Unermüdlicher "Drahtzieher": Bergbahnen-Chef Augustin Kröll geht in Ruhestand

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Augustin Kröll sieht die Bergbahnen in der Region gut aufgestellt: „Das Angebot stimmt.“

Mit Sorgenfalten braucht Augustin Kröll nicht aus dem Fenster blicken in diesem Winter, wenn er in seinem Büro in der Talstation der Kanzelwandbahn am Schreibtisch sitzt. Ein perfekter Start in die aktuelle Wintersaison für die Bergbahnen und Skilifte im Allgäu.

Und auch die Bilanz, die Kröll nach 28 Jahren an der Spitze der Oberstdorfer und Kleinwalsertaler Berg- bahnen ziehen kann, wenn er Ende Januar 2018 „aus dem Lift aussteigt“, kann sich sehen lassen und ist kein Anlass für Bauchweh.

Das war nicht immer so. Als er Anfang 1990 bei der Fellhornbahn als „Geschäftsführer“ einstieg, sah er sich einer Situation gegenüber, die durchaus Kummerfalten auf der Stirn rechtfertigte. „Es ging damals um den Scheidtobel“, erinnert sich Gustl Kröll. „Eine Misere.“

Naturschutzverbände liefen Sturm gegen die Pläne, eine Liftverbindung zu schaffen, die den Scheidtobel, ein wichtiger Lebensraum für die geschützten Rauhfußhühner, überqueren sollte. „Es gab zahllose Ortstermine und Besprechungen, bis eine Lösung, die alle Belangen berücksichtigte, gefunden war”, so Kröll. Neuland sei damals auch der Umgang mit den Medien gewesen: „Eine spannende Angelegenheit...“ Die Entwicklung am Fellhorn war gut für Schlagzeilen bundesweit.

Die Seilbahn wurde gebaut, der Scheidtobel für den Skibetrieb gesperrt. Zuwiderhandlungen werden verfolgt und geahndet. Heute wisse man Dank einer Monitoringprojektes, dass der neue Skilift die Birkhühner nicht vertrieben habe, wie von Naturschützern befürchtet worden war. „Im Gegenteil: es gibt heute eine deutlich größere Population in dem Gebiet!”

Seitdem habe sich einiges getan, vieles sei weiterentwickelt worden, fährt der langjährige Bergbahn-Chef fort. Naturschonendes Bauen am Berg, noch dazu an einem Skiberg, sei wesentliches Kriterium aller Bauvorhaben, unterstreicht Kröll. Erfolgreich ist man etwa bei Hangbegrünungen, wo man inzwischen spezielles Saatgut und Pflanzen verwende, die in den entsprechenden Höhenlagen auch durchkämen. Dabei wurden auch Gebiete mit einbezogen, die nicht vom winterlichen Skibetrieb betroffen seien. Wanderwege, die eine Besucherlenkung förderten wurden gebaut, alte Trampelpfade und unerwünschte „Abkürzer“ unattraktiv gemacht, die Bergrestaurants und Stationen an das Abwasserkanal-Netz angeschlossen. Kröll bringt es auf den Punkt: „Wir haben den Berg ökologisch gut entwickelt.“

Kein einfacher Weg für den Österreicher aus dem Salzburger Land. „Ich habe alle Fettnäpfchen gefunden“, bringt Kröll seine Erfahrungen in der ihm zunächst fremden Welt des Bergbahngeschäftes auf den Punkt. „Ich war ja das Greenhorn in den Bergen.“ Er habe aber mit allen ein gutes persönliches Verhältnis gefunden, auch wenn man nicht immer deckungsgleiche Ansichten teile.

