Beispielhafte Zusammenarbeit von Straßenbau und Wasserwirtschaft

Vier Brücken und neues Bett für die Ach

+
Das Wasser der Weiler Ach werde schon noch kommen, meinten (von links) Karl Schindele (Wasserwirtschaftsamt, Markus Kreitmeier (Staatliches Bauamt), der Landtagsabgeordnete Eric Beißwenger, die Oberallgäuer Landrätin Indra Baier-Müller, sowie Fischens Bürgermeister Bruno Sauter, Christian Kreye vom Amt für Ländliche Entwicklung in Schwaben und Pfarrer Helmut Klaubert. Im Hintergrund die neue Ach-Brücke der Bundesstraße.

Fischen – Zwei Jahre lang war Fischen-Weiler an der B 19 eine der Großbaustellen im Landkreis Oberallgäu. Jetzt konnte der Abschluss der Bauarbeiten gefeiert werden. In einem Gemeinschaftsprojekt haben das Staatliche Bauamt Kempten und das Wasserwirtschafts- amt Kempten zwei große Baustellen zusammengeführt, vier Brücken neu gebaut, sowie den Hochwasserschutz für die Ortschaft deutlich und dauerhaft verbessert. Rund 10 Millionen Euro wurden dabei investiert.

David Kempter vom Wasserwirtschaftsamt Kempten skizzierte anhand von Fotos den Bauverlauf seit dem Sommer 2018.

Knackpunkt der Baustelle war die „Lebensader des südlichen Landkreises, die B 19“, machte Markus Kreitmeier, Bereichsleiter Straßenbau am Bauamt Kempten, deutlich. Im Straßenverlauf bei Weiler war der bauliche Zustand von drei Brücken aus den 1930er Jahren mit den Noten 3,5 und schlechter bewertet worden. „In Zeugnisnoten ausgedrückt entspricht das 5 bis 6...“ erklärte Kreitmeier weiter. Zudem sollte das Wasserwirtschaftsamt an genau der zukünftigen Baustelle den Hochwasserschutz verbessern, wo die Ach in einer der Brücken die Bundesstraße unterquert. Nach intensiven Verhandlungen gelang schließlich das Kunststück, die beiden Baustellen in ein Projekt zusammenzuführen (wir berichteten). Eine aufwändige Umfahrungsstraße sorgte für einen weitgehend reibungslosen Verkehrsfluss; nur an wenigen Tagen war „alles dicht“. Um die Umfahrung zu ermöglichen, war zuvor bereits eine Brücke der Gemeinde über die Ach erneuert worden.

Selbst die heikle Frage „wer zahlt was?“ konnte einvernehmlich geklärt werden, wie der Chef des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, Karl Schindele, ergänzte. „Jeder zahlt seines.“

Die Arbeiten zum Hochwasserschutz spielten den Straßenbauern sogar in die Hände: Dank der Tieferlegung des Bachbettes und der Erweiterung der Ach-Brücke im B 19-Verlauf musste die Straße nur um einen halben Meter angehoben werden und nicht um ganz zwei Meter. Schindeles Fazit: „Wir haben eine vernünftige Lösung gefunden.“ Aus seiner Sicht könne die Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf jetzt stattfinden.

Im Zuge der Verbesserung des Hochwasserschutzes für Weiler wurde der Verlauf der Weiler Ach auf einer Strecke von rund einem Kilometer begradigt und zwei „scharfe Kurven“ beseitigt, die neben der engen Brückendurchlass bei Starkregen immer wieder Rückstaueffekte verursachten. Zudem wurden die alten Dämme erneuert und ertüchtigt. An der Abholzung der Gehölze vor dem Umbau führte zwar kein Weg vorbei, doch Karl Schindele ist sicher: „Das grüne Band wird in ein paar Jahren wieder da sein.“ Außerdem sei das Bett des Wildbaches jetzt viel naturnäher gestaltet worden und biete neue Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten. Ausgelegt wurde der Hochwasserschutz auf ein 100-jähriges Hochwasserereignis, ergänzt David Kempter vom Wasserwirtschaftsamt. Eingebaut sei aber eine „Reserve“, die auch ein 1000-jähriges Ereignis bewältigen könne.

Als Beispiel für eine „erfolgreiche, interdisziplinäre Zusammenarbeit“ bezeichnete Landrätin Indra Baier-Müller den Wurf bei Weiler. Das sei nicht üblich. Sie hoffe, dass die neue Konstruktion „auf 80 bis 90 Jahre“ tauglich sein werde. Eine gute Lösung sei damit auch für die Erreichbarkeit der Gärtnerei-Betriebe auf der Ostseite der B 19 gefunden worden.

Zufrieden mit dem Ablauf der Großbaustelle zeigt sich auch Fischens Erster Bürgermeister Bruno Sauter: „Ein rundum gelungenes Bauwerk.“ Die große Sorge, ob man den Verkehr auf der B 19 ohne Dauerstau werde um die Baustelle führen können, hätte sich nicht bestätigt. „Dank einer hervorragenden Planung und Umsetzung.“ Die beiden Behörden und die beteiligten Baufirmen hätten „beste Funktionalität und hohe Qualität“ erreicht, lobt Sauter die Akteure und dankte den Anwohnern für ihre Geduld und Mitarbeit. Er hoffe, dass der jetzt erreichte Hochwasserschutz sich niemals werde bewähren müssen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kleinwalsertal von der Deutschen Bundesregierung zum Risikogebiet erklärt
Kleinwalsertal von der Deutschen Bundesregierung zum Risikogebiet erklärt
Corona-Virus: Aktuell sind 30 Personen im Oberallgäu und Kempten infiziert
Corona-Virus: Aktuell sind 30 Personen im Oberallgäu und Kempten infiziert
Corona "Drive-In" in Sonthofen und Kempten öffnen wieder
Corona "Drive-In" in Sonthofen und Kempten öffnen wieder

Kommentare