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Bauernverband sieht Alpwirtschaft durch den Wolf in Gefahr

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Von: Selma Höfer

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Der Wolf soll laut dem Bayerischen Bauernverband aus dem Alpenraum verschwinden. Foto: © Symbolfoto © mario_plechaty_photography

Pfronten – Da die Zahl der Wölfe im Alpenraum immer weiter steigt, fordern Vertreter des Bayerischen Bauernverbands eine Lockerung des Schutzstatus.

Alle Kreisobmänner und Kreisbäuerinnen der Alpenlandkreise unterzeichneten dafür den Brandbrief, den BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler an Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) verfasste. Was sie genau fordern, das erklärten jetzt BBV-Geschäftsführer Thomas Kölbl (Geschäftsstelle Kaufbeuren–Landsberg) und BBV-Kreisobmann Andreas Schmid in Pfronten.

Aktuell leben schätzungsweise 2 000 bis 3 000 Wölfe in Deutschland, sagte Schmid. „Diese Population erhöht sich jedes Jahr um 30 Prozent“, ergänzte Kölbl. Und das bedeute, dass nicht nur die Zahl der Risse ansteige, sondern auch die der Tiere, die durch das Raubtier schwer verletzt und deshalb erlöst werden müssen. „Zudem werden die Tiere durch Angriffe traumatisiert. Auch kommt es zu schweren Verletzungen durch Panikreaktionen in einer Herde“, berichtete er. Immer wieder würden die BBV-Mitglieder des Alpenraums Oberbayern und Schwaben, des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern und des Alpenwirtschaftlichen Vereins Allgäu auf politischer Ebene ansprechen, welche Sorgen die Tierbesitzer wegen der ansteigenden Wolfspopulation in den Alpenregionen haben. „Doch es passiert einfach nichts“, berichtete Schmid.

Verzweiflung unter Almbauern

Wir haben verzweifelte Almbauern. Das Thema ist hochemotional“, fügte Kreisbäuerin Karina Fischer hinzu. Deshalb luden sie kürzlich zur Ortsbegehung den Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke (CSU) und den Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl (Freie Wähler) ein. Am Beispiel einer Viehweide am Fuße des Kienbergs sollten sich die beiden ein Bild davon machen, dass die empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Zäune und Herdenschutzhunde insbesondere in der Berglandwirtschaft nicht umsetzbar sind.

Eine Forderung im Brandbrief ist, alle „nicht zumutbar zäunbaren Gebiete für ganz Bayern durch einen digitalen Verschnitt“ auszuweisen. Die Empfehlung seitens der Regierung sei, 1,2 bis 1,3 Meter hohe Schutzzäune um die Weiden zu errichten. „Das interessiert den Wolf aber nicht“, sagte Schmid, die Zäune seien so nicht hoch genug. „Es gibt keine Herdenschutzmaßnahmen, die noch nicht vom Wolf überwunden wurden.“

Davon abgesehen sei es aufgrund des felsigen Untergrunds und der steilen Hänge schlicht nicht möglich, die Almwiesen und ­Alpbewirtschaftung mit Zäunen zu umschließen. Außerdem würden dadurch unzählige Wanderwege beeinträchtigt und es entstünde ein „Tierparkcharakter“. Mit Toren zu arbeiten berge zudem ein hohes Risiko und würde bedeuten, dass die Zäune täglich kontrolliert werden müssen. „Allein das Almgebiet um Pfronten misst rund 900 Hektar“, gab Landwirtin Monika Babel zu bedenken.

Herdenschutzhunde unterscheiden nicht

Eine weitere Empfehlung sind Herdenschutzhunde. Doch für die BBV-Vertreter ist das auch keine Lösung. Die Schutzhunde benötigen nicht nur eine besondere Ausbildung, sondern hätten auch einen enormen Schutztrieb. Träfe ein solcher Hund auf einen Wolf, so Kölbl, gebe das ein Gemetzel. „Herdenschutzhunde machen keinen Unterschied zwischen Wolf, Wanderer oder Landwirt“, warnte Schmid. In der Schweiz gebe es jährlich rund 300 Übergriffe solcher Hunde auf Menschen, sagte Schmid.