Reizwort Beschneiung. Als Augustin Kröll in den Oberstdorfer Bergen „auftauchte“ war das Thema Pistenbeschneiung äußerst umstritten. „Das ist kein Hexenwerk”, findet Kröll im Rückblick. Inzwischen gebe es belastbare Untersuchungen zu den Auswirkungen. Überlegt und fachmännisch eingesetzt, seien Beschneiungsanlagen auf der Fläche keine „Pflanzenkiller”. Man habe im ganzen Alpenraum und speziell am Fellhorn wertvolle Erfahrungen gesammelt, unterstreicht Kröll. Ausfälle von bestimmten Pflanzenarten seien nicht nachweisbar, wohl aber profitierten da und dort einige Arten. „Es kommt darauf an, wie man‘s macht“, so der 62-Jährige.

In die Schusslinie lief der „Drahtzieher und Macher” bei den Bergbahnen in Oberstdorf und dem Kleinwalsertal einmal mehr mit einer kühnen Idee, die Skigebiete „links der Breitach“ im Kleinwalsertal durch eine Panoramabahn ins Boot zu holen und ein zusammenhängendes attraktives Skigebiet zu schmieden. Die Abfuhr für dieses Projekt hätten er und seine Mitstreiter akzeptiert. „Wir haben daraufhin andere Wege gesucht und gefunden”, erklärt Kröll, der immer das Ziel im Auge gehabt habe, „ein gutes Produkt für das Tal und seine Gäste” zu schaffen.

Mit dem Brückenschlag über die Breitach einige Jahre später war der Weg frei für die Modernisierung der Kleinwalsertaler Skilifte am Ifen. Als „Multitalent“ bezeichnet Kröll dieses Wintersportgebiet mit klassischen Skipisten, Winterwanderwegen und Raum für Tourengeher. „Gerade jetzt mit den beiden neuen hochwertigen Bahnen“, schwärmt Kröll: „Eine gewaltige Aufwertung für die Region!“ Ein Jahr nach der neuen „Olympiabahn” geht heuer noch die neue „Ifen 2“ in Betrieb. „Den Gast interessiert es nicht wie und wer etwas macht. Es zählt letztlich das gute Angebot“, sagt Kröll.

Nach dem Kraftakt „Olympia­bahn“, der mit eine Punktlandung zum Saisonstart 2016/17 „abgehakt“ werden konnte, gilt Krölls aktueller und abschließender Einsatz dem neuen Ifen. Wie geplant, geht die moderne Seilbahn zum Saisonstart am 23. Dezember in Betrieb. Der frühe Wintereinbruch hätte die Bauarbeiten zwar etwas beeinträchtigt aber nicht aus der Bahn geworfen, betont Kröll.

Das neue Gipfelrestaurant auf dem Nebelhorn und der spektakuläre Nordwandsteig sind „Volltreffer“ mit denen die Nebelhornbahn seit der Wintersaison 2016/2017 punkten kann. Kröll betont auch hier, dass es ein schwieriger Weg gewesen sei, letztlich aber auch hier eine gute Lösung erreicht worden sei. Ob und wie allerdings in absehbarer Zeit eine neue Nebelhornbahn gebaut werde, sei nicht mehr seine Sache. Allerdings wolle er sich nicht verweigern, wenn er seine langjährigen Erfahrungen womöglich einbringen könne.

„Es ist gelungen, in den vergangenen Jahrzehnten gemeinsam mit vielen Beteiligten und Verantwortungsträgern in der Region viele Dinge zum Vorteil und zum Wohl der Region gut zu entwickeln“, umschreibt „der Gustel“ seine Bergbahnbilanz.

Viel bewegt, vieles erreicht. Augustin Kröll: „Es war immer möglich, mit einem motivierten Team zusammen zu arbeiten, mit Politikern, Grundbesitzern und Investoren, die offen und in gutem Miteinander vieles angepackt haben.“

Dabei denkt er nicht nur an „seine“ Bergbahnen zwischen Nebelhorn und Ifen. Es sein gelungen, wichtige Dinge gut zu entwickeln und den Tourismus voranzubringen. „Die Region ist in dieser Hinsicht gut aufgestellt. Es wurden gute Strukturen geschaffen – vom Fellhorn bis nach Eschach.“ Das komme den Menschen zugute. Der Schwung in der Region sei vielen zu verdanken.

Josef Gutsmiedl

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