Bio-Bauer Beißwenger: Vom Bergdorf Unterjoch in den Landtag

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Judith und Eric Beißwenger müssen ihre Lebensmodell mit dem Politikeralltag unter einen Hut bringen. Das Schwein soll die „Neuordnung“ überleben.

Unterjoch – Allgäuer Landwirte im Bayerischen Landtag sind „eine Macht“. Seit den vergangenen Landtagswahlen sitzt mit dem Unterjöchler Bio-Bauern Eric Beißwenger ein weiterer Landwirt aus dem Oberallgäu im Parlament.

Insgesamt sind es jetzt vier Abgeordnete aus der Region, die für bäuerliche Interessen „stehen“ und diese politisch vertreten wollen. Kommunalpolitische Erfahrung als Gemeinderat brachte Beißwenger zwar mit, doch bei den ersten Schritten auf dem politischen Parkett in München hatte der „Bauer aus den Bergen“ Herzklopfen. 

„Unser Lebensmodell wird so bleiben, wie wir es uns angelegt haben“, betonen Judith und Eric Beißwenger wie aus einem Mund. Seit der Landtagswahl sind gerade einmal sechs Wochen vergangen: Eric Beißwenger trat auf Platz 108 auf der CSU-Liste an – und wurde in den Bayerischen Landtag gewählt. Eine neue, zusätzliche Rolle, neue Aufgaben. 

Die junge Landwirtsfamilie Beißwenger empfindet das durchaus als Einschnitt in die persönliche Lebensplanung. Es werde sich einiges ändern auf dem 400 Jahre alten „Hoiser“-Hof, mit der kleinen Gastronomie, mit der Alpe. Aber umgestoßen werde nichts, versichern Judith und Eric Beißwenger am heimischen Küchentisch: „Das Modell, das wir in 16 Jahren aufgebaut haben, soll auch ein Modell für unsere 12- und 14-jährigen Söhne sein.“ 

Den „ersten Schultag“, seinen ersten Tag als neuer Abgeordneter, als MdL, hat der Bauer aus den Allgäuer Bergen gut überstanden. Da ging es dem „neuen“ Oberallgäuer Landtagsabgeordneten, Eric Beißwenger aus Unterjoch im Landkreis Oberallgäu offenbar nicht viel anders als dem Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer bei der ersten Plenarsitzung des neu gewählten Landtags. In der Fraktion sei er übrigens sehr freundschaftlich und kollegial aufgenommen worden. 

Ganz „neu“ im Politikgeschäft sind die beiden CSU-Abgeordneten nicht – für den 41-jährigen Bio-Landwirt und Kommunalpolitiker aus Unterjoch war die „Premiere“ doch eine Nummer beeindruckender, selbst wenn er genau wie Seehofer übrigens vor wenigen Wochen zum ersten Mal in den Landtag gewählt wurde. Beißwenger will nach der „Mammutaufgabe Wahlkampf“ erst einmal lernen und sehen wo’s lang geht im Landtag. Und natürlich die bäuerliche Landwirtschaft, Mittelstand, Tourismus und das Allgäu vertreten. 

Ganz überraschend kam der Sprung ins Parlament nicht. Beißwengers konnten die Weichen stellen und Vieles regeln und in neue Bahnen lenken, bevor es Ernst wurde mit „dem Landtag“. Die Arbeit auf dem Hof wurde schon zu Beginn der Wahlkampfzeit neu organisiert. Dank einer Kooperation mit einem Nachbarn wurde die klassische Feldarbeit im Sommer bewältigt. Das Alpvieh ist Pensionsvieh und gehört dem Nachbarn, der im Gegenzug die „grobe“ Feldarbeit draußen und im Stall mit erledigt. Und ein paar Rinder und Zuchtsauen weniger reichen auch, meinen Beißwengers, die alles selbst vermarkten, was der Hof so zu bieten hat. Aufgeben will die Familie den Betrieb und den „Arche-Hof“ nicht. „Reduzieren da und dort, ja – aber ich will mich und meine Familie nicht von einer politischen Karriere abhängig machen.“ 

Gelegenheit zu üben für die Zeit nach einer erfolgreichen Kandidatur hatten Beißwengers ohnehin schon. „Ich war in den vergangenen Monaten ja fast jeden Tag von morgens um 7 Uhr bis spät in die Nacht hinein unterwegs im Wahlkreis“, deutet Beißwenger an, dass es wohl kaum dicker kommen werde für einen Landtagsabgeordneten. Dank der guten Zusammenarbeit und Organisation sei alles gut gelaufen daheim in Hof und Stall. 

Ein Büro in der Landeshauptstadt hat er noch nicht. Er will erst einmal eine Zeitlang zwischen Unterjoch und München pendeln. Aber auf lange Sicht werde das nicht gehen und er eine Schlafgelegenheit in München brauchen, meint der junge Abgeordnete. Einfach mal Sitzungen sausen lassen, komme auf Dauer teuer: die Fraktion verdonnere „Schwänzer“ zu Bußgeldern in Höhe von 50 bis 200 Euro, weiß Beißwenger bereits. Für wichtiger als die Unterkunft in München hält Beißwenger aber seine Präsenz im Wahlkreis, in der heimatlichen Region. Ein Abgeordnetenbüro der CSU in Kempten werde er wohl mit benutzen können. 

Was macht ein Allgäuer Bauer im Landtag? „Eintreten für eine bäuerlich geprägte Landwirtschaft“, betont Eric Beißwenger knapp. Der gelernter Banker ist mit wirtschaftlichen Zusammenhängen bestens vertraut. Es seien letztlich die Bauern, die die sozialen Strukturen im ländlichen Raum erhielten und mit Leben erfüllten. Am Milchpreis werde die Politik wohl nichts ändern. „Das muss der Markt regeln.“ Es dürfe keinen Grabenkrieg zwischen konventioneller Landwirtschaft und Bio-Bauern geben. Der Markt biete Platz und Möglichkeiten für beide Schienen. So entlaste die Bio-Ware den Markt für „normale“ landwirtschaftliche Produkte. Ein Sitz im Landwirtschaftsausschuss sei ein guter Einstieg in die Landtagsarbeit. 

 Landwirtschaft, Mittelstand, Tourismus – drei Säulen, die Beißwenger als Fundament für die Zukunft des ländlichen Raums im Allgäu sieht. Beißwenger erinnert an sein Motto im Wahlkampf: „Wir müssen sehen, dass wir Dinge, die für unsere Region wichtig sind auch an der höchsten Stelle in Bayern anbringen können.“ Wie es in Berlin, in der Bundespolitik, weiter gehe, spiele natürlich auch eine wichtige Rolle, gerade im Hinblick auf die Landwirtschaft.

Josef Gutsmiedl

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