Bauern auf den Barrikaden

Sonthofen - Die Allgäuer Bauern machen mobil: Mit einem Molkerei-Aktionstag machte der Bundesverband der Deutschen Milchviehhalter BDM auf die dramatische Situation auf dem Milchmarkt aufmerksam. In Sonthofen beteiligten sich knapp 500 Landwirte aus dem Oberallgäu an einer Fackel-Demonstration vor dem „Milchwerk“ in Sonthofen. In einer Resolution fordert der BDM einen „Milchkrisengipfel“ unter der Regie von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

In der einsetzenden Dämmerung beschrieb Marianne Wirth vom BDM-Kreisteam Oberallgäu die Lage der Milchbauern sehr deutlich: So wie es um die demonstrierenden Bauern auf dem Hof der Allgäuland Käsereien in Sonthofen dunkler würde, lasse sich die Zukunft der Bauern in der Region beschreiben. „Wenn nicht bald etwas geschieht, um den Milchviehhaltern einen fairen Preis für ihr Produkt Milch zu sichern, werden in vielen Ställen die Lichter ausgehen. Und zwar für immer.“ So weit wollen es die Milchbauern unter dem Dach des BDM nicht kampflos kommen lassen. Ein „Milchkrisengipfel“ müsse stattfinden. Die dramatische Talfahrt des Milchpreises müsse „Chefsache“ der Bundespolitik werden, fordert der BDM in einer Resolution, die dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Allgäuland Käsereien GmbH, Heinz Lipp, übergeben wurde. Der erste „Milchgipfel“ nach dem Lieferboykott im Juni des Vorjahres habe nichts gebracht, so Mathias Schütz vom BDM Lindau/Westallgäu. Seit fast einem Jahr sei der Milchpreis im Sinkflug und habe inzwischen ein Niveau erreicht, dass keinem bäuerlichen Milchviehbetrieb die Existenz sichere. Der Handel führe mit billigen Milchprodukten einen Preiskrieg - auf Kosten der Bauern, die zu Lieferanten eine billigen Rohstoff degradiert würden. Von gerade mal 25 Cent pro Kilogramm Milch könne kein Hof leben, geschweige denn seine Zukunft sichern. „Wenn nicht umgehend ohne Scheuklappen gehandelt wird, werden zehntausende Arbeitsplätze in der Milchviehhaltung unwiederbringlich vernichtet“, so Schütz in seiner Rede vor den 500 Demonstranten vor dem Milchwerk. Weitere zehntausend Arbeitsplätze seien in Molkereien und im Handel gefährdet. Die Bauern, so Schütz, seien bereit zu einem Dialog mit allen Milchmarktakteuren. Die Lösungsvorschläge des BDM seien allen Beteiligten längst bekannt. Für notwendig hält der BDM in erster Linie ein Steuerungsinstrument für den Milchmarkt. Da eine schnelle Erholung der Nachfrage wohl nicht in Sicht sei, müssten jetzt unverzüglich Schritte folgen, die die Milchmenge verringerten. Sonst käme es zu einem „unkontrollierten Wegbruch“ vieler Milcherzeugerbetriebe. Die Milcherzeuger müssten endlich als Geschäfts-partner anerkannt werden, nicht als billige Rohstofflieferanten. Josef Zengerle vom Milchwirtschaftlichen Verein im Allgäu, und Ofterschwangs Bürgermeister Alois Ried forderten von der Bundesregierung ähnliche Anstrengungen wie bei der Hilfe für Autokonzerne und marode Banken. „Wenn die Bauern in der Region sterben, sterben auch die Metzger, Bäcker und die Molkereien“, sagte Ried. Die Region sei vom Tourismus geprägt, so Ried, und der Tourismus im Allgäu stehe und falle mit der Kulturlandschaft, die von der bäuerlichen Landwirtschaft sichergestellt würde.

Auch interessant

Meistgelesen

Mächtig was los beim Stadtfest Sonthofen
Mächtig was los beim Stadtfest Sonthofen
Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Keine 50-Millionen-WM für Oberstdorf
Keine 50-Millionen-WM für Oberstdorf
Gemeindefest als Lutherfest in Oberstaufen
Gemeindefest als Lutherfest in Oberstaufen

Kommentare