Entlastung für Notaufnahmen

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In Immenstadt bewährt sich die Zusammenarbeit mit der KV-Notfallpraxis längst.

Rund ein Jahr gibt es im Allgäu das Pilotprojekt der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) für den Bereitschaftsdienst mit den Bereitschaftspraxen Kempten und Füssen. Ergänzt werden diese von der Praxis an der Klinik Immenstadt und mehreren privat betriebenen Bereitschafts­praxen.

Die Praxen sind Anlaufstelle für Patienten, die außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten medizinischer Hilfe benötigen. Zusätzlich gibt es einen von der KVB organisierten Fahrdienst, der die medizinisch notwendigen Hausbesuche in der Region durchführt.

Während der Pilotphase wurde von der KVB kontinuierlich evaluiert, inwiefern die Neustrukturierung des Bereitschaftsdienstes zu Verbesserungen für Patienten, Ärzte und den beteiligten Kliniken geführt hat. Die Ergebnisse sind durchweg positiv. Von der Bevölkerung wurden die KVB-Bereitschafts­praxen gut angenommen. Insgesamt wurden von Juli bis Dezember 2016 rund 7 000 Patienten behandelt. Damit sind die Kapazitäten noch längst nicht ausgelastet – es könnten noch mehr Patienten versorgt werden. Außerdem wurden rund 3 400 medizinisch notwendige Hausbesuche durchgeführt.

Für die niedergelassenen Ärzte in der Region gab spürbare Erleichterungen. So sank deren Dienstbelastung im Bereitschaftsdienst von durchschnittlich 257 Stunden auf durchschnittlich 63 Stunden jährlich. Dadurch soll die Attraktivität der Niederlassung in eigener Praxis gesteigert und dem Ärztemangel auf dem Land vorgebeugt werden. Zusätzlich unterstützt werden die Niedergelassenen in der Pilotregion von sogenannten „Poolärzten“. Dies sind Ärzte, die selbst nicht niedergelassen sind und dadurch nicht zum Bereitschaftsdienst verpflichtet wären, aber die Dienste freiwillig übernehmen und dazu beitragen, die Last auf mehr Schultern zu verteilen. Insgesamt haben die „Poolärzte“ durchschnittlich 15 Prozent der Dienststunden übernommen und somit die niedergelassenen Vertragsärzte deutlich entlastet. Durch das Pilotprojekt der KVB wurde auch die Sicherheit der Ärzte bei der Durchführung von Hausbesuchen erhöht. So müssen die Ärzte nicht mehr selbst am Steuer sitzen und können darüber hinaus von medizinisch geschulten Fahrern bei ihren Hausbesuchen unterstützt werden.

Für die Kliniken haben sich durch die Gründung der Bereitschaftspraxen ebenfalls Vorteile ergeben. Die KVB-Bereitschafts­praxis an der Klinik Füssen wird von den Patienten sehr gut angenommen und stellt eine Ergänzung zum Notfallzentrum der Klinik dar. Die Patienten sind froh, wenn sie für Erkrankungen außerhalb der Sprechzeiten eine Anlaufstelle haben und zur Abklärung ihrer Beschwerden einfach ins Krankenhaus kommen können. Bei ernsthaft erkrankten Patienten kann sofort die komplette Infrastruktur der Klinik in Anspruch genommen und der Patient der stationären Versorgung zugeführt werden. Von kurzen Wegen und einem damit einhergehenden unkomplizierten, kollegialen und gut funktionierenden Austausch zwischen Bereitschaftspraxis und Klinik profitieren Arzt und Patient, ganz abgesehen von einer Entlastung des Notfallzentrums.

Dies trifft ebenfalls auf die Bereitschaftspraxen am Klinikum Kempten sowie in der Klinik Immenstadt zu. Dank der erfahrenen Ärzte vor Ort verzeichnen die Notaufnahmen des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu eine spürbare Entlastung. In der Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme (ZINA) am Klinikum Kempten ist die Zahl der ambulanten Patienten seit Einführung der KVB Praxis deutlich gesunken. Darüber hinaus gibt es am Klinikum Kempten auch einen Kinder- und Jugendärztlichen Notdienst. An der Zentralen Notaufnahme Immenstadt (ZNA) bewährt sich die Zusammenarbeit mit der KV-Notfallpraxis bereits seit Jahren.

In Bayern sind rund 23 000 Haus- und Fachärzte zum Bereitschaftsdienst verpflichtet. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst ist nachts, an Wochenenden und Feiertagen für Patienten da, die nicht lebensbedrohlich erkrankt sind, deren Behandlung jedoch nicht bis zur nächsten regulären Sprechstunde warten kann. Ziel ist in erster Linie, den Patienten so weit zu versorgen, dass er am nächsten Morgen oder zu Beginn der neuen Woche einen Arzt aufsuchen kann.

Ziel der KVB ist es, flächendeckend in ganz Bayern eine ambulante medizinische Versorgung auch abends und an Wochenenden und Feiertagen zu gewährleisten und zugleich die Dienstbelastung möglichst gleichmäßig unter den zum Dienst verpflichteten Haus- und Fachärzten zu verteilen.

Zum 1. Januar 2016 ist das Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) in Kraft getreten. Dieses gibt vor, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen Bereitschaftspraxen an Krankenhäusern nach Bedarfsgesichtspunkten einrichten sollen. Die KVB stellt sich dieser nun auch gesetzlich vorgegebenen Aufgabe. Bayernweit gibt es rund 80 Bereitschaftspraxen, die sich in der Regel an Kliniken befinden und ohne Voranmeldung aufgesucht werden können. Ihre Zahl soll in den nächsten Jahren auf etwa 110 steigen. Die Öffnungszeiten der Bereitschaftspraxen sowie eine Anfahrtsbeschreibung sind stets aktuell unter www.bereitschaftsdienst-bayern.de zu finden. Telefonisch ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst kostenlos unter der einheitlichen Telefonnummer 116117 erreichbar.

Der Ärztliche Bereitschaftsdienst ist zu unterscheiden von der notärztlichen Versorgung. Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen ist stets der Notarzt – unter der kostenfreien Rufnummer 112 – zu verständigen.

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