Plan der Bahn: Schneller von Immenstadt nach Oberstdorf

Jetzt aber Volldampf!

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Das südliche Allgäu ist nicht abgehängt, doch die Züge müssen oft langsam fahren – ausgebremst vor allem durch viele Bahnübergänge.

Oberallgäu – Die Bahn muss im Allgäu – vor allem „im flachen Land“ abseits der Haupttrassen – attraktiver werden! Auf diesen Nenner lassen sich die Forderung und Wünsche bringen, die beim „Fachgespräch Schiene“ auf dem Tisch lagen. Eingeladen ins Landratsamt Oberallgäu hatte der Allgäuer Bundestagsabgeordnete Dr.Gerd Müller. Vorausgegangen war dem Gespräch eine Streckenbesichtigung der Bahn­trasse zwischen Oberstdorf und Sonthofen.

„Tausende würden auf die Bahn umsteigen“, ist sich Gerd Müller sicher. Aber es müsse eine schnelle attraktive Anbindung sein. Müller hat hier zunächst die vielen Pendler in der Region im Blick. Kempten als Drehscheibe für die Verbindungen nach München, Ulm, Lindau... „Das ist eine Chance für die Bahn.“ Die Politiker der Region stünden hinter der Bahn und wünschten, dass „auch auf dem Land was getan wird“.

„Blumenpflücken während der Fahrt erlaubt.“ Eine Bemerkung, die sich Müller angesichts des Brennpunktes im südlichen Landkreis nicht verkneifen konnte, als Volker Hentschel von der zuständigen DB Netz erläuterte, wie es beim Engpass Immenstadt - Oberstdorf weitergehen soll. Auf gut 20 Kilometern Strecke „kämpfen“ sich die Züge über 29 Bahnübergänge, darunter nicht wenige ohne Schranken oder Lichtzeichenanlagen. Hier ist aus Sicherheitsgründen praktisch oft nur Schritttempo möglich. „Eine halbe Stunde Fahrtzeit für gerade einmal 21 Kilometer“, beklagt der Westallgäuer Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter und fordert: Da muss sich was tun!“ Altbürgermeister Toni Vogler beklagt, dass mit der neuen ­B 19 die Bahn im Vergleich zum Auto noch schlechter abschneide was die Fahrtzeiten angehe.

Tatsächlich stehe die Bahn hier schon in den Startlöchern., räumt Volker Hentschel ein. Rund 18 Millionen Euro werde die Bahn investieren. Ein Teil der Bahnübergänge zwischen Sont­hofen und Oberstdorf werde in den kommenden Jahren aufgelassen oder durch Unterführungen ersetzt, um diese Langsamfahrstrecke zu beseitigen. „Dazu brauchen wir aber die Unterstützung der Kommunalpolitik“, sagt Hentschel. Beginn der „Offensive“ wird schon im kommenden Jahr sein. „Am Grunderwerb wird es nicht scheitern“, betont Fischens Bürgermeister Edgar Rölz. Aber man müsse die Finanzierungsfragen zügig abschließen. „Das muss von den Kommunen schon zu stemmen sein...“

Mit der Attraktivitätssteigerung dürfe allerdings nicht in Kempten Schluss sein, gaben die Politiker weiter zu verstehen. Wenn die Kommunen und Landkreise den Nahverkehr optimierten, müsse die Bahn den Regionalverkehr verbessern. Rotter denkt dabei an den Ausbau der Strecke Kempten-Memmingen-Ulm. Der Bundestagsabgeordnete Gerd Müller an den „Sprinter“, der quasi ohne Zwischenhalte Kempten mit München verbinde. „Den Sprinter gebe ich nicht auf!“ Und der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz drängt darauf, das Projekt einer Regionalbahn „anzuschieben“, die zwischen Memmingen und Oberstdorf S-Bahn-Charakter haben sollte.

Entscheidend für Pendler aber auch für Urlauber sei schließlich die Vernetzung von Bus- und Bahnverkehren vor Ort. Es müsse möglich sein, so Müller in einem Beispiel, in Obermaiselstein in den Bus zu steigen, einen Ausflug nach Neuschwanstein oder Ottobeuren zu unternehmen, und abends wieder in Obermaiselstein im Urlaubsquartier anzukommen.

Auf der Strecke nach Oberstdorf hat die Bahn in den vergangenen Jahren kräftig investiert in moderne Stellwerkstechnik und eine neue Illerbrücke bei Fischen.

Josef Gutsmiedl

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