Bergbauern bleiben Bergbauern

Allgäuland-Mitarbeiter appellierten vor der halle an die Mitglieder, mit Ja für den verkauf zu stimmen. Fotos: Josef Gutsmiedl

Weichenstellung bei Allgäuland: Eine außerordentliche Generalversammlung der „Allgäuer Bergbauern-Milch eG“ sprach sich jetzt mehrheitlich für einen Verkauf der Genossenschaftsanteile an den skandinavischen Molkereikonzern Arla Foods aus. Ein erster Anlauf war im August hatte die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent nicht erreicht. Arla will die Oberallgäuer Bergbauernmilch verstärkt im Handel platzieren. Der Stand-ort Sonthofen soll erhalten und sogar ausgebaut werden.

Oberallgäu - Es geht weiter bei den Allgäuland Käsereien GmbH. Am Montag sprach sich die außerordentliche Mitgliederversammlung in Waltenhofen mit einer Mehrheit von 80 Prozent für einen Verkauf des Unternehmens an den Molkereikonzern Arla Foods aus. Eine „schwere Geburt“ war es allemal, bis der Schlussstrich unter die Allgäuland-Misere gezogen wurde. Eine erste Versammlung vor wenigen Wochen hatte die erforderliche Mehrheit nicht erreicht. Umso größer nun die Erleichterung bei den rund 400 Allgäuland-Mitarbeitern und 1800 Milchlieferanten der Bergbauern-Milch eG. Arla Foods will vor allem die Bergbauern-Milch stärker auf dem Markt platzieren. „Die Bergbauern werden nicht in einem großen Unternehmen verschwinden!“ betonte Arla-Geschäftsführer Torben Olsen. Auf den „Schlussstrich unter die Allgäuland-Misere“ warteten Vorstandschaft wie Mitglieder seit langem. Das hochverschuldete Unternehmen stand vor der Insolvenz (der KREISBOTE berichtete). Als einzig gangbare Alternative hatte sich in den vergangenen Monaten die Übernahme durch Arla Foods eröffnet, die als „positive Fortführungsprognose“ eine Pleite verhindern konnte. „Höchste Zeit, dass es eine Ende findet“, sagte Werner Mangold aus Simmerberg und hoffte wie alle auf einen guten Ausgang der Abstimmung. „Von der Versammlung hängt viel ab“, rief Martin Kirchmann, Vorstandsvorsitzender der Allgäuer Bergbauern-Milch eG in Erinnerung. Nach turbulenten Wochen gelte es nun, Weichen zu stellen. Die fünf weiteren Genossenschaften unter dem Dach der Allgäuland Käsereien GmbH hatten sich im Gegensatz zu den Bergbauern mit deutlichen Mehrheiten für den Verkauf und damit die Übernahme durch Arla Foods ausgesprochen. Knapp 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Allgäuland Käsereien machten in stillem Protest vor der Versammlung in Waltenhofen auf die Folgen der drohenden Insolvenz aufmerksam. Es gehe um Existenzen, um Arbeitsplätze, war auf den Transparenten und Plakaten zu lesen. Torben Olsen, Geschäftsführer der Arla Foods Deutschland, hielt sich nicht mit den Erläuterungen zur Marketing-Strategie des Unternehmens auf. Er setzte auf Vertrauen: „Sie verschwinden nicht in einem großen Unternehmen!“ Vielmehr hätten die Bergbauern genau das, was Arla brauche, um dem Slogan „Der Natur ein Stück näher“ gerecht zu werden. „Sie haben die gute Milch, die wir brauchen. damit kann man was Gutes machen.“ Und das wolle Arla in Zukunft mit den Bergbauern machen, so Olsen weiter. Die Bergbauern würden nicht Mitglied von Arla, zerstreute Olsen die Vorstellung vom „Geschlucktwerden“. Vielmehr gehe es um eine enge Zusammenarbeit: „Sie behalten Ihr Eigenleben, Ihre Identität.“ Erneut unterstrich Olsen, dass der Standort Sonthofen mit dem Milchwerk „der Mittelpunkt der Bergbauern-genossenschaft“ bleiben werde. Arla wolle hier sogar investieren. Zu der angestrebten Partnerschaft gehöre für das Unternehmen auch, dass man keinen zu einer Zusammenarbeit zwinge: „Wer mit uns weitermachen will, ist willkommen. Wer nicht will, der muss nicht.“ Es müsse ein Miteinander geben, kein Gegeneinander, sagte Olsen. Die Hürde, die Arla für die geplante Allgäuland-Übernahme aufgestellt hat, scheint inzwischen kein Problem mehr. Nachdem zunächst eine Mindestmenge von 250 Millionen Kilogramm Milch angesetzt worden war, reichen nun 220 Millionen Kilogramm. 75 Millionen Kilogramm müssen allerdings Spezialmilch sein, davon wiederum 40 Millionen Kilogramm Bergbauernmilch (aus Höhenlagen von mehr als 800 Metern). Die erforderliche Menge sei „in Kürze erreicht“. Auch der Milchpreis liege mit allen Zuschlägen deutlich über dem Durchschnitt und sei über das Quotenende hinaus gesichert. Nicht überzeugt, dass Arla „das richtige Pferd“ ist, waren 200 Mitglieder, die in der Abstimmung den Verkauf ablehnten. Mit 814 Ja-Stimmen (80,3 Prozent) wurde die 75-Prozent-marke übersprungen. „Ihr habt Größe und Stärke gezeigt“, würdigte Martin Kirchmann das Ergebnis. „Wir Bergbauern sind heute alle die Gewinner.“ Arla Foods ist der Übernahme der Allgäuland-Käsereien GmbH und ihrer Beteiligungsgesellschaften damit ein Stück näher gekommen: Die Gesellschafter der Allgäuland-Käsereien haben dem Kaufangebot der skandinavischen Molkereigenossenschaft zugestimmt. „Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung“, sagt Torben Olsen. Durch die Übernahme wäre die drohende Insolvenz der Allgäuland-Käsereien abgewendet. Zudem erhielten die Milchbauern mit Arla Foods einen starken Partner, der ihnen die Abnahme ihrer Milch garantiert. In den kommenden Tagen und Wochen stehen die detaillierte Ausarbeitung sowie die juristische Prüfung der für den Zusammenschluss notwendigen Vertragsunterlagen im Vordergrund. Außerdem werden mit den Milchbauern der Allgäuland-Käsereien individuelle Milchlieferverträge vereinbart. Voraussetzung für den Kauf durch Arla Foods ist darüber hinaus die Zustimmung der EU-Kartellbehörden. „Unser Ziel ist es, zu den drei führenden Milchverarbeitern im deutschen Markt zu gehören“, erklärt Olsen. „Gemeinsam mit Allgäuland kommen wir diesem Ziel einen Schritt näher.“

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