Zum Schutz vor Hochwasser

Nach fünf Jahr Bauzeit ist die Ostrach gut auf ein Jahrhunderthochwasser vorbereitet

Baufeld Hochwasserschutz Ostrach
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Übersicht über das Baufeld mit Bau von Hochwasserschutzmauern, Deichkronenwegen und Schöpfwerk mit Durchlassbauwerk. Eine Spundwand entlang der Ostrach sicherte während den Bauarbeiten die Baustelle.

Sonthofen – Nach mehr als acht Jahren Bauzeit ist der Hochwasserschutz entlang der Ostrach für Burgberg und Sonthofen auf einer Länge von 4,3 Kilometer abgeschlossen. Der Hochwasserschutz beginnt an der Mündung in die Iller, wo der Baustart 2011 erfolgte, und verläuft bis zum Eintritt der Ostrach in das bebaute Gebiet in Binswangen. Somit werden etwa 4 500 Bewohner und Gewerbegebiete wesentlich besser vor Hochwasser der Ostrach geschützt.

Die Hochwasserereignisse in den Jahren 1999 und 2005 zeigten die Hochwassergefahr an der Ostrach, dem größten Wildbach im Allgäu, deutlich. Bei starkem Regen steigt der Pegel der Ostrach sprunghaft an und birgt aufgrund der großen Geschiebe- und Schwemmholzfracht zusätzliche Gefahren. Während der damaligen Hochwasserereignisse sind die Deiche entlang der besiedelten Flächen aufgrund von Überströmungen gebrochen. Der Schutzstandard der Deiche wies erhebliche Defizite auf. Eine Fußgängerbrücke im Mündungsbereich zur Iller wurde 1999 vollkommen zerstört und Rückstau an den Mühlkanälen im Stadtgebiet führten ebenfalls zu massiven Schäden.

Aufgrund dieser Ausgangssituation begann das Wasserwirtschaftsamt Kempten ab dem Jahr 2005 die Planung der Maßnahmen zum Hochwasserschutz. Im Jahr 2010 wurde schließlich die Baugenehmigung erteilt und 2011 begannen die Bauarbeiten.

Ziel der Baumaßnahmen war es, einen einheitlichen Hochwasserschutz nach Stand der Technik an allen Deichabschnitten und Kreuzungsbauwerken herzustellen. Neben dem technischen Hochwasserschutz wurde die Ostrach auf dem gesamten Bauabschnitt ökologisch durchgängig ausgebaut und aufgewertet. Das Flussbett wurde auf einer Länge von zwei Kilometern verbreitert. Zahlreiche Querbauwerke wurden abgesenkt und die Gewässersohle über eine Strecke von etwa drei Kilometer vertieft. Zum Teil wurden Deiche zurück verlegt um Retentionsraum zu schaffen.

Die gesamten vorhandenen Deichstrecken wurden saniert. Dazu wurde der bestehende Bewuchs entfernt, die Deichkörper entweder neu aufgebaut oder verbreitert und anschließend über einen großen Bereich mit Innendichtungen als Erosionsschutz ausgestattet. Die Deichkronen sind nun mit befahrbaren Wegen zur Unterhaltung und Deichverteidigung ausgestattet. Die Stadt Sonthofen will die Wege als Fuß- und Fahrradwege bereits stellen und hat dafür die Wegeunterhaltung übernommen. Zusätzlich wurden auf rund 1,5 km neue Deiche errichtet. Dort, wo unter Beachtung der angrenzenden Bebauung aus Platzgründen keine Deiche möglich waren, wurden Hochwassersschutzmauern errichtet oder angepasst. Bei direkt angrenzender Wohnbebauung wurden Glaselemente integriert, um für die Bewohner die Schatten zu reduzieren.

Ostrach am Ortwanger See beim Augusthochwasser 2005. Der Deich zum Ortwanger See (rechte Bildhälfte) wurde 1999 überströmt, die Fußgängerbrücke an der Mündung zerstört.

An zwei Mühlkanälen in Sonthofen wurden Schöpfwerke mit Absperreinrichtungen gebaut, um die Rückstaugefahr bei Extremhochwasser zu reduzieren. Bei Hochwasser pumpen die Schöpfwerke das aus dem Stadtgebiet abfließende Wasser in die Ostrach. Das Kraftwerk am Drothwehr wurde ebenfalls angepasst. Die Ufermauern wurden angehoben, sodass das Hochwasser auch hier gefahrlos abgeleitet werden kann.

An der Kanalausleitung im Ortsteil Binswangen wurde das alte Teilungsbauwerk durch ein Verschlussbauwerk ersetzt. Im Normalbetrieb dient es auch heute wieder als Teilungsbauwerk, bei einem Hochwasserereignis ermöglicht es nun aber auch den Zulauf in das Siedlungsgebiet zu regulieren. Auch einige Brücken im Hochwassergebiet wurden verstärkt und zum Teil versetzt. Auch 30 Strom-, Gas-, Wasser- und Medienleitungen wurden an die neue Höhenlage angepasst. An der Theodor-Heuss-Brücke waren Anpassungsarbeiten aufgrund zu geringer Bauwerksdimensionen nicht möglich. Die Brücke musste deshalb abgerissen und mit einer höheren Brückenunterkante neu errichtet werden. Neben dem technischen, Ausbau zum Hochwasserschutz wurden sämtliche Querbauwerke, bislang Absturzbauwerke, durch ökologisch durchgängige Sohlrampen ersetzt. Des Weiteren lenken nun Buhnen und Störsteinen die Strömungsverhältnisse der Ostrach. Der Umbau ermöglicht nun auch an vielen Stellen den Zugang zu den Wildbächen für die Bevölkerung.

Der den Baumaßnahmen zugrundeliegende Bemessungswasserabfluss eines 100-jährlichen Hochwasserereignisses der Ostrach, also eines statistisch gesehen alle 100 Jahre auftretenden Hochwasserabflusses, beträgt nun inklusive eines 15-prozentigen Klimaanpassungsfaktors sowie unter Berücksichtigung weiterer Gewässereinleitungen an der Mündung in die Iller 338 m3/s.

Der in den Planungen des Wasserwirtschaftsamtes geschätzte Kostenrahmen für den gesamten Gewässerausbau von rund 25 Millionen Euro wurde eingehalten. Neben dem Freistaat Bayern haben sich die Stadt Sonthofen, die Gemeinde Burgberg sowie der Landkreis Oberallgäu an den Ausbaukosten beteiligt. Zusätzlich wurde ein Teil der Maßnahme von der Europäischen Union finanziert.

Das Wasserwirtschaftsamt dankt allen, die das Projekt unterstützt haben, die es vorangetrieben und umgesetzt, die von den Bauarbeiten direkt oder indirekt betroffen waren: „Vielen herzlichen Dank!“

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