderkrebshilfe.

Über Nachfrage muss sich der rüstige Sonthofener keine Gedanken machen. Im Gegensatz zu den „Großen“ der Autobranche kennt er keine Flaute. Im Gegenteil: Die Kleinen, die Kinder, sind ganz verrückt nach seinen Feuerwehrautos und Lastwagen, seinen Sportflitzern aus Sperrholz, Schreinereiresten und Holzleim. Die Decke fällt ihm nicht auf den Kopf in seiner Wohnung. Manfred Becker war im Berufsleben Friseur, mit eigenem Geschäft in Düsseldorf. Heute sitzt er gerne in seiner kleinen Werkstatt, die er in einer abgetrennten Nische des Schlafzimmers untergebracht hat. Klein aber zweckmäßig: Alles, was man zum Basteln mit Holzstücken braucht. Bohrmaschinen, kleine Bohrer und Feilen, Schleifpapier, Sägeblätter, Schnitzmesser , feine Pinsel, Schräubchen, Zahnstocher und Schaschlickspieße - und ein paar Fläschchen Kleber und Holzleim „Ich bastle unheimlich gerne an solchen Modellautos aus Holz“, berichtet Manfred Becker. Wenn andere Ruheständler oft vor dem Fernseher einnicken, ist der Bastler manchmal bis weit in die Nacht hellwach und mit Feuereifer bei der Sache. „Da kann ich schon mal die Zeit vergessen...“ Rund 15 Stunden braucht Becker für eines seiner gängigen Modellautos. Aufwändige „Sonderanfertigungen“ brauchen schon mehr Zeit, etwa eine noble Kutsche oder eine Feuerwehr-Drehleiter. Ab und zu widmet sich Becker auch einer richtigen Auftragsarbeit. Diese Modelle sind dann nicht als Spielzeug für Kinderhände gedacht, sondern als Ausstellungsstücke für den Chef-Schreibtisch. „Das entwickelt sich so nach und nach“, erzählt Becker. Man mache seine Erfahrungen, verbessere seine Technik, probiere dies und das aus. „Es gibt immer Verbesserungen und Änderungen.“ Inzwischen traut sich Becker längst auch an aufwändigere Details,bewegliche Teile, Lenkungen. „Aber für Kinder ist wichtig, dass sich etwas bewegen lässt, eine Türe, eine Kippvorrichtung...“ Wie die „richtigen Autobauer“ hat Manfred Becker auch so etwas wie „Zulieferbetriebe“. Er brauche schon einiges an Metarial, sagt Becker: Schreinereireste etwa, Sperrholzplatten, Leder- und Stoffreste und andere Kleinteile. Ein paar örtliche Sponsoren hat der eifrige Bastler an der Hand, einen Heimwerker-Fachmarkt oder eine Möbelpolsterei. Stolz berichtet Becker, dass seine Modelle auch bei der Firma Henkel „gut dastehen“. Das Unternehmen stellt ihm regelmäßig die ausreichende Mengen an Leim und Klebstoffen zur Verfügung. „Wenn ich das alles kaufen müsste, wäre ich bald Kurzarbeiter...“ so Becker. Einige Dinge muss sich Becker doch im Spielwarengeschäft besorgen, etwa Achsen und Räder für seine Modelle. Da greift er schon mal zum Billigspielzeug aus Fernost. Auch auf dem Flohmarkt entdeckt er immer wieder ausrangierte Fahrzeuge, die er ausschlachtet, um seine Holzmodelle flott zu machen. Nach dem „letzten Schliff“ und einer Probefahrt stellt Manfred Becker seine Modelle ins Regal im Hausflur. Die meisten bleiben nicht allzu lange hier im „Autohaus“ - Vereine wie die Kinderkrebshilfe, Rockzipfel, die Caritas sind dankbar, wenn Autobauer Becker eines seiner Fahrzeuge „vorfahren“ lässt. „Da weiß ich, dass meine Modellautos in die richtigen Hände kommen“, freut sich Becker über die Freude, die er den Kindern machen kann. Aber auch die eigenen Enkel kommen nicht zu kurz. Und kaufen kann man seine Modelle übrigens auch (Telefon 0177 5150 679).

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
"Bettl mit Dettl" an der Drogeriemarktkasse
"Bettl mit Dettl" an der Drogeriemarktkasse
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
"Bettl mit Dettl" - LaBrassBanda vs. Musikkapelle Burgberg
Eine Frage der Sichtweise: Sparkasse Allgäu vs. Stadt Immenstadt
Eine Frage der Sichtweise: Sparkasse Allgäu vs. Stadt Immenstadt

Kommentare