Riedberger Horn: Neue Proteste gegen Liftpläne

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Der Landesbund für Vogelschutz LBV will den Liftverbund am Riedbergerhorn verhindern. Die Befürworter des Projektes sprechen von „irreführender Fragestellung“.

Obermaiselstein – Neuen Schwung in den Widerstand gegen den geplanten Liftverbund für die Skigebiete Balderschwang und Grasgehren bringen die Grünen, die SPD und der Landesbund für Vogelschutz LBV: Sie alle fordern die Bayerische Staatsregierung auf, das umstrittene Projekt zu stoppen.

Anlass ist eine Umfrage des LBV in der sich eine breite Mehrheit von mehr als 1000 Befragten gegen den Liftverbund ausspricht. „Irreführend“ sei die Befragung und die daraus abgeleitete Forderung nach einem Stopp aller Planungen, kontern die Projektbefürworter. Und ein Rechtsgutachten schürt Zweifel an der rechtmäßigen Entscheidung des Obermaiselsteiner Gemeinderats.

Von einer „Politik gegen die Menschen“ spricht der Oberallgäuer Landtagsabgeordnete der Grünen, Thomas Gehring. Das CSU-Kabinett treibe ungeachtet einer aktuellen Umfrage im Auftrag des Landesbundes für Vogelschutz „dieses naturzerstörerische Projekt“ voran.

Der Umfrage zufolge spreche sich eine deutliche Mehrheit von 80 Prozent der befragten Bayern gegen die neue Skiliftpläne aus, folgert der LBV. Sogar mehr als 90 Prozent seien gegen Ausnahmen bei den Regelungen des Alpenplans, unterstreicht der Naturschutzverband in einer Pressemitteilung zu der Umfrage (durchgeführt von TNS Emnid bei 1004 Personen in Bayern / Ergebnisse unter www.lbv.de/alpen-umfrage).

„Abenteuerlich ist es, dass Seehofer, Söder & Co. dem Vorhaben noch eine scheindemokratische Legitimation geben wollten, indem sie in letzter Konsequenz Liftbaugesellschafter und Hotelbetreiber über ein Liftprojekt befragt haben“, kritisiert Gehring die Bürgerentscheide in Obermaiselstein und Balderschwang im vergangenen Herbst. So verliere Politik vollends ihre Glaubwürigkeit. Gehring: „Dieses Projekt muss unverzüglich gestoppt werden!“

Die Grünen fühlen sich durch die Umfrageergebnisse in ihrer Haltung gegen eine staatliche Förderung zusätzlicher Wintersporteinrichtungen bestätigt. Gehring: „Der Staat soll Landschafts- und Naturschutz fördern und nicht eine Kunstschnee-Pistengaudi!“

Auch die bayerische SPD leitet aus der Umfrage eine fällige Wende der CSU-Staatsregierung ab. Das Ergebnis der Befragung sei ein weiteres und deutliches Warnsignal für Seehofer und Söder, so die BayernSPD. „Hände weg vom Riedbergerhorn! Die Skischaukel dort wäre nur die Einladung, anderswo das Gleiche zu versuchen“, warnt SPD-Umweltpolitiker Florian von Brunn.

Wie berichtet, hatte die Bayerische Staatsregierung in Aussicht gestellt, die Schutzzone C des Alpenplans am Riedbergerhorn für das Skiliftprojekt zu verkleinern, um im Gegenzug diesen Schutzstatus auf ein benachbartes Gebiet auszuweiten. In der streng geschützten Zone C sind laut Alpenplan sämtliche Erschließungsmaßnahmen untersagt. Der LBV appelliert an die bayerischen Abgeordneten, bei der anstehenden Abstimmung im Landtag die „eindeutige Meinung der bayerischen Bevölkerung zu berücksichtigen und den Alpenplan nicht anzutasten“.

Ganz anders sieht man den jüngsten Vorstoß des LBV im Lager der Befürworter der „Skischaukel“. Ein Begriff, den Altbürgermeister Toni Vogler ohnehin für falsch hält. Bei der Fragestellung sei von einer Neuerschließung durch eine Piste mit Skischaukel in der sogenannten Ruhezone des Alpenplans die Rede. Das sei irreführend und entspreche nicht den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort, betonen die beiden Bürgermeister Peter Stehle und Konrad Kienle ebenso wie Berni Huber von der Liftgesellschaft.

„Dagegen wenden sich die Gemeinden Ofterschwang und Balderschwang entschieden“, betonen Kienle und Stehle. Bereits seit den 1960er Jahren würden in Balderschwang und in Grasgehren Skilifte betrieben und Pisten präpariert. „Von einer Neuerschließung kann daher nicht die Rede sein.“

Derzeit, so die Argumentation der beiden Bürgermeister weiter, seien in Balderschwang rund 30 Kilometer Piste ausgewiesen, in Grasgehren etwa 24 Kilometer. Die geplante „Familienabfahrt“, die hinzukommen soll, sei gerade einmal drei Kilometer lang. Daraus folgern die Bürgermeister einhellig: „Es geht also bei dem geplanten Vorhaben nicht um ein Mehr, sondern um Qualität, die durch den Zusammenschluss der Skigebiete entsteht!“ Unterm Strich ergebe sich daraus „ein sinnvoller Zusammenschluss wie er auch andernorts im Allgäu und in anderen Skiregionen der Alpen Gang und Gäbe“ sei.

Dass mit dem Projekt letztlich der Bayerische Alpenplan ins Wanken geraten könne, wie der LBV im Zusammenhang mit der Befragung andeute, sei „alles andere als seriös“. Nur 0,4 Prozent der sogenannten Zone C werde tangiert - und überdies durch die Piste nur in einem Randgebiet. Die Lifttrasse überspanne das Ruhegebiet.

Weitere Brisanz in die Diskussion über den Liftverbund bringt ein neues Rechtsgutachten, das ein Verwaltungsspezialist der Uni Regensburg vorlegt. Das Gutachten – erstellt im Auftrag mehrerer Naturschutzverbände - hält die Gemeinderatsbeschlüsse zum Ausbau für unwirksam, da fünf von neun Ratsmitgliedern in Obermaiselstein als Angehörige der Liftgesellschaft befangen gewesen seien. Laut Bayerischer Gemeindeordnung, so das Gutachten, seien die Beschlüsse unwirksam, falls die Gemeinderatsmitglieder daraus „einen unmittelbaren persönlichen Vorteil“ haben könnten.

gts

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