Mit Volldampf vom Abstellgleis

Bahnhöfe im Oberallgäu: Wann kommen Modernisierungen und Barrierefreiheit?

Mangelnde Barrierefreiheit in den Bahnhöfen in Immenstadt und Sonthofen
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Mangelnde Barrierefreiheit in den Bahnhöfen in Immenstadt und Sonthofen. „Seit drei Jahren ist so gut wie nichts passiert!“, kritisiert VdK-Vorsitzender für Sonthofen Peter Götz
  • vonJosef Gutsmiedl
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Oberallgäu – „Weg mit den Barrieren!“, lautet eine Kernforderung des Sozialverbands VdK. Auf Defizite machte der VdK-Ortsverband Sonthofen zuletzt im Rahmen einer Videokonferenz mit Vertretern der Bahn, Allgäuer Landtagsabgeordneten, regionalen Kommunalpolitikern und Betroffenen aufmerksam.

Von einem Durchbruch wollen die Vertreter des VdK nicht reden, doch eine „Allgäu Connection“ will jetzt alle Kräfte bündeln und für Druck sorgen, damit die Bahn im Allgäu endlich vom „Abstellgleis“ kommt. Zwar gingen die Meinungen auseinander, ob es wirklich „am Geld liegt“, wenn es mit der Modernisierung der Bahn im Allgäu nur schleppend weiter geht. Doch jetzt soll ein Schulterschluss aller Ebenen „Dampf machen“, um die Mängelliste des VdK abzuarbeiten

Zuständigkeiten für Modernisierungen

Vor allem um Zuständigkeiten ging es beim jüngsten Gespräch „Die Bahn – Abstellgleis Allgäu“. Und ums Geld. Fazit: Wenn alles finanziert wird, ist (fast) alles möglich, um die Bahnhöfe im Allgäu zu modernisieren und die Bahn vom Abstellgleis zu bringen. Der Allgäuer Landtagsabgeordnete Dr. Leopold Herz (Freie Wähler) will als Vermittler alle Kräfte in der Region bündeln, um über eine „Allgäu Connection“ das Dauerthema „Bahn im Allgäu“ im Landtag und im Bund voranzubringen. Eingeladen zu der Videokonferenz hatte erneut der Ortsverband des VdK Sonthofen.

„Es steht und fällt alles mit der Finanzierung“, brachte Baurätin Claudia Sut vom bayerischen Verkehrs- und Bauministerium ihre Einschätzung auf den Punkt. Wenn alles gut finanziert wäre, könnte man viele Dinge in puncto Barrierefreiheit voranbringen. Allerdings seien Mittel nicht „unerschöpflich da“,erklärte die Baurätin die Priorisierung. „Es bewegt sich derzeit viel – und in die richtige Richtung.“

Thema Barrierefreiheit

Das stelle man keineswegs in Abrede, stellte Eberhard Fetzer, Stadtrat und Referent für Barrierefreiheit der Stadt Immenstadt, fest. „Aber wenn man mit Handicap einfach nicht weiterkommt, ist das enttäuschend.“ Fetzer appellierte erneut, alle Anliegen zum Thema Bahn im Allgäu zusammenzuführen, und zu versuchen, gemeinsam voran zu kommen. „Jetzt müssen wir den Knoten durchschlagen, damit wir weiterkommen!“

Es hapere schon an Kleinigkeiten, gab Peter Götz, Vorstand des VdK-Ortsverbandes Sonthofen zu bedenken. Und das seit Jahren. In Sonthofen und Immenstadt sei es quasi immer noch unmöglich für Rollstuhlfahrer von Gleis 1 zu Gleis 3 zu gelangen. Der Hublift sei nur am Bahnsteig 1 nutzbar. „Und das nur nach Voranmeldung. Das ist keine Integration!“, so Götz verärgert. Woanders fehle nach wie vor ein simpler zweiter Handlauf an der Treppe.

„Drei Jahre lang nichts passiert“

Seit drei Jahren seien der Ortsverband und eine Reihe von Mitstreitern aus Kommunal- und Landespolitik sowie Organisationen „dran“ an der Thematik „Bahn im Allgäu“, speziell der Barrierefreiheit, gab Peter Götz zur Eröffnung der Videokonferenz zu bedenken, an der auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek teilnahm. Holetschek hatte vor gut einem Jahr – noch als Staatssekretär im Verkehrsministerium – seine Unterstützung zugesichert und runde Tische angekündigt. Götz zog eine ernüchternde Bilanz: „In diesen drei Jahren ist so gut wie nichts passiert! Ein Fußweg repariert, ein Handlauf montiert und die Behindertentoilette im Bahnhof Immenstadt wieder geöffnet – das war alles.“ Das Versprechen, Bayern bis zum Jahre 2023 barrierefrei zu machen, sei nie im Allgäu angekommen, beklagte der VdK-Vorsitzende weiter.

Holetschek skizzierte die Zuständigkeiten bei Bahn-Angelegenheiten: Die Deutsche Bahn sei Herr der meisten Bahnhöfe; die Kommunen zuständig für das Bahnhofsumfeld mit kommunalen Einrichtungen. „Der Freistaat Bayern kann einzelne Dinge fördern“, so Holetschek. Und das Land tue das – freiwillig – in vieler Hinsicht. Claudia Sut vom Bauministerium pflichtete bei und verwies auf neue Busbahnhöfe und Radabstellanlagen.

Bahnhof Immenstadt: Baubeginn 2025

Den Vorwurf der Untätigkeit ließ Bernhard Christ, Leiter des Bahnhofsmanagement der DB Station & Service AG, nicht unkommentiert stehen. „Dass gar nichts getan wird, ist so nicht richtig. Aber alles auf einmal geht nun einmal nicht.“ Dass es tatsächlich „zu langsam“ voran gehe, habe viele Ursachen. Die Bahn sei in laufenden Abstimmungen mit den Kommunen. „Wir machen alles, was denkbar ist, möglich.“ Was den Umbau des Bahnhofs Immenstadt angeht, wollte Christ die „Botschaft“ überbringen: „Wir planen, wir bauen und lenken soviel Mittel wie möglich nach Immenstadt.“ Immenstadts Bürgermeister Nico Sentner erkennt erste Schritte in die richtige Richtung. Bis zum Baubeginn Mitte 2025 werde sich die Stadt um „diverse Verbesserungen“ kümmern.

Der Einsatz für den Bahnhof Immenstadt trage offenbar Früchte, ergänzte der Oberallgäuer Landtagsabgeordnete Eric Beißwenger (CSU). „Der Fahrplan, speziell für Immenstadt, steht.“ Und der FDP-Bundestagsabgeordnete Stephan Thomae riet „die Hausaufgaben für den Bund auf den Weg zu bringen“ in Form konkreter Punkte. „Wenn ich weiß, wo es klemmt beim Bund, klemme ich mich dahinter.“ Die Bahn sei ein komplizierter Apparat, so Thomae. „Nicht immer liegt‘s am Geld.“

Vorschlag für gemeinsames Handeln

Der Landtagsabgeordnete Dr. Leopold Herz (Freie Wähler) forderte schließlich einen „gemeinsamen Vorstoß für das Allgäu“ bei dem alle mitmachen sollten mit den Schwerpunktbaustellen Sonthofen und Immenstadt. Er, Herz, wolle die Thematik mit seinen Landtagskollegen über alle Parteibefindlichkeiten hinweg voranbringen und in einer Art „Allgäu Connection“ die Interessen und Kräfte bündeln.

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