Allgäuer Bauern sind sauer

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Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (links) versuchte, den „Knoten der Unvernunft“ zu durchtrennen. Foto: Josef Gutsmiedl

Bayerns Umweltminister und der "Knoten der Unvernunft"

Auch im Allgäu drückt die Bauern der Schuh. Vom Milchpreis ist zwar nicht viel zu hören, doch die Debatte über die Dünge-Verordnung sorgt ebenso für Unmut bei den Landwirten, wie der dramatische Einbruch bei der Vermarktung von Kälbern. Dazu das „Kleingedruckte“ beim neuen Artenschutz-Gesetz der Staatsregierung. Bayerns Umweltminister, zuständig für viele Bereiche, die den Verbraucherschutz und auch die Landwirtschaft betreffen, stand auf Einladung der Freien Wähler und ihrer Allgäuer Europaabgeordneten Ulrike Müller in Sonthofen Rede und Antwort. Den präsentierten „Knoten der Unvernunft“ konnte Thorsten Glauber jedoch nicht an Ort und Stelle durchtrennen. Und: Nicht alles „Gift“ für die Landwirtschaft komme aus Brüssel; oftmals seien es Bundes-Initiativen, die die Dinge zuspitzten und für weitere Regelementierung sorgten.

Als Staatsminister habe er die aufgeheizte Stimmung unter den Landwirten oft genug hautnah erlebt, so Thorsten Glauber. Gerade junge Leute forderten Lösungen ein. Die idealisierten Darstellungen der Landwirtschaft auf Messen taugten nicht, den bäuerlichen Alltag widerzugeben. Er, Glauber, vermisse die Wertschätzung der Arbeit der Bauern ebenso wie die Wertschätzung hochwertiger Lebensmittel. „Hauptsache , billig – das ruiniert unseren Mittelstand und die Landwirtschaft!“

Der Slogan „Rettet die Bienen!“ müsse einhergehen mit dem „Weg mit Geiz ist geil!“, ergänzte der Staatsminister. Wer das nicht hören und begreifen wolle, hätte das Artenschutz-Begehren nicht unterschreiben dürfen. Ein Gesetz sei entstanden, das „im Ansatz richtig, in der Praxis aber hochproblematisch“ sei, so Glauber, der das Volksbegehren selbst nicht unterschrieben habe. Artenschutz und Kulturlandschaft gebe es nicht zum Nulltarif. Für jede Einschränkung in der Bewirtschaftung müsse es einen Ausgleich geben. „Es ist unsere Aufgabe, die Bürger zu erreichen, die das alles nicht wissen!“

Mit dem Schlagwort „Tierwohl“ zu pokern, sei nicht die Nische, gab Glauber weiter zu bedenken. „Das wird eingefordert und zur Pflichtaufgabe.“ Gerade in diesem Punkt dürfe man die Bauern nicht allein lassen, sondern Beratungsangebote schaffen, das die Veterinärbehörde mit den örtlichen Tierärzten sicherstellen sollten. Man müsse auch überlegen, ob man nicht an eine Form der „Land-Tierarztbindung“ für Studienabgänger denken könne.

„Viele Dinge sind in den vergangenen Jahren liegengeblieben“, kritisierte Thorsten Glauber, der seit gut einem Jahr an der Spitze des Umweltministeriums steht. „Sauber danebengelangt“ habe die Bundesregierung bei der neuen Dünge-Verordnung. Selbst wenn man jetzt die Zahl der Messpunkte auf 1 500 in Bayern erhöhe, messe man vielerorts nichts anderes als „altes Wasser“, das seit 30 oder 40 Jahren in der Tiefe liege. „Das sagt nichts über derzeitigen Bewirtschaftungsformen aus!“, kritisiert Glauber. „Und ich soll die Suppe auslöffeln.“ Ähnlich verfahren sei die Situation bei den Tiertransporten, speziell den Kälbertransporten, griff der Staatsminister einen weiteren Punkt auf dem Plakat der protestierenden Bauern auf. Um die verschärften Regelungben komme man „nicht irgendwie herum, das sind Gesetze“. Derzeit laufe ein „bayerischer Weg“ an, bei dem Transportfahrzeuge beschafft werden, die den Vorschriften für Tiertransporte entsprächen. „Sonst kommt wieder eine Diskussion...“

Die lange Talsohle bei der Kälbervermarktung monierte der Geschäftsführer der Allgäuer Herdebuchgesellschaft AHG, Norbert Meggle: „Wir müssen endlich Gesetze und Praxis unter einen Hut bringen!“ Das gelte für den Umgang mit der Blauzungenkrankheit und den eigerichteten Restriktionszonen ebenso wie für die zugelassenen Transportfahrzeuge. Den Schaden wegen des Transportstopps seit vergangenen Mai beziffert er auf bislang fast 7 Millionen Euro allein im Allgäu. „Durch Nichthandeln! Auch in Ihrem Ministerium!“ Jede Woche werde Geld kaputt gemacht, drängte Meggle auf eine schnelle Lösung. Die Allgäuer Milchviehbetriebe seien auf einen verlässlichen Kälberabsatz angewiesen. Man überlege sogar, regionale Mastbetriebe einzurichten, um die Situation zu verbessern.

Stichwort Tierwohl: Unser System der Überwachung funktioniert“, betonte der Präsident des Bauernverbandes / Schwaben, Alfred Enderle. Keiner könne tun was er wolle in der „sehr engmaschigen Überwachung“.Und der Chef der Veterinärbehörde im Oberallgäu, Dr. Thomas Brunner, erkennt zum Teil „schwache Mittel der Behörde“. Die betroffenen Landwirte sähen sich mit den Problemen und Schwierigkeiten oft alleingelassen, finanziell, fachlich und psychisch überfordert.

„Wenn die Erzeugerpreise nicht stimmen, hören immer mehr Bauern auf!“, brachte Herbert Dinser, Milchviehhalter aus Weitnau, seine Stimmung auf den Punkt. Da und dort „ein Zuckerl“ zu verteilen, ändere nichts an den Problemen. Er selbst werde wohl auch nicht mehr lange durchhalten. Man müsse laufend viel Geld investieren und werde gängelt. „So gerne ich Bauer bin, das macht keine Freude...“

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