Juwelen im Strausbergmoos

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Kilian Rist (Mitte) erläuterte Staatsminister Marcel Huber (von rechts) und dem Vorsitzenden des Landschaftspfegeverbandes, Herbert Seger, den Einsatz von Spezialmaschinen bei der Streuweisenmahd; links im Bild Landrat Toni Klotz und Gesachäftsführer Stefan Pscherer.

Sonthofen – Einen eigenen Eindruck, was mit den Mitteln des Freistaats Bayern und der EU für den Moorschutz getan wird, verschaffte sich vergangene Woche Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber im Strausbergmoos bei Sonthofen. Auf einer Fläche von rund 70 Hektar läuft hier das erste bayerische Moor-Renaturierungsprojekt in den alpinen Hochlagen.

„Die Moor-Renaturierung braucht viele Akteure, die hier im Oberallgäu hervorragend zusammenarbeiten“, fasste der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz die Arbeit des Landschaftspflegeverbandes Oberallgäu-Kempten zusammen. Die Fördermittel aus München und Brüssel seien hier gut abgelegt. „Es wurde schon viel gemacht – es steht noch viel an.“

Weiter ins Detail ging der Geschäftsführer des Verbands, Stefan Pscherer, als er bei einer fast zweistündigen Wanderung Umweltminister Dr. Marcel Huber das Strausbergmoos vorstellt. „Das ist die Champions-League“, schwärm-te er und verwies auf die typischen Pflanzen- und Tierarten, die sich hier wie sonst kaum wo finden: Seggen und Moose, Libellen, Schmetterlinge... Unter dem Einfluss geologischer, hydrologischer und klimatischer Faktoren sind im Strausbergmoos auf kleinem Raum sehr unterschiedliche Vegetations- und Nutzungsformen entstanden. Viele „Überbleibsel“ der letzten Eiszeit hätten hier einen der letzten Lebensräume, so Pscherer über das „Juwel Strausbergmoos“. Diese Qualität wurde durch die traditionelle bäuerliche Landwirtschaft zumTeil noch verstärkt und somit die Artenvielfalt weiter erhöht. „Eine spannende Geschichte“, so Stefan Pscherer.

Für den Landschaftspflegeverband ist das Projekt Strausbergmoos einer der „dicksten Brocken“. In einem ersten Paket wurde vor zwei Jahren bereits die Sohle des Löwenbachs konsolidiert, da große Teile des Moorbereiches abzurutschen drohten. Mit 800 Tonnen Gesteinsmaterial wurde die Sohle des Baches angehoben. Kosten: rund 80 000 Euro. Dabei arbeitete die Spezialfirma so umsichtig und schonend, dass nach der aufwändigen Aktion „so gut wie keine Spuren“ zu sehen waren.

Nach einer „Pause“ läuft jetzt das zweite Maßnahmenpaket mit Erstmahd und Entbuschung vonStreuwiesen, Befestigung eines Zufahrtsweges und Schaffung von Korridoren für Tierarten. Dafür sind rund 75 000 Euro im Haushalt des Landschaftspflegeverbandes eingestellt. Mit dem aktuellen Kimaprogramm fahre man gut, so Pscherer, der die „erfreulich bescheidene Bürokratie“ dabei lobte. Immerhin koste die Erstpflege eines Hektars Streuwiese je nach Zustand und Gelände bis zu 2000 Euro; vor allem Entbuschungen seien teure Aktionen.

Staatsminister Huber zeigte sich beeindruckt von den Projekten und der Arbeit des Landschaftspflegeverbandes. „Schee is bei Eich“ hatte Huber zu Beginn der Exkursion ins Strausbergmoos pauschal festgestellt. Er wollte die Reise ins Oberallgäu nicht nur als „angenehmen Termin“ verstanden wissen. Vielmehr sei es ihm wichtig, auf die herausragenden Leistungen hinzuweisen, die hier vor Ort erbracht würden, lobte er die Arbeit der Akteure. „Ein Musterbeispiel für die hervorragende Zusammenarbeit von Gemeinden, Behörden und dem Landschaftspflegeverband.“

Huber machte eine „Win-win-win-Situation“ aus: der Erhalt von Mooren wie hier dem Starusbergmoos, sichere Lebensräume bedrohter Arten, diene dem Klimaschutz und sichere nicht zuletzt eine wesentliche Grundlage des Tourismus – die schöne Landschaft an sich.

Als gute Nachricht konnte Huber überbringen, dass die EU die Moorschutz-Projekte in Bayern mit 12 Millionen Euro unterstützen werde. In das Projekt Strausbergmoos investiere der Freistaat Bayern rund 180 000 Euro. Um die zahlreichen Blumenwiesen am Strausberg zu erhalten, werden diese im Rahmen des Vertragsnaturschutz-Programmes naturschonend bewirtschaftet; dafür stellt das Bayerische Umweltministerium jährlich rund 10 000 Euro zu Verfügung.

Josef Gutsmiedl

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