Mit Bauchweh ins Spannungsfeld

Liegen die „Karten“ auf dem Tisch? Bei der jüngsten Hegeschau in Fischen präsentierten die Oberallgäuer Jäger die Trophäen der vergangenen Jagdsaison. Vor allem Forstleute mahnen an: Es könnte mehr sein. Foto: Josef Gutsmiedl

Vor Beginn des neuen Jagdjahres legte der Jagdbeirat am Landratsamt Oberallgäu die Abschusszahlen für Rotwild und Gemsen fest. Obwohl seit Jahren das jeweils festgelegte Ergebnis beim Rotwildabschuss nicht erreicht wurde, sprach sich der Beirat für ein verringertes Soll aus in den Hochwildhegeringen Oberstdorf und Rohrmoos. Damit soll einer „schwierigen jadglichen Situation“ Rechnung getragen werden. Das Soll für die Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen liegt mit 1356 Stück daher fast zehn Prozent unter dem Vorjahreswert.

Froh über das Einvernehmen, mit dem der Jagdbeirat die festgesetzten Sollzahlen beschloss, zeigte sich vor allem Landrat Gebhard Kaiser. Der Landrat hofft, dass damit etwas Brisanz aus dem Spannungsfeld Jagd, Grundeigentümer, Forst und Landwirtschaft im südlichen Landkreis genommen wird. „Jetzt gilt es, etwas Gutes daraus zu machen“, sagt Kaiser zu den einvernehmlichen beschlossenen Vorgaben für die Jägerschaft in den Hochwildhegegemeinschaften. Ergänzend und begleitend hatte auch der Wildbiologe Prof. Dr. Wolf Schröder an der Ausarbeitung der Sollzahlen mitgewirkt. Schröder arbeitet zur Zeit mit seinen Mitarbeitern an einem Projekt für das Schalenwild-Management im Oberallgäu. Die Situation der Rotwildjagd bezeichnet er als „sehr schwierig“, aber man sei „auf einem richtigen Weg“. Eine Lösung des komplexen Problems könne er aber nicht beschreiben. Der „besonderen Situation“ schreibt auch der Leiter der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt, Ralph Eichbauer, die neuen Sollzahlen für die Rotwildbejagung zu. So bleibt das Soll für den Hochwildhegering Rohrmoos mit 350 Stück um 80 unter dem VorJahreswert von 430. Tatsächlich erlegt wurden 383 Hirsche. Der Hegering Oberstdorf liegt mit 314 Stück ebenfalls um 79 unter dem Vorjahressoll. Bei der Neufestsetzung orientierte man sich am tatsächlichen Abschuss des Jahres 2010. Insgesamt sollen laut Planung im Bereich der Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen 1356 Stück Rotwild erlegt werden; im Vorjahr brachten die Jäger hier 1352 Hirsche zur Strecke. Kein Einknicken Die Absenkung dürfe aber nicht als Nachgiebigkeit der Jagdbehörde ausgelegt werden, betonen sowohl Wildbiologe Schröder als auch Landrat Kaiser. Die angestrebte Reduzierung des Rotwildbestandes in den Hegeringen Rohrmoos und Oberstdorf sei nach wie vor erklärtes Ziel. „Das schafft man nicht in einem Jahr“, räumt Schröder ein. Eine Bestandserhebung habe für das Rohrmoos rund 800 Hirsche festgestellt; Ziel sei ein Bestand von 600. Und Landrat Kaiser unterstreicht: „Das festgesetzte Soll ist Pflicht!“ Ob der Abschuss zu 99 oder 103 Prozent erfüllt werde, sei nicht entscheidend. Grobe Abweichungen nach unten werde man nicht hinnehmen. „Sonst drohen Zwangsmaßnahmen“, so Kaiser unmissverständlich. Er sei jedenfalls optimistisch, dass das Soll von 350 Stück erfüllt werde. Ähnlich schwierig sei bislang die Situation im Hegering Oberstdorf. Auch hier habe der Beirat „mit Bauchweh“ der Absenkung des Solls zugestimmt, erläutert Ralph Eichbauer die Entscheidung beim zweiten Brennpunkt. „Aber auch unter der Bedingung, dass der Abschuss jetzt zu 100 Prozent erfüllt wird.“ Langfristig sehen sowohl Landrat Kaiser als auch Professor Schröder durchaus positive Ansätze für ein besseres Miteinander „im Spannungsfeld Wald und Jagd“. Ein Großteil der Jäger „ist sehr vernünftig“, urteilt der Landrat. Wildbiologe Schröder findet, dass er mit seiner Arbeit für das Schalenwildprojekt im Oberallgäu nicht die andernorts übliche Ablehnung, sondern ein „gutes Miteinander“ erfahre. „Es ist ein Vergnügen, hier zu arbeiten.“ Aus langjähriger Erfahrung wisse er, dass Konfliktlösungen nur möglich seien, wenn alle daran mittragen - aus Überzeugung. Hierzu gehöre auch eine Schulung der Jagdgenossenschaften. Gut im Plan liegen die Jäger beim Rehwildabschuss, der im Vorjahr auf Dreijahresbasis festgelegt wurde. Für das Jagdjahr 2010 sind 3394 Abschüsse der Hegegemeinschaft Nord belegt, was 110 Prozent des Jahressolls entspricht. Im Gebiet der Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen betrug die Strecke 2475 Stück, was 122 Prozent bedeutet. „Sehr beachtlich“, lobt Eichbauer die Jäger im Landkreis, die bereit seien mitzuziehen. „Rehwild muss weiterhin scharf bejagt werden, um sich die hohen Rotwildbestände erlauben zu können“, so Eichbauer weiter. Reh- und Gemswild sei nun einmal der „Hauptverbeißer“ und Knackpunkt bei der angestrebten Waldverjüngung, wie es das so genannte Vegetationsgutachten belege. Das Abschusssoll war im Vorjahr sowohl im Norden als auch für den Süden des Landkreises deutlich angehoben worden.

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