Alleine für den Raum Garmisch wären laut Fischer rund 50 solcher Hunde notwendig, um einen adäquaten Schutzstatus zu erreichen. „Wer soll auf diese Hunde achten?“

Wolf in den Alpen
Auf einer Viehweide am Fuße des Kienbergs in Pfronten machen Karina Fischer (2. v. l.), BBV Kreisbäuerin, und Ostallgäus BBV Kreisobmann Andreas Schmid (r.) CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke (2. v. r.), und Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl (l.) (Freie Wähler), deutlich, dass es in den Alpen nicht möglich ist, Wiesen zu umzäunen. © Selma Höfer

In seinem Brandbrief fordert der Bauernverband zudem, dass schneller Proben von gerissenen Tieren entnommen werden. Dazu sei es nötig, dass auch ansässige Veterinäre diese Aufgabe übernehmen dürfen. Diese könnten sich dann gleich auch um die Tiere kümmern, die gerissen oder angegriffen wurden. Denn häufig leben diese noch und leiden. Aktuell dürfen nur Mitarbeiter des Landesamts für Umwelt (LfU) derartige Proben entnehmen. Doch bis die vor Ort seien, würden häufig Tage vergehen. In dieser Zeit könnten andere Tiere die Spuren zerstören, erläuterte Schmid. Bis dann die Laborergebnisse vorliegen, könne es leicht noch einmal acht Wochen dauern. Denn bisher darf nur das Labor des Senckenberg Forschungsinstituts diese bearbeiten. Der Wolf hat also viel Zeit, um weiter zu ziehen. „Man bedenke, dass ein solches Tier in nur einer Nacht gut und gerne 50 Kilometer zurücklegt“, warf Fischer ein.

Alpwirtschaft in Gefahr

Der Schutzstatus des Wolfes müsse gesenkt werden, forderte Schmid. Auffällige Tiere müssten sofort entnommen werden dürfen, also zum Abschuss freigegeben sein. Dazu bräuchten die Jäger Rechtssicherheit. „Der Bevölkerung muss bewusst werden, was mit den Wölfen auf sie zukommt“, kam Karina Fischer zudem auf den Tourismus zu sprechen. „Artenvielfalt ja. Es geht aber um den Erhalt der Almwirtschaft“, erinnert sie daran, dass in Garmisch wegen der Wolfsrisse die Weidetiere heuer vorzeitig abgetrieben wurden. Denn wenn die Wolfspopulation wächst und die Bauern ihr Vieh in Gefahr sehen, sei die Konsequenz, dass die Tiere im Stall bleiben, sagte Fischer. Die Alpwirtschaft wäre am Ende. „Das kann nicht unser Ziel sein.“ Auch gehe damit ein natürlicher Lawinenschutz verloren, die Flächen würden verbuschen. Im Tal hätten die Landwirte dagegen nicht mehr die Möglichkeit, genug Futter für den Winter zu gewinnen. Auch der Tourismus sei stark bedroht.

„Der Wolf wird sich auch nicht nur in den Bergen bewegen. Er folgt dem Futter. Kommt er ins Flachland, was machen wir dann?“, gab Kreisobmann Schmid zu bedenken. Der BBV-Geschäftsführer betonte: „Eine Koexistenz zwischen Wolf und Alpwirtschaft kann es nicht geben.“

Schutzstatus senken — Politiker wollen helfen

Dem pflichtete der Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke bei: „Ich unterstreiche die Befürchtungen und Ängste der Bergbauern. Die Alpenregion muss wolfsfrei werden.“ Der Schutzstatus des Wolfs müsse gelockert werden. Und nicht nur das: Auch das Europäische Gesetz zu ändern, sei dann nötig, betonte der Abgeordnete. Tirol, Bayern, die Schweiz und Italien müssten zusammenarbeiten.

Der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl stimmte dem zu. Nur durch eine Änderung der europäischen Richtlinien und einen engen Schulterschluss der betroffenen Länder sei es machbar, die Alpen vom Wolf freizuhalten. „Das Problem muss hier im Sinne der Landwirtschaft gelöst werden“, forderte Pohl. Beide Politiker sagten zu, das Thema mit nach Berlin und nach München zu nehmen und aufzugreifen.

Die Forderungen des Brandbriefs

